Ein Schrei holt mich zurück in die Gegenwart. Er stammt von der immer noch aufgebrachten Ente, die vom Tisch gefallen ist. Ich helfe ihr auf, da wir trotz ihrer ruppigen Art befreundet sind. Da fällt mir auf, dass ich noch immer nicht genau weiß, wer sie ist. Natürlich habe ich sie schon mehrmals danach gefragt, aber sie antwortet nur: „Kommunist und Allesfresser aus Überzeugung“. Aber was ist sie noch?

Eine kommunistische Ente, mal schauen, was als Nächstes kommt. Ich möchte gerade weiter nachfragen, da flattert mein neuer Freund schon wieder zu den anderen Enten, um an einem der nicht seltenen Entenrennen teilzunehmen, bei dem die Teilnehmer jedoch stets auf der Hut vor den begeisterten Kindergartenkindern sein müssen.

Ich gehe wieder zurück ins Internat, sinnend über mehrere Dinge. Ich frage mich, ob als Präsent, als vorzeitiges, auch ein Adventskalender dient, denn immerhin hätte man ganze 24 Tage etwas davon. Wenn ja, dann hätte unsere topmotivierte Mathe-Fachschaft uns allen ja schon ein Geschenk gemacht.

In diesem Moment sehe ich auf der Wiese eine Gruppe zu gut vorbereiteter und dementsprechend zu früher Lehrer Macarena tanzen, dabei kennen nur die Spanischlehrer den ganzen Text, die anderen springen dafür umso begeisterter bei dem uns bekannten ,,Ahuu – Macarena!“ ein. Das Tanzen – für nicht wenige ein Symbol bzw. eine Tätigkeit der Ruhe und des Abschaltens. Das hätte ich auch manchmal gerne, doch just(us) in diesem Moment drängt sich mir die Vorstellung des Schuljahresendputzes auf. Zu wissen, dass dann wieder gewisse größere Schüler in die Junior-WGs kommen, mit dem Finger oben auf den Badlampen entlang gehen, um dann zu sagen, es sei nicht sauber, ist nicht unbedingt eine schöne Vorstellung. Ob unsere kommunistische Ente dort vielleicht mit der Verteilung der Arbeit durchgekommen wäre – ich weiß es nicht. Aber als Abimotto wäre es dennoch rein theoretisch möglich.

Apropos WG, in der ich mittlerweile wieder angekommen bin: Kaum trete ich ein, werde ich schon von dem ,,Merry-Christmas“-Schild begrüßt, das in etwa auf meiner Kopfhöhe hängt. Nicht mal mehr aus den Fenstern kann man schauen – alles ist von blinkendem Weihnachtsschmuck verdeckt. Was mich dabei allerdings ein wenig traurig stimmt, ist, dass wir die einzige WG des Mittelstufen-Jungs-Hauses sind, die an dem Wettbewerb teilgenommen hat; wir hätten auch fast den Titel geholt.

Doch nun muss ich wieder los zur Lernmittelausgabe.

Fortsetzung folgt – übermorgen.

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