Das bezaubernde Wort stammt von dem lateinischen Verb „procrastinare“ („pro“= für, „cras“= morgen) ab und beschreibt im ursprünglichen Sinne ein krankhaftes Vertagen von Aufgaben und Pflichten. Hier fängt das Verhalten an, sie in aktive und passive Prokrastination zu unterteilen; aktive Prokrastination ist das bewusste Aufschieben dringender Aufgaben (Zitat LGH-Schüler: „Vielleicht mach‘ ich’s am Wochenende“), während passive Prokrastination das simple Nichterledigen (Zitat LGH-Schüler: „Nope.“) betitelt.

Als tatsächliche psychische Störung ist Prokrastination in bis jetzt noch keinem Klassifikationssystem gelandet, und doch gibt es immer mehr Menschen, die angeben, akut an diesem Problem zu leiden; so hat die Uni Münster zum Beispiel neben verschiedenen anderen Hilfsangeboten zur mentalen Unterstützung von Studierenden eine Online-Prokrastinationsambulanz für die im Internet Verirrten. Dort gibt es Angebote zur Gruppentherapie, überteuerte Literatur zum Thema sowie einen Selbsttest – welcher ungefähr 30 Minuten in Anspruch nimmt und daher die perfekte Ablenkung von tatsächlicher Arbeit darstellt.

Die zusätzlich angegebenen Links führen zu Artikeln, Seiten und Blogs, die sich allesamt mit dem Reden (beziehungsweise Arbeiten) um den heißen Brei auseinandersetzen. Einige versuchen ehrliche Ratschläge zu geben, andere bleiben selbstironisch – so gibt es zum Beispiel bei aufblitzenden Umfragen zur Einschätzung der eigenen Prokrastinationsprobleme die Option „I’ll tell you later“. Sogar berühmte Vorbilder liefern Anlass zum Stolz auf das eigene Blaumachen, jedenfalls gibt jemand an, dass Newton auch nur prokrastinierte, als er den Apfel fallen sah und daraufhin seine große Erleuchtung hatte.

Auch ich habe 15 geöffnete Tabs im Browser meines Handys, die ich nicht schließen kann, weil sie für immer noch unerledigte Aufgaben relevant sein könnten, auch ich hätte diesen Artikel vor drei Wochen fertig schreiben können, und schließlich habt auch ihr garantiert Dringenderes zu tun, als ihn auch noch zu lesen – aber bei Prokrastination geht es nicht nur um das, was uns abstößt (die Arbeit), sondern auch um das, was uns anzieht (das Vergnügen).

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