Das Wispern der Deadline-Gestalt ist omnipräsent, doch es liegt bei uns selbst, die passenden schalldichten Kopfhörer zu finden – letztendlich wird man nur durch völlige Verzweiflung gegenüber banalen Aufgaben wirklich kreativ, und letztendlich zwingt uns nur die Ignoranz gegenüber einem Gebiet dazu, ein anderes aufzusuchen.

Erst in der Zeit der vielen Klassenarbeiten werden deswegen die Kühlschränke wirklich voll, die Ablenkungen wirklich gefragt und die Google-Suchanfragen wirklich wunderlich.

Erst in der Zeit der vielen Klassenarbeiten sehe ich zu, wie eine halbe Stunde davonkriecht, während ich erforsche, in welchem Winkel man Pistazienschalen werfen muss, damit sie durch das Loch im Schreibtisch fliegen [Anmerkung: es ist nicht einfach], erst in der Zeit der vielen Klassenarbeiten finde ich heraus, mit welchen krebserregenden Fungiziden Zitrusfrüchte behandelt werden oder was die besten 24 Beleidigungen sind, die Shakespeares Werken entsprangen [Anmerkung: ein persönlicher Favorit ist „Thou has no more brain than I have in mine elbows“].

Obwohl Noten und soziales Leben teilweise unter diesem Verhalten leiden, hat es jedoch gleichermaßen auch etwas Inspirierendes. Unser Verstand stößt in den Gehirnwindungen, in die wir uns auf der Flucht vor dem schlechten Gewissen verkriechen, vielleicht auf Ideen, die normal nicht zustande kommen würden, und Kreativität ist doch immerhin das, was uns als Personen sehr viel eher ausmacht als die erledigte Hausaufgabe.

Zur äußersten Not bleibt uns ansonsten immer noch die Last-Minute-Panik, die sehr viel stärker als jede grundsätzliche Motivation ist.

Ich versuche mittlerweile zu lernen, meine Prokrastination nicht immer nur zu verfluchen, sondern auch manchmal wertzuschätzen. Hassen kann ich mein Verhalten bestimmt auch morgen noch.

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