Dieser Satz verklingt doch des Öfteren Mal in den Gemäuern des LGHs, wenn es Mal wieder einmal viel zu spät zum Sprechen oder gar Denken ist. Die Satzkonstruktion stößt an ihre Grenzen und aus „gedacht“ wird dann schnell ein „gedenkt“. Kurzes Innehalten, wirkliches Nachdenken und hinterfragen – der ein oder andere lacht kurz auf und dann stellt man fest, dass es wirklich Zeit ist, schlafen zu gehen.

Neuer Tag, neues Glück, doch auch hier scheint es nicht ganz rund zu gehen. Irgendwo schleicht sich dann doch ein Grammatikfehler ein – halt stopp – eigentlich ist das gar kein Grammatikfehler, zumindest ganz offiziell schon, aber könnte ich dies nicht als Schwäbisch verkaufen? Nun, immerhin bin ich im Schwabenland aufgewachsen, selbst der Name der kleinen Stadt, in dem sich das Internat befindet, suggeriert schon, dass Schwäbsich akzeptiert oder gar erwünscht ist. Aber wirklich sprechen? Wer spricht schon heute Schwäbisch? Natürlich rutscht einem das ein oder andere Wort mal raus. Mit Fuß ist plötzlich das ganze Bein gemeint, aus Bach wird Bächle und das allseitsbeliebte „wo“ ist dann auch in einem oder anderem gesprochenem Satz zu finden, doch in der Interpretation von Faust eher unerwünscht. Schnell noch das Wort durchstreichen. Im Großen und Ganzen bleibt man beim Hoch- bzw. Standarddeutsch, zur Freude und Erleichterung der nicht schwäbisch geläufigen Mitschüler und Lehrer.

Spätestens im Osiander findet man noch eine kleine Hommage an das Schwäbische mit Sprüchen auf Magneten a la „Schwäbisch is moi heimat“ oder ähnliches (meist sind es dann spezifische Städte). Im Deutschunterricht untersucht man ein wenig verschiedene Begriffe, doch die alle klingen fern. Wer redet denn noch in der heutigen Jugend wirklich Dialekt? Die wenigen, die es noch können, tun dies auch so gut wie nie in der Schule. Die tagesschau veröffentliche im Januar erst einen Instagram Post mit der Tatsache, dass bald 1500 Sprachen aussterben werden, insbesondere Nordfriesisch, Saterfriesisch und Jütländisch, aber auch weitere Dialekte seien bedroht bzw. nehmen kontinuierlich ab.

Ein Blick nach Bayern, dem Bundesland, welches neben Sächsisch vermutlich den Preis des schrecklichsten Dialekts teilt, und man wird eher fündig. Wagt man aber einen Blick über den Tellerrand Richtung Südosten, landet man im unscheinbaren Nachbarland Österreich, welches eigentlich immer nur nebenbei in den Köpfen der Deutschen existiert. Hier sieht die Welt ein bisschen anders aus.

Die Hofburg in der österreichischen Bundeshauptstadt Wien.

Stufe 1: Österreichische Wörter für den Alltag

Vor einigen Jahren zumindest (vielleicht hat es sich auch inzwischen geändert), stand noch in der Campusordnung bzw. Putzzettelanleitung: das „Backrohr“ sollte gereinigt werden. Richtig geraten, hier handelt es sich um den Ofen. Doch manche Alltagsbegriffe sind nicht so leicht zu entschlüsseln. Aus Treppe wird Stiege, aus Stuhl wird Sessel (der für uns geläufge Begriff Sessel wiederum wird dann zum Stuhl, somit ist die Benennung genau andersrum). Eine Herausforderung wird dann vor allem das Einkaufen von Lebensmitteln, somit ist Schlagsahne Schlagobers, Sauere Sahne wird zu Sauerrahm, aus Hefe wird Germ. Vom Gemüse fangen wir erst gar nicht an zu reden, da hier auch weitere Nachbarländer wie zum Beispiel Ungarisch hineinspielen; Ribisel (zu dt. Johannisbeere) ähnelt somit dem ungarischen Wort „ribizli“ und Karfiol (Blumenkohl) wurde komplett übernommen. Als ehmaliger LGHler wünscht man sich sofort den Norma zurück, den es hier aber leider nicht gibt…

