A-Montag

Wie geht es dir denn?

Es ist A-Montag, wie soll’s mir gehen?! Der Turnus beginnt, ich habe etwa ein Achtel des für das Wochenende geplanten Pensums tatsächlich abgearbeitet und dementsprechend die Nacht am Sonntag mit überfälligen Hausaufgaben verbracht, mein Frühstück war so reichhaltig, wie das zu erwarten ist, wenn auch jede letzte Minute des Morgens im wohlig-warmen Bett ausgenutzt wird, und beim „Was-vergess-ich-diesmal“-Lotto habe ich diesen Turnus anscheinend „Kopfhörer“ gezogen, in meiner Reisetasche sind sie jedenfalls nicht.

Alles gut, gut angekommen

A-Donnerstag

<3

Vorwurfsvoll pulsiert auf meinem Handy-Bildschirm ein großes, rotes Herz. Was soll das denn bitte, warum pulsiert es?! Wenn es lebensecht wirken soll, dann muss ich leider anmerken, dass rein mit Hinblick auf die physische Form dieses Muskels noch einiges an Arbeit vor den Entwicklern liegt. Und überhaupt, die Animation macht es so auffordernd, als würde es mich gleich anspringen, wenn ich nicht antworte.

Einatmen. Ausatmen. Durch die Haare fahren.

Es ist lieb von ihnen. Und ich Idiot melde mich ja mal wieder einfach nicht. Aber hier bricht irgendwie alles zusammen: Meine Hausaufgabenplanung hatte funktioniert, unter Einberechnung knapper 7h Schlaf, jedenfalls, bis mich jemand an den verpflichtenden Vortragsabend heute erinnert hat.

Jetzt ist das Schlafpensum weiter geschrumpft, wobei mein Durchschnittswert langsam tragisch wird angesichts der Tatsache, dass ich bereits eine potentiell zu durchwachende Nacht für die Fertigstellung dieser GFS eingeplant habe. Und auch schon dieser Mittelwert ist eine nette Lüge für mich selbst: Letzte Nacht waren es höchstens 5, weil die fein-säuberlich verfasste To-Do-Liste zwar auf dem Papier schön und geordnet wirkt, im halb-schlafenden Zustand meinem Unterbewusstsein aber eher wie eine monströse Sisyphos-Papierkugel vorkommt, die sich irgendwo in meiner Magengegend verkeilt.

<3 Alles gut bei dir?

Rückfragen, Rückfragen sind immer gut. Besser etwas über die Katzen hören, als zu lange über meine ewig den Berg herab rollende To-Do-Liste nachzudenken.

A-Samstag

Stress bei dir…? <3

Mein Handybildschirm leuchtet auf, eine weitere Instanz, die irgendwas von mir will. Entnervt zuckt mein Kopf zurück zum Laptop. Muss. Ausarbeitung. Fertig schreiben!

Mein Magen zieht sich krampfhaft zusammen. Essen ist gerade nicht meine Top-Priorität, und gewissen Teilen meines Körpers gefällt das nicht besonders. Aber das ist deren Pech, erstmal muss ich diese GFS hinter mich bringen.

…und endlich die Chemie-Klausur vorbereiten…

…und die in Geschichte…

…und den Essay für Deutsch schreiben, aber mit dem will ich nicht anfangen – es ist mir wichtig, dass er gut wird, also fange ich erst gar nicht an, sonst könnte ich es ja vermasseln. Super Gehirn, Logik kannst du…

…und eigentlich wollte ich Hausaufgaben für die B-Woche vorarbeiten…

…und Zeichnen wollte ich endlich mal wieder, um diese verdammte Papier-Beton-Kugel in meiner unterbewussten Magengrube in etwas Schlafverträglicheres, mein Unterbewusstsein Zufriedenstellendes umzuwandeln.

Wollen wir vielleicht mal telefonieren…?

Telefonieren? Das werden entweder knappe fünf Minuten, die weder sie noch mich weiterbringen, oder zwei Stunden – in denen mir erneut versichert wird, das sei alles zu viel Stress und zu viel Druck, und nach denen ich mir erneut wünschen werde, einfach gewartet zu haben, bis es mir besser geht, um zu telefonieren.

Alles gut, nur ein bisschen stressig

Freu mich aufs Wochenende <3

Meine Zimmerpartnerin lässt sich demonstrativ aufs Bett fallen – ihre Woche ist auch nicht viel besser. Und mit einem Blick auf ihr Gesicht wird klar, dass heute definitiv keine Besserung darstellt.

Bevor ich mich neben sie werfen kann, knallt unsere Zimmertür erneut – eine Freundin lässt sich mit ausgebreiteten Armen auf meinen eben angepeilten Platz fallen und verkündet, sie hätte keine Lust mehr. Resigniert klappe ich den Laptop zu. So wird das nichts.

