Schon wieder Januar. Schon wieder ein neues Jahr. Schon wieder der soziale Druck zur Selbstreflexion und Erkenntnis, dass man eigentlich gar kein so guter Mensch ist. Schon wieder kurz schockiert sein und dann fleißig analysieren: Warum bin ich so schlecht, wie ich bin, und wie lässt sich das so ändern, dass sich möglichst viele meiner Instagram-Follower auch mit diesen Vorsätzen identifizieren können?

Da fragt man am besten mal die Cosmopolitan um Rat, die mir immer auf Platz 1 der qualitativ hochwertigen Referenzen auf Snapchat empfohlen wird. Nach dem obligatorischen und detailreichen Horoskop für das sagenumwobene Jahr 2018 (ich werde vielleicht meine große Liebe kennenlernen, vielleicht aber auch nicht) erscheint schon der verheißungsvolle Titel: „Diese 10 Vorsätze fürs neue Jahr lohnen sich wirklich“. Na dann mal los.

Quelle: COSMOPOLITAN.de, Anastasia Rastorguev, http://www.cosmopolitan.de/neujahrsvorsaetze-diese-10-vorsaetze-fuers-neue-jahr-lohnen-sich-wirklich-68751.html

1. Melde dich öfter bei deiner Familie. Das klingt nach einem Satz, der wunderbar zum LGH passt. Wann habe ich das letzte Mal zu Hause angerufen und nicht nur eine knappe WhatsApp-Nachricht à la „Hallo mir geht’s gut“ verfasst? Ach ja genau, irgendwann letzten Turnus. Als ich die Kennnummer der Kreditkarte meines Vaters zum Kauf meiner Fahrkarte nach Hause gebraucht habe. Ich glaube, das zählt.

2. Reise mindestens ein Mal im Jahr irgendwo hin, wo du noch nie warst. Ist damit die Bibliothek des LGHs gemeint? Ich weiß es nicht so genau. Vielleicht aber auch ein spontaner Trip an einem A-Wochenende nach Paris? Ich habe gehört, dass man von Köln aus nur 2,5 Stunden mit dem Zug braucht.

3. Sei wirklich da für deine Freunde und pack das Handy weg. Denken wir uns mal die nihilistischen Mitmenschen weg, die diesen Vorsatz mangels echter Freunde direkt streichen würden. Dann wäre das doch mal ein Ansatz, den wir als Kollektiv anstreben könnten. Zum Glück gibt es ja so Sachen wie das Handyverbot in der Mensa, welches uns effektiv beim Erreichen dieses Ziels unterstützt.

4. Wo wir schon beim Handy sind: Reduziere deine Online-Zeit. Auch hier bieten uns das Internat und die Schule wertvolle Rahmenkonzepte, die uns mittels Mediennutzungszeiten eine deutlich erhöhte Lebensqualität im Alltag ermöglichen. Hausaufgaben werden nunmehr in die Mitte der Nacht verlegt, um ein regelkonformes Verhalten ab pünktlich 23.42 Uhr zu garantieren.

5. Lies mindestens ein Buch pro Monat. Das würde bedeuten, bei einem durchschnittlichen Buch von 300 Seiten, ungefähr 150 Seiten pro Turnus und 10 Seiten pro Tag. 10 ganze Seiten mehr von solchen Undingen, die uns allzu sehr an Agnes, Andorra, 1984 und weitere kafkaeske Meisterwerke erinnern. Kein Wunder, wenn da die Hemmschwelle für viele unüberwindbar ist.

6. Lerne, öfter „Nein“ zu sagen. Kein Problem! Hausaufgaben? Nein! Sport? Nein! Gute Noten? Nein! Moment, wie bitte? So funktioniert das ja gar nicht, man muss das erstmal differenziert betrachten und dann zu dem Schluss kommen, dass man zwar hin und wieder Probleme mit seinem Lebensstil hat – jedoch auch, dass diese Probleme ziemlich nice sind.

7. Integriere diese 3 Beauty-Rituale in deinen Alltag: morgens 1 Glas warmes Zitronenwasser, jeden zweiter Kaffee durch ein grünes Getränk ersetzen und vor jeder Mahlzeit ein großes Glas Wasser trinken. Problematisch, wenn meine Hauptnahrungsquelle der extrem koffeinreiche Mensakaffee ist. Und wenn der WG-Kühlschrank mal wieder so voll mit Pesto-Gläsern ist, dass gar kein Gemüse mehr hineinpasst. Schade.

8. Kleine Geschenke erhalten die große Liebe. Welche große Liebe ist hier überhaupt gemeint? Die zu meinem Bett, zu Maries Spaghetti Carbonara oder zu Contemporary Dance Sessions? Ach so, es geht um meinen Freund.

9. Schreibe wieder echte Postkarten. Und gib dein Taschengeld eines gesamten Monats aus, weil du niemanden vergessen willst und das Porto im Ausland so teuer ist. Schlussendlich sehe ich meine geliebten Menschen sowieso persönlich wieder, bevor die Postkarte aus Griechenland ihren Weg nach Schwäbisch Gmünd gefunden hat.

10. Vertrag dich mit einer Freundin, mit der du seit Längerem nicht redest. Dieses Problem kennen wahrscheinlich die meisten, wenn auch nicht auf Basis eines Streits. Wir alle haben unsere alte Schule und somit unsere Freunde verlassen, um auf das LGH zu wechseln und es tut definitiv gut, mal wieder mit den Dudes von zu Hause zu kommunizieren. Egal wie seltsam, gemein oder langweilig sie waren.

Schlussendlich sehe ich am Ende des Artikels die Werbung für Brokkoli bei Penny für nur 77 Cent und lehne mich entspannt zurück. Egal wie unzufrieden ich mit meinem aktuellen Leben bin, meine internatsspezifische Lebenskostenminimierung gepaart mit gesunder Ernährung ist gesichert. Und das ist doch schonmal was.

– Jennifer Miess

Quelle:

http://www.cosmopolitan.de/neujahrsvorsaetze-diese-10-vorsaetze-fuers-neue-jahr-lohnen-sich-wirklich-68751.html

 

 

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