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Unseriös“, dachte Tutanchamun und schloss das Fenster.

Absolut unseriös, wie stark dieser Zimtschneckenduft in sein Zimmer waberte. Der offizielle Startschuss für die Weihnachtszeit war gefallen und niemand konnte sich noch retten. Niemand, wirklich niemand. Was nicht hieß, dass es Tutanchamun nicht versuchen würde. Er wetterte beinahe so häufig gegen die Weihnachtszeit, wie er Cannabinoide konsumierte und Fernsehen sah. Also quasi immer.

Schon in früher Kindheit hatte er das Getümmel der Weihnachtsmärkte, die Bäume voller Schnickschnack, die verdammten Misteln gehasst. Seine Alpträume schmecken nach Punsch, sein Feindbild trug einen rot-weißen Mantel, und pünktlich gegen Mitte November wandelte sich jede Stadt zu seiner personalisierten Hölle auf Erden. Grunzend ließ er sich auf einen Sessel nieder und starrte an die erfrischend unfestliche Decke des Wohnzimmers. Der ehemals weiße, über die Jahre hinweg grau gewordene Rauputz schien geradewegs zurückzustarren. Tutanchamun schloss die Augen.

Als er sie wieder öffnete, meinte er, ein Motiv in den kleinen Wölbungen der Tapete zu erkennen. Eine Frau, die ihm zuzwinkerte. Er gähnte. „Jetzt sehe ich sie schon an der Decke“, grummelte er, mehr zu seinen Topfpflanzen als sich selbst. Er hatte keinen besonders grünen Daumen, weshalb die Vegetation der Wohnung vor langer Zeit das Zeitliche gesegnet hatte. Wenige Wochen, nachdem Gertrude gegangen war. Letztes Weihnachtsfest.

Zum Mittagessen gab es heute Tiefkühlrouladen, entschied er nach einem kurzen Blick in die ungeputzte Küche. Das ultimative Rüstzeug seiner Kochkunst, die Mikrowelle, thronte auf einem wackeligen Stapel alter Zeitungen. Er warf die einsame Roulade auf einen Teller und sah ihr beim Abtauen zu, daran denkend, wie sehr Gertrude Fertigfraß gehasst hatte. Grimmig schaltete er die Mikrowelle eine Stufe höher. Das Fernsehprogramm hatte er sich schon ausgesucht, eine Kriegsdoku mit besonders niedriger Chance einer Weihnachtsthematik. Vor dem Gerät niedergesunken genoss er die Ruhe.

Plötzlich schrillte die Türklingel…

Fortsetzung folgt – übermorgen.

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