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	<title>derfarbfleck &#187; China</title>
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		<title>Unser Januar</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Feb 2015 21:26:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Unser Monat]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Unser Monat startet in die fünfte Staffel. Diesmal mit Neokonservativen, gleich zweimal verkürztem Unterricht, Schnee, Läusen und Ropa-Rage. Besonders hohe Einschaltquoten gab es beim letzten Vortragsabend – wann hat man schon die Möglichkeit einen echten Rechten zu treffen und das auch noch unter Androhung von Strafe? Referent war der millionenschwere Billyboy vom Hessischen Turnverein (HTV). [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2014/03/titelbild-300x223.jpg"><img class="alignleft wp-image-6127 size-full" src="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2014/03/titelbild-300x223.jpg" alt="titelbild-300x223" width="300" height="223" /></a>Unser Monat startet in die fünfte Staffel. Diesmal mit Neokonservativen, gleich zweimal verkürztem Unterricht, Schnee, Läusen und Ropa-Rage.</p>
<p>Besonders hohe Einschaltquoten gab es beim <a title="Hui Buh und die sozialistische Diktatur" href="http://www.derfarbfleck.de/old/2015/01/18/hui-buh-und-die-sozialistische-diktatur/" target="_blank">letzten Vortragsabend</a> – wann hat man schon die Möglichkeit einen echten Rechten zu treffen und das auch noch unter Androhung von Strafe? Referent war der millionenschwere Billyboy vom Hessischen Turnverein (HTV). Ruhestandsverweigerer Billyboy faselte wirres, zusammenhangloses Zeug auf der Bühne, erwies sich aber sonst als echter Entertainer. So gab er uns zwischen <span style="text-decoration: line-through;">beinharten</span> beinahe volksverhetzenden Aussagen <img class="alignright size-full wp-image-6178" src="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2014/04/kultur.jpg" alt="kultur" width="227" height="142" />(Deutschland sei eine sozialistische Diktatur geworden/Wir sind auf dem Weg in einen totalitären Staat) und sich stark in Grenzen haltender Ausländerfreundlichkeit (Er lässt keine Chinesen auf sein Firmengelände/Die wollen uns eh nur beklauen.) auch einen Buchtipp &#8211; Das Nulpen-Feld: Auf der Suche nach dem Böhnchen Grips in dem grauhaarigen Kopf. Wenn man das gelesen hat, kann man mit Tieren reden und auch Gedanken kontrollieren. Eigentlich wollte er uns auch noch zeigen, wie man Reis ohne Kochbeutel kocht, ohne ihn anbrennen zu lassen, aber es gab nur chinesischen.</p>
<p>Warum wir keine Muslime auf unser Schulgelände lassen sollen und dass die uns eh nur in die Luft sprengen wollen, lernen wir beim nächsten Vortragsabend mit PEGIDA als Referenten.</p>
<p><strong>Abgehakt – die Kurzmeldungen des Monats: </strong><em>+++ Die Besucherzahlen des Tag der offenen Tür werden in verkauften Essensportionen gemessen. Diese sind leicht zurückgegangen. Grund dafür ist sicher nicht die fehlende Attraktivität der Schule, sondern die des Mensaessens. +++ Elternsprechtag und Tag der offenen Tür. Verkürzter Unterricht for the win. +++ Am Tag der offenen Tür konnte man bedruckte Taschen für drei Euro kaufen, oder sie gratis im Kunstraum selbst bedrucken. +++ Wer hat Angst vorm schwarzen Mann mit Taschenlampe? +++Billyboy verhütet die Islamisierung des christlichen Abendlandes. +++ Pressesprecher der Stadt samt Tochter auf dem Campus eingezogen. +++ Pressesprecher erhält exklusives gratis Abonnement des Monats. +++ BagS ArtS Gmünd ist die einzige Firma, die abgekürzt BAG ergibt. +++ Das DSB bleibt überschwemmt. Zwar wird sich jetzt einigermaßen an die Schriftgröße gehalten, aber der Zeilenabstand bleibt recht undefiniert. +++</em></p>
