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Endlich ist das heiß ersehnte Paket bei mir angekommen, der Kammerdiener hat es mir heute morgen gebracht.

So oft in den letzen Monaten war Alfs verstohlenes Lächeln der Höhepunkt meines Tages. Schnell schleiche ich mich aus dem Schlafzimmer und lasse mich, noch im Nachtgewand,  in den Sessel vor dem Kaminfeuer sinken.

Meine Hände zittern, als sie über der Kordel hängen, dann reiße ich unruhig das Packpapier auseinander. Oben liegt ein ordentlich adressierter Brief, den ich ungeachtet beiseite schiebe.

Darunter liegt auf getrockneten Rosenblüten ein goldgerahmtes Portrait, bei dessen Anblick ich scharf die Luft einziehe. So lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet, dich endlich zu sehen.

Es war eine unendliche Gefahr, doch ich konnte dir nicht länger schreiben, wie ich es tue, wenn ich in meinem Kopf das verschwommene Bild eines jungen Mädchens sehe. Jetzt sind wir beide junge Frauen, du etwas älter als ich. Diese Augenblicke sind goldene Schimmer in meinen Tagen, auch wenn ich dich nicht treffen kann, zu groß wäre die Gefahr, die Blicke würden uns verraten, mein Ehemann würde es merken, er kennt meine Bewegungen.

Bei dem Gedanken an ihn zucke ich zusammen- wenn er wüsste.

Ich werfe die Box in das Feuer und sofort füllt der Qualm, von den brennenden Rosen den Raum. Der stickige, in den Augen beißende Rauch freut mich, weil er alles mysteriös wirken lässt, wie ein aufregendes Spiel. Doch ich bin kein Kind mehr und meine Pflichten rufen mich, also verstecke ich dein Bild und lese nicht weiter als „Dearest Queen Victoria…“

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