Stufe 2: Dialekt im Bundesland

Doch wer denkt, dabei bleibt es, vergisst, dass – obwohl Österreich gerade einmal so groß wie ungefähr ein Bundesland von Deutschland ist – jenes Land nochmals in neun Bundesländer unterteilt ist. So reicht es nicht zu wissen, dass Backrohr Ofen, manchmal auch Herd oder einfach nur Rohr, heißt, wie es halt eben passt und einem gerade einfällt. Während die Wiener weitgehend dem Hochdeutsch treu bleiben und eine verhältnismäßig kleine Palette an anderen Wörtern benutzen und vielleicht das ein oder andere ein wenig anders betonen, sieht es mit Niederösterreichisch anders aus. Oberflächlich betrachtet ist es eine Verstärkung des Wienerischen. Oberösterreichisch ähnelt am ehsten dem Bayerischen, Kärnten hingegen wird schon um einiges ambitionierter. Doch die wahre Herausforderung – und dies selbst für Österreicher – ist das sogenannte Vorahlbergerisch. Jenes Bundesland, welches an Deutschland und vor allem die Schweiz angrenzt, hält eine ganz besondere Mischung bereit. So werden die Wörter gerne abgehackt, aber auch Diphtonge schnell zu einem. Das bedeutet, aus Maus wird Mus. In entsprechender Geschwindigkeit ist jede Bemühung für den Durchschnitt auch vergeblich. Doch zumindest versuchen sich die Vorahlberger klar auszudrücken, sodass man sie versteht, denn sie sind sich ihrem Dialekt bewusst, im Vergleich zu manch anderen…

Wenn man dann eine WhatsApp Nachricht in hervorragendstem Dialekt bekommt, räselt man vielleicht ein wenig über die Aussprache, bis man nach ein zwei Mal durchlesen, auch jede Formulierung versteht. Für Österreicher ist Dialekt nicht etwas abstruses, verwunderliches, gar befremdliches, wie es manchmal am LGH scheint. Die Natürlichkeit mit der sie einem begegnen, während sie sprechen, verwundert mich immer wieder, jedoch ist es für sie ganz normal. Nur mir erscheint und gerade auch am LGH, durch die Tatsache, dass niemand wirklich ortgebunden ist, jegiche Verwendung des Dialekts befremdlich. Wann also haben wir eigentlich das „Schwätzen“, das Reden im Dialekt verloren? Sowohl die Schweizer auch die Österreicher scheinen es bei behalten zu haben, warum also Deutschland? Das beliebte Deutschaufsatzthema „sollte man Dialekt erhalten“, bekommt eine andere Realität.

Stufe 3: Das Zurechtkommen und Akzeptanz

Eins kann man aber vielleicht dem Ganzen abgewinnen: Neben lustigen Situationen, die aufgrund der ein oder anderen Sprachbarriere entstehen, merkt man, dass es vielleicht doch erlaubt sein darf, nicht immer korrektes Deutsch anwenden zu müssen. Untergegangen sind Österreicher auch noch nicht und das, obwohl sie gerne Sachen im Chemielabor anders benennen und nicht immer die korrekte Verwendung gewisser Gegenstände benutzen. Go with the flow und im Südtirolerischem ist „ich habe gedenkt“ weniger befremdlich, als man es auf den ersten Blick glauben mag, sondern „korrekter“ alltäglicher Sprachgebrauch. Somit hat Dialekt etwas sehr amüsantes, vor allem im deutschen Bundestag, wenn sich einer der Abgeordneten Mal wieder aufregt. Im englischen Parlament treibt man dies dann auf die Spitze, in dem sich plötzlich Politiker nicht einmal untereinander verstehen, obwohl sie doch eigentlich alle Englisch sprechen…

P. S. Müsste es eigentlich auch nicht ganz korrekt deutsche Sprache, schwierige Sprache heißen, da schwer eigentlich im Kontext mit Gewichten verwendet wird – schon darüber einmal nachgedacht?

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