<p><a href="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2015/02/malropa.jpg"><img class="alignleft  wp-image-6642" src="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2015/02/malropa.jpg" alt="malropa" width="177" height="73" /></a>Zur Feier des Einzugs des Pressesprechers der Stadt schaltete Ropa das Internet der Mentoren ab – so ein Ereignis muss schließlich entsprechend gewürdigt werden. Währenddessen zeigt die Firma munter mit dem Finger auf andere – wie im Kindergarten, aber so sollen sich Bürgermeister und Ropa-Chef schließlich auch kennengelernt haben – und unterstellt uns, an der ganzen Sache Schuld zu sein. Wartet nur bis wir den Sand zurück werfen! Der kann nämlich ganz schön fies in der Unterhose kratzen.</p>
<p>Ropa hat im letzten Geschäftsjahr mehr als eine Million Euro Gewinn gemacht – aber womit? Vielleicht sollte man den Mitarbeitern dieser Firma mal den Informatikbiber ans Herz legen, da bekommt man nämlich schon eine Teilnahmeurkunde allein fürs richtige Buchstabieren seines Namens. Wenn nicht mit Dienstleistungen in der IT-Branche, dann vielleicht mit dem Handel von Sklaven, WLAN-Kabeln oder Mondgrundstücken? Es lohnt sich für das Finanzamt oder das Kartellamt sicherlich, mal einen Blick in die Geschäftsbücher zu werfen, denn IT machen die bestimmt nicht.</p>
<p><em><strong>Abgereist &#8211; die Exkursionen des Monats</strong></em><em>:</em><em>+++ Delegation des LGHs reist nach Boston, um ein von Drogenhandel geplagtes Land zu vertreten. Noch nie hat Guinea Bissau solch eine wichtige Rolle in der Weltpolitik gespielt. +++ Außerunterrichtlich engagierte Spanischschüler dürfen nach Oberstdorf und Pavillons reparieren. +++ Baguette in Berlin. Zum deutsch-französischen Kultüraustausch dürfte eine &#8216;aufen Schüler nach Berlin fa’ren. +++ Skitage: Die Siebtklässler kühlen ihre Läuse beim Skifahren auf Minusgrade und hoffen so, dem Kammerjäger zu entgehen. +++ Nach Rom fuhren Italienischlernende jeden Grades. +++ Beim Tag der Kombinatorik wurde wieder eifrig Mathe gemacht. +++ Nachdem die Stufe 11 mit Unterstützung durch die Stufe 12 die Bundeswehr bei POL&amp;IS wahnsinnig gemacht hat, existierten die Philippinen nicht mehr und China ist endgültig pleitegegangen. Sehr zu Billyboys Freude.+++</em></p>
<p>Mit nur ganz knappem Vorsprung hat es <em>lausig</em> gegenüber <em>crealitiv®</em>, ein Wort das sich Billyboy morgens unter der &#8211; natürlich &#8211; warmen Dusche erdacht hat <a href="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2012/11/the-word.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-4617" src="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2012/11/the-word-300x225.jpg" alt="the-word" width="300" height="225" /></a>und dementsprechend stolz darauf ist, zum Wort des Monats geschafft. Den Schülern, die es trotz wiederholter Aufforderung nicht schaffen, sich gründlich den Kopf waschen zu lassen, sollte man den Schädel kahl rasieren, sie mit Weihwasser besprenkeln und im Biotop versenken, oder besser doch so konsequent sein und ihnen die Anreise verweigern. Stattdessen musste Frau Peters frühmorgens die verfetteten Haare einiger Unterstüfler durchsuchen, alle Mädchen ihre Haare in der Mensa zusammenbinden und der Rest den Wortwitz im Elternbrief ertragen.</p>
<p>Den Frühbucherrabatt für das <a href="http://www.derfarbfleck.de/unserinternatisteinverdammteshotel/" target="_blank">Komfort-Hotel</a> an der Rems haben sich 25 <a href="http://www.derfarbfleck.de/unserinternatisteinverdammteshotel/"><img class="alignleft wp-image-6331 size-medium" src="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2014/07/monat_hotel-300x187.png" alt="monat_hotel" width="300" height="187" /></a>Schüler und Schülerinnen aus Hangzhou gesichert. Im Mai werden sie auf wärmste Empfehlung der Ungarn hin unseren idyllischen Campus besuchen. Stolz wurden die aktuellen Zahlen und Fakten des Hotels im Elternbrief veröffentlicht: Wir sind ausgebucht bis zur letzten Reisstrohmatte. Ob dann aber auch eine Schülergruppe von uns nach China reist, hängt <em>von unserem Interesse</em> ab.