A-Samstag. Nachts.

Wäre es in einer melodramatischen, verzweifelten Art möglich, die Augen zu schließen, ich würde es jetzt tun. Die letzten drei Stunden saß ich mit einer Mitschülerin auf dem WG Sofa – eine Unterhaltung, gefüllt mit leisen, bitteren Erzählungen von all den Dingen, die man als Schüler ab und an gerne mit der Deutschen Bahn hinter sich lässt, wenn es am Sonntag nach Gmünd geht.

Es war ihr wichtig, es war ein gutes Gespräch. Und ich bin müde, so unendlich mü-

B-Mittwoch

Was soll ich den schonmal einkaufen? Freu mich auf dich!

Nachdem die endlose Liste in meinem Magen sich endlich etwas verkürzt hat, kann nun schlechtes Gewissen mit einem miesen Grinsen diesen Platz einnehmen. Ich habe seit drei Tagen nicht auf diese dumme Nachricht geantwortet.

Dafür habe ich meine Zeit anderweitig genutzt: Mich sinnvoll auf die Chemie-Klausur vorbereitet und diese konzentriert absolviert. Danach in Panik, mit vier Tafeln Schokolade und einer halben Packung Nougat-Bits eine Nacht auf Geschichte gelernt und die Klausur… ich habe etwas hingeschrieben.

Ich verziehe das Gesicht und raufe mir die Haare. Mein aktuelles Ziel ist einfach nur, heute Abend ein einziges Mal wirklich allen WG-Müll vor 20 Uhr beisammen zu haben und den morgigen Tag mit offenen Augen zu durchlaufen. Was ich essen will? Kann man darauf „Für etwas so Langfristiges fühle ich mich noch nicht bereit“ antworten?

Vielleicht Salat? Und Chips wären super 😉

B-Donnerstag

Auf meine Nasenspitze fallen warme Sonnenstrahlen durch das zerkratzte Fensterglas des REs. Meine Haut saugt die Wärme in sich auf, und irgendwo in meinem Inneren entwirrt sich ein Klumpen undefinierbarer Unruhe. Es ist geschafft, der Turnus ist rum. Aber das ist es nicht.

Neben mir telefoniert ein Mann in immer wieder unangenehm verrutschendem Anzug, zumindest seines regelmäßigen Zurechtziehens nach, hektisch mit jemandem, der anscheinend noch nie mit der Bahn unterwegs war und deshalb keinerlei Verständnis für 25 min Verspätung hat.

Die Frauen mir gegenüber können einfach nicht begreifen, wie jemand („jemand“ wird von ihnen immer wieder Bastian genannt) so unsensibel sein kann, zu einem Treffen einfach ohne Erklärung nicht aufzutauchen.

Und der kleine Junge da drüben ist einfach nur glücklich, diesen dunkelblauen Pullover endlich in der Tüte seiner Mutter zu sehen, statt noch weitere 23 anprobieren zu müssen.

Denn das Leben, das Leben hat schöner Weise noch ein paar andere Themen als Klausuren und Hausaufgaben. Es gibt mehr zu tun, mehr zu erleben – und mehr, dass einem wichtig sein kann und sollte. Zum Beispiel, sich mit einem Tee in der Hand einfach mal die Sonne auf die Nasenspitze scheinen zu lassen.

Um 18:39 bin ich da <3

Eine Nachricht, von mir, ganz ohne Aufforderung. Sowas probieren wir öfter mal.

Es ist wahr – das ist zu stressig, und ich sollte dringend mehr schlafen, und ab und an meine Prioritäten so sicher treffen, dass auch mein Bauchgefühl die letzten 5 möglichen, aber irrelevanten Punkte nicht mehr als Schwert im Nacken spürt.

Aber all das ist nicht die Schuld des Leistungsdruckes hier am LGH oder überhöhten Erwartungen meiner Lehrer oder dem überfordernden Leistungsniveaus in der Klasse oder was auch immer dieser oder jener LGHler schon von den Lieben daheim gehört hat.

Es ist das Ergebnis eines Zuhauses, das Schule, sonst „Außerschulisches“, Freunde und Freizeit einfach mal ineinander rührt und über den Uni-Park kippt. Eine Mixtur, die ganz Fantastisches hervorbringen kann – und aus der wir alle vielleicht öfter heraus waten sollten, um das, was uns wirklich wichtig ist, von der Seite zu angeln und gezielt ins Visier zu nehmen, statt weiter etwas ziellos in eine Richtung zu paddeln.

Sagt man sich so, wenn man entspannt auf einem blau-gemusterten Sitz gen Wochenende fährt. Aber versuchen kann man es ja mal – Tee gibt es schließlich auch in Cafés in Gmünd.

Ein Kommentar

  1. Toller Artikel! Spricht glaube ich vielen LGHlern direkt aus der Seele <3

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