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Vielleicht liegt es an der plötzlichen Ungewöhnlichkeit der Umgebung, dem Zimmerpartner, der Verzweiflung über die höhergesetzten Erwartungen an sich selbst und von anderen oder schlicht und einfach an Heimweh, das sich anfangs selbst bei erprobten Heimfernen wie ein verrosteter Hebel mit einem Schag wieder einschaltet.

Innerhalb der ersten kalten Monate kommen einige neue Schüler ins Straucheln und spielen mit dem Gedanken, das LGH wieder zu verlassen, oft obwohl es Gründe gab, die Schule zu wechseln. Doch wenn man sich in einer Situation befindet, die einem täglich so sehr Schwierigkeiten bereitet, dass schulische und soziale Leistungen darunter leiden, scheinen die alten Gründe, das Alte hinter sich zu lassen, auf einmal mikrobisch, man wünscht sich nichts mehr, als zuhause zu sein – Freunde zuhause, plötzlich Massen an Unterricht zu seltsamen Zeiten, der big-fish-big-pond Effekt oder ein Zimmerklima, das nicht atmen lässt. Die Gründe variieren von Schüler zu Schüler.

Und plötzlich sind sie weg. Ist man nicht in derselben Stufe und kennt sich nicht persönlich, fällt einem nach einer Weile ein, dass man ein bestimmtes Gesicht einige Zeit lang nicht mehr gesehen hat und fragt nach – die Antwort hinterlässt ein betroffenes Gefühl, das entfernt an eine Beerdigung erinnert, egal um wen es geht. In der eigenen Klasse fällt dies wesentlich mehr auf, besonders, wenn niemand einen richtigen Grund kennt.

In der Tat ist niemand verpflichtet, sich zu äußern, doch Kommunikation ist das Beste, das man in diesem Moment angehen kann. Wenn man selbst in einem Tief sitzt, mag es so aussehen, als wären andere wesentlich sorgloser, doch jeder hat sein Päckchen zu tragen und deshalb auch Verständnis für die Belastungen, die anfallen können – genauso wie GM und KH, wenn man möchte.

Dies richtet sich persönlich an eben solche Schüler. Handelt nicht zu überstürzt, die Internatsleitung gibt nur in Ausnahmefällen eine zweite Chance. Der beste und angewandte Weg in schwierigen Zeiten ist, sich selbst etwas Zeit zu geben bevor man alles in die Ecke wirft. Erst eine Woche, dann eine weitere. Für viele verschwinden die Sorgen parallel zur der Anzahl der Menschen, die man kennenlernt und den vielen kleinen oder großen Dingen, die man nur am LGH erleben kann, wie etwa eine Schülergemeinschaft, die nicht zu vergleichen ist, und das im positiven Sinne. An dieser Stelle ein Sprichwort: „Man kommt für die Schule, man bleibt für das Internat.“  Am Ende des Jahres kann man besonders als Sorgen-GMling kaum fassen, wie viel man in diesem ersten Jahr geleistet und für das Leben gelernt hat. Mit so vielen unterscheidlichen Menschen zu leben, gibt so viele Gelegnheiten, für alle Lebenslagen zu lernen, aus Fehlern zu lernen, und am Ende daran zu wachsen.

Und wäre menatles Wachstum metrisch einzuteilen, wären viele inzwischen 20 Meter groß.

Aller Anfang ist schwer – das sagte uns auch die Schulleitung persönlich, unter anderem leider um uns die Winterverlustrate in der eigenen Klasse zu erklären, die Rate derer, die die Schaumtaufe nicht erleben konnten oder wollten.

Die kalte, dunkle Jahreszeit steht in unserem ersten Jahr sinnbildlich für alle Zweifel, die mit dem Sommer, den Erfahrungen die wir gemacht haben, die Freunde die wir gefunden haben und dem Stolz, diese Zeit überstanden zu haben und daran gewachsen zu sein, verschwinden.

Allen neuen und natürlich auch alten Schülern viel Glück für genau diese anstrengende Zeit.

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