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sollte sich jemand an dieser Stelle angegriffen oder verletzt fühlen, möchte ich ihm eine Weisheit aus einer der letzten Vollversammlungen mit auf den Weg geben: Solange man nur provoziert, sei alles erlaubt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>von Pascal Winterhalter</em></p>
<p><em>Bildnachweise: Morio (Wikimedia Commons)</em></p>
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		<title>Hui Buh und die sozialistische Diktatur</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Jan 2015 12:50:29 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[von Lea Frauenknecht Ein Gespenst geht um in Deutschland. Es ist das Gespenst, dem viele gebannt verfallen sind, wenn es durch die durch Krieg und Terror verängstigten Köpfe spuckt und schauerliche Parolen heult wie etwa: „Unsere abendländische Kultur soll nicht islamisiert werden!“ oder „Deutsche sollen gefälligst in Deutschland bleiben und die vaterländische Wirtschaft stärken!“. Viele [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Lea Frauenknecht<a href="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2015/01/Berlin_schaltet_Pegida_das_Licht_aus-z.jpg"><img class="alignright wp-image-6617 " src="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2015/01/Berlin_schaltet_Pegida_das_Licht_aus-z.jpg" alt="Berlin_schaltet_Pegida_das_Licht_aus-z" width="349" height="261" /></a></em></p>
<p>Ein Gespenst geht um in Deutschland. Es ist das Gespenst, dem viele gebannt verfallen sind, wenn es durch die durch Krieg und Terror verängstigten Köpfe spuckt und schauerliche Parolen heult wie etwa: „Unsere abendländische Kultur soll nicht islamisiert werden!“ oder „Deutsche sollen gefälligst in Deutschland bleiben und die vaterländische Wirtschaft stärken!“. Viele sind dem gespenstischen Geheule verfallen, doch die wenigsten geben es zu. Wenn man es bei seinem Namen nennt &#8211; Rassismus heißt der kleine Quälgeist – behaupten die meisten, die seiner geistarmen Rhetorik nicht widerstehen konnten, es trüge einen ganz anderen Namen: „Neokonservatismus“, „gesunder Nationalismus“ oder gar „Kampf gegen jegliche Radikalisierung“.</p>
<p>Einen glühenden Verfechter dieses Spukes bekamen wir auch beim letzten Vortragsabend zu sehen. Hui Buh* beteuerte zwar, seine Ansichten hätten „nichts mit Rassismus zu tun“. Trotzdem verbreitete er munter das Bild der diebischen Chinesen, die scheinbar nur auf eine zufällig offen gelassene Hintertür warten, um die Geheimnisse seines Unternehmens zu stehlen und in China zu verbreiten. Dass ebendiese Volksgruppe mit einer nicht unbeträchtlichen Anzahl im Publikum vertreten war, schien Hui Buh allerdings nicht zu interessieren. Außerdem ist er der festen Ansicht, Deutsche sollten am Besten in Deutschland bleiben, um die nationale Wirtschaft zu unterstützen, anstatt sich als Europäer oder gar als Weltbürger zu fühlen. Und: Deutschland ist, so Hui Buh, mittlerweile eine „sozialistische Diktatur“. Wie meinen? Das soll jetzt etwa „nichts mit Rassismus“ und nichts mit einer sehr rechten Ideologie zu tun haben?</p>
<p>Auch AfD und Pegida ordnen sich ja nicht im rechtskonservativen Kästchen des aktuellen politischen Rasters ein. Etwaige rassistische Hintergründe weist man in diesen Lagern komplett von sich. Trotzdem ist klar, dass allein hinter solchen Namen wie „Alternative für Deutschland“ und „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ der Spuk eines längst totgeglaubten Ideologie-Gespenstes steckt, das zur Zeit mit seinen schauderhaften Sprüchen wieder vermehrt Zuspruch