Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd mit Internat und Kompetenzzentrum für Hochbegabung.

Irgendwann letztes Jahr haben wir angefangen, uns einen Spaß daraus zu machen und tatsächlich diese vollständige Betitelung des LGHs auf alle mehr oder weniger offiziellen Dokumente geschrieben. Schräg bekritzelte Kopfzeilen und noch schrägere Blicke waren die Folge.

Doch zumindest letzteres folgt auch oft, wenn man die Anhängsel weglässt und einfach nur erklärt, wofür das Akronym „LGH“ steht. Neulich, bei Debating, wurde unsere Mannschaft als „Landesgymnasium“ vorgestellt und mit LGH abgekürzt – schnell kam die Frage auf, was das H denn dort zu suchen habe, und fast ebenso schnell die Antwort, „das sind doch die Hochbegabten“. Ja, wir sind die Hochbegabten – doch müssen wir deshalb so heißen?

Nein, definitiv nicht. Zunächst einmal ist es ja nicht so, als ob wir uns über unsere Hochbegabung definieren würden. Klar, ein gewisser IQ ist Aufnahmekriterium, aber, sobald einmal amtlich bestätigt, kein Thema mehr. Ich kenne den IQ von keiner einzigen Person an der gesamten Schule, nicht einmal meinen eigenen, und ich habe auch kein Bedürfnis, meinen Kenntnisstand diesbezüglich zu erweitern – schlicht und einfach, weil es nicht relevant ist. Wenn wir uns also untereinander nicht davon beeinflussen lassen, wie viele Punkte mehr oder weniger das Gegenüber in einem zweifelhaften Test hatte, warum grenzen wir uns darüber anderen gegenüber ab?

Dass es sich um eine Abgrenzung handelt, steht nicht infrage. Denn egal, ob diese intendiert oder nicht intendiert ist, sie existiert, selbst wenn es nur eine imaginäre Barriere ist, eine Luftlinie, die niemand überschreiten kann. Deshalb auch die schrägen Blicke beispielsweise der anderen Debater – mit dem Namen „… für Hochbegabte“ wirkt es, als wenn wir uns für eine „Elite“ halten, für etwas Besseres. Dieser scheinbaren Arroganz, dieser Überheblichkeit, wird mit einer klaren Abneigung und Distanzierung begegnet – bei Debating, landesweiten Mathewettbewerben oder der simplen Vorstellung gegenüber Bekannten.

Warum ist das H so wichtig? Warum können wir nicht wie die anderen Landesgymnasien heißen? Pforta, St. Afra, Hansenberg – in keinem dieser Namen steckt drin, was bei uns steht. Und wenn wir so sehr auf unserer Präambel, dem „Ich bekenne mich zu meiner Begabung“ beharren, anderer Vorschlag: Bekenntnisschule zur Hochbegabung. Das würde den Namen immerhin in akkurater Form ins Lächerliche ziehen.

Unser aktueller Schulname ist vielleicht nicht lächerlich, aber er widersetzt sich allen Namensgebungsregeln. Warum heißt das LGH nicht wie jede andere Schule „Goethe-Gymnasium“? Warum nehmen wir uns nicht einfach eine der zahlreichen berühmten Personen aus der Steinzeit bis heute zum Vorbild? „Landesgymnasium Gebrüder Humboldt“ zum Beispiel wäre ein Vorschlag, so würde einerseits die beliebte Abkürzung LGH bestehen bleiben, und andererseits repräsentieren die Gebrüder Humboldt sowohl die Geisteswissenschaften als auch die Naturwissenschaften und es würde so kein einzelner Schwerpunkt suggeriert werden.

Der jetzige Name kann ja schließlich trotzdem bestehen bleiben – zum Beispiel in einer Art Untertitel, so wie bei „Landesgymnasium St. Afra – Sächsisches Landesgymnasium für Hochbegabtenförderung“.

In einen Untertitel würden auch die Namensanhängsel besser passen, „mit Internat und Kompetenzzentrum für Hochbegabtenförderung“. Im aktuellen Schultitel klingen letztere leider eher wie eine unnötige Aufzählung all der Dinge, die Teil der Schule sind – ein Goethe-Gymnasium mit zum Beispiel einem Schulgarten heißt auch nur Goethe-Gymnasium und nicht Goethe-Gymnasium mit Schulgarten, Mensa und Bibliothek für goethesche Literatur. Ein Internat und ein Kompetenzzentrum haben selbstverständlich nicht alle Schulen – aber muss das KH Teil unseres Schulnamens sein? Kann es nicht wenigstens in den Untertitel rutschen?

Wer sich öffentlich zu seiner Hochbegabung bekennen möchte, kann das ja immer noch tun. Dafür bieten sich weitaus mehr Möglichkeiten im Gespräch als nur im Nennen des Schulnamens. Ich persönlich würde es aber bevorzugen, mich vorstellen zu können, ohne direkt in die Elite-Kategorie abgeschoben zu werden – „Ich gehe aufs Landesgymnasium Gebrüder Humboldt, so ein Internat in der Nähe von Stuttgart.“ Es wären nicht einmal mehr Silben, geschweige denn eine andere Abkürzung. Es wäre schlicht praktischer.

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