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Astronomie, Klettern, Mathematik-Frühstudium – das LGH ist für allerlei Vorlieben und Wünsche bestens ausgerüstet und zieht auch genau daraus seine Attraktivität. Es ist die Art von hochspezialisierter Schule, die man als Mensch wohl ironisch fragen würde, ob sie zu „normalem“ Leben überhaupt noch in der Lage sei. Vielfach als schlechtes und wohl zu oft vorgebrachtes Klischee bekannt, man verliere bei solch außergewöhnlichen Aktivitäten den Bezug zur Realität, gilt es, genau das mal zu testen: Also, LGH – ich interessiere mich für Chinesisch, Russisch oder Quantenphysik – Deal, lässt sich einrichten. Doch wie steht’s mit dem Alltäglichen? Allergien? Was ist mit einer veganen Lebensweise, was, wenn ich mir mein Bein breche? Ist das Leben am LGH dann noch zu meistern? Wir, zwei Neue aus der 10c, haben uns vorgenommen, genau das zu testen – wie flexibel das LGH tatsächlich ist.

 

Und los geht’s – mit #veganweek haben wir unseren ersten Selbstversuch gestartet: Eine Woche streng vegan. Jetzt fragt sich der interessierte Leser… Vegan… Das waren die Ökos, oder? Hmmm… Nein. Um das also ein für alle Mal zu klären: Veganismus bezeichnet die Lebenseinstellung, keinerlei tierische Produkte zu essen oder zu verwenden, und lässt sich einerseits auf die Ernährung aber auch auf die gesamte Lebensweise, also inklusive Kleidung oder auch Kosmetik, beziehen. Diese Einstellung kann zum Beispiel aufgrund ethischer Grundsätze oder auch im Hinblick auf den Umweltschutz oder die Ernährung angenommen werden.

Wir haben uns zu Beginn auf die folgenden simplen Regeln geeinigt:

  1. Nur Lebensmittel auf pflanzlicher Basis (Ja, ganz richtig, auch kein Honig)
  2. 3 Mahlzeiten pro Tag
  3. Nur Essen aus der Mensa

Nun folgen ausführliche Berichte für jeden Tag, voller Details zu jedem Essen…

Gut, darauf hättet ihr also auch keine Lust gehabt. Gehen wir also zusammengefasst die Mahlzeiten durch.

 

Frühstück…

…Die wichtigste Mahlzeit des Tages, die Basis, das Grundgerüst – und erstmal durchaus eine positive Überraschung, jedenfalls, wenn man Soja-Milch mag. Was allerdings, um das einmal klarzustellen, nicht auf JEDEN Veganer zutrifft. Denn tatsächlich gibt es eine Reihe guter Alternativen zu Soja-Milch, auch wenn das für viele wohl Neuland ist.

Was bleibt sonst noch übrig? Nun ja, Brot. Um fair zu sein, Brot mit wahlweise Marmelade, Erdnussbutter oder pflanzlichem Aufstrich. Und, anders kann man es nicht sagen, das ist gar nicht so schlecht. Eine Alternative wie pflanzlicher Joghurt oder Mandelmilch wäre natürlich noch das Sahnehäubchen, aber wir wollen ja nicht allzu kritisch sein. (Na gut, wollen wir doch… Ein Punkt Abzug.) Problematisch wird das Ganze eigentlich erst beim späteren zweiten Frühstück, denn da bleiben wir dann auch mal auf einem trockenen Brötchen sitzen.

 

Endlich Mittagessen…

…das sich als absolute Berg- und Talfahrt gestaltet. Wenn, und ganze zwei Mal ist das tatsächlich passiert, wirklich die gesamte vegetarische Alternative auch vegan ist, und die Mensa das auch stolz dazu schrieb, können wir uns vom Angebot her kaum beklagen. Wenn. Wenn nicht, sitzen wir mittags vor einer traurigen, trockenen Gemüsefrikadelle, die sich nicht einmal selbst davon überzeugen kann, ein angemessenes und vollständiges  Essen zu sein. Das Salatbüffet versucht da oftmals noch etwas zu retten – leider ohne großen Erfolg, zumal das Joghurt-Dressing in dieser Woche höchstens nett von der Seite her lächelt. Und eines ist die Woche über konstant und standhaft geblieben – tierisch tierischer Nachtisch. Vegane Lebensweise kann neben ethischen Gründen auch aus ernährungstechnischen gewählt werden, und wir wissen jetzt weshalb: Man bekommt einfach keinen Nachtisch.

 

Last but not least…

…Das Abendessen, das sich faszinierenderweise als Kombi aus Frühstück und Mittagessen darstellen lässt, bestehend aus, tja, Brot mit Aufstrich, und stets bemühtem Salat. Und so weiß man am Ende des Tages, was sich wohl als Fazit sagen lässt: Du bist Veganer? Sei. Nicht. Wählerisch. Du kannst es dir nicht leisten.

Was lässt sich sonst final feststellen? Die Regel, nur in der Mensa zu essen, haben wir begründet am zweiten Tag über Bord geworfen – mit Schwung. Um mal den schmerzhaften Punkt einer jeden Veganer-Diskussion – Eiweiß – anzusprechen: Auch bei großzügigen Schätzungen kommen wir, und zwar an einem Tag mit mehr als einer Gemüsefrikadelle, kaum über die 40g Eiweiß, dafür hat die Mensa einfach noch keine ausreichend große Vorliebe für Hülsenfrüchte oder zum Beispiel Quinoa. Und ohne doppelte Portionen ist der Punkt mit dem satt werden auch nur bedingt positiv zu beantworten. Trotzdem, die Mensa hat sich redlich Mühe gegeben, und bietet eine gute Grundlage für jede vegane Ernährung. Ein bisschen Eigeninitiative und Motivation zum Spülen, und es lässt sich auch als Veganer ohne große Probleme am LGH leben.

 

Vegane Ernährung am LGH: 6/10 Punkte

 

Woche eins abgeschlossen! Na also, vorher hab‘ ich doch in einem anderen Raum noch Schokolade und Joghurt gesehen… Die haben bestimmt noch was übrig… Uns hat das Experiment trotz der einen oder anderen Enttäuschung oder Stichelei der Mitschüler (ihr wisst genau, wen wir meinen – fühlt euch böse angesehen…) wirklich Spaß gemacht! Also, was interessiert euch? Was sollen wir als nächstes testen, Glutenfrei? Krücken? Ab in die Kommentare!

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