FotoBlend_09052017080829

Während ich dies schreibe, bemühe ich mich (erfolglos), es mir auf dem harten Schulstuhl wenigstens etwas bequemer zu machen. Wir haben Deutsch und es wird über – was sonst – Kafka-Prosa diskutiert. „Sehr kafkaesk“, kommentiert eine Mitschülerin. Oh je, Zeit, sich aus dem Gespräch auszuschalten.

Wenn der Stuhl nur nicht so hart wäre… ein Sofa müsste her – wie in der Grundschule, als man sich zum Lesen in die Sofaecke zurückziehen durfte, wenn es einem zu bunt wurde. Ach ja, das waren Zeiten.

Dabei mangelt es am LGH nicht einmal an Sofas. Schon oft habe ich miterleben dürfen, wie Schüler sich schlaftrunken in der Bibliothek auf der Couch räkeln, die Wolldecke bis ans Kinn gezogen. Oder sich am WG-Abend das gesamte Konsortium in den federnden Schaumstoff des Mömax-Mobiliars quetscht. Warum also nicht auch im Klassenzimmer?

Das Sofa (ein mehrsitziges, gepolstertes Sitz- und Liegemöbel, das sich auch für den kurzen Mittagsschlaf eignet) genießt hierzulande weitreichend Anerkennung, in fast jedem Wohnzimmer findet sich eines. Aus platztechnischen Gründen ist vor unserem Fernseher zwar keine Familiencouch à la Simpsons zu finden, dafür aber zwei ausrangierte Autosessel mit verstellbarer Lehne. Ist zwar weniger heimelig, aber durchaus „cool“. Ein Kanapee gibt es in unserem Haushalt allerdings – mein Bettsofa nämlich. Mit seinem angenehmen Anthrazit-Ton schmeichelt dies Ikea-Wunderwerk nicht nur meiner Zimmerwand, sondern auch meinem nächtlichen Schlaf. Sich abends in einen Berg von Kissen und Decken zu kuscheln und sich auf der Monstermatraze zu fläzen, das fehlt mir schon am LGH. Denn nach zehn Jahren Landesgymnasium haben die WG-Couches (Gott habe sie selig) mit ihren verschlissenen Bezügen und schmuddeligen Armlehnen schon etwas an einladendem Charme verloren.

Dagegen im Schulhaus: gepolsterte Ruhebänke (auch: mit Decken oder Teppichen als Sitz- oder Liegestatt hergerichtete breite Lehmerhöhungen, ursprünglich Kissen auf dem Kamelsattel; hier meinen Dank an Wikipedia) – das wäre fein. Se coucher auf der Recamière im Französischunterricht, ein bisschen κωνωπεῖον in Altgriechisch oder die Federkraft des guten Stückes in Physik ausrechnen, wenn das Gewicht an der Feder zu öde wird. So ein Sofa würde dem LGH sicherlich etwas mehr Pep verleihen und das Ansehen der Herren Verwaltung in der Schülerschaft um einiges steigern.

Und niste sich dann einmal eine Kakerlake im Klassendiwan ein, dann hätte dies sicherlich etwas Kafkaeskes.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*