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Dieser Artikel wurde verfasst von einer „neuen“ Schülerin, die nach dem ersten Jahr am LGH ihre Gedanken und Erfahrungen der Anfangszeit mit weiteren neuen Schülern teilen möchte, die noch Bedenken haben und sich unsicher fühlen – denn so ging es sehr vielen.

„Können wir wieder gehen?“

„Warum?“

„Hier sind die Decken so tief.“

Nach einer längeren Anfahrt, vielleicht 50 oder 300 Kilometern, ist man in der Stadt mit dem Doppelnamen, der das, wie man erst später herausfindet, widrige Wort „Schwäbisch“ enthält, angekommen und verirrt sich erst einmal gründlich.

Mini-Kreisverkehre und befremdlichen Ausschilderungen (Pädagogische Hochschule? Fast dasselbe, da lang!) führen über viele Ecken schließlich in eine ominös aussehende Gegend, die ja wohl nicht die richtige Destination sein kann, schließlich geht es ja zum „Universitätspark“, kombiniere Uni + Park und einem schwebt eine großflächige Idylle vor, das richtige Habitat für den gestressten Schüler.

Fast so idyllisch wie die Fotos auf der Website, blitzblanke weiße Häuser mit gläsernen Dächern (darin dürfen die leben??) unter einem blauen Himmel auf einem fotogenen Gelände, das nach sauberer Luft zu riechen scheint.

Die Vorstellung, auf die Schule gehen zu dürfen, die laut Wikipedia „die positive Entfaltung [deiner] Talente ermöglicht“, lässt einen vergessen, dass der Himmel über der Voralb seltenst leuchtend blau ist.

Verwundert stellt man dann doch fest, dass sich der Universitätspark gleich hinter der nächsten Ecke befindet, parkt erst einmal völlig ungeschickt und hofft, dass man nicht den falschen Eingang zum umgitterten Gelände benutzt hat.

Im kalten Licht des winterlichen Himmels bietet sich einem eine eigenartige, kleiner wirkende Replikation der Gebäude auf den Bildern, aber die Aufregung verdrängt den Zweifel und man wirft die Anmeldung ein.

Als man dann aber im sonderbar fremden und ebenso dunklen Schulgebäude versucht, den Schildern zum Vortrag über das LGH zu folgen, überkommt einen ein beklemmendes Gefühl und im richtigen Raum fühlt man sich so fehl am Platz, dass man eigentlich sofort wieder gehen will.

„Können wir wieder gehen?“

„Warum?“

„Hier sind die Decken so tief.“

Aber die Anmeldung ist eingeworfen und niemand hat Lust, wegen einer fadenscheinigen Ausrede wieder zu fahren.

Vielleicht gibt es die einen, die nie daran zweifeln, dass sie das „Richtige“ tun und sich einmal umsehen und sofort ein Subjekt finden, mit dem für die nächsten Jahre Freundschaft geschlossen werden soll. Aber die anderen gibt es ganz bestimmt, die sich zu viele Gedanken machen, hoffen, nichts Falsches zu entscheiden und einfach einen Ort wollen, an dem sie sie selbst sein können.

Rasch ist man in den ersten Tagen fasziniert von der Menge an Schülern, die tatsächlich sind was sie sein wollen, sozial, interessant und interessiert und zur eigenen Freude findet man zwischen den ganzen Individuen tatsächlich Menschen, die einem ähnlich sind. Zusammen mit der Motivation durch die bestandenen Probetage ist man bereit für das Neue.

Doch das Probehalbjahr gibt es nicht umsonst.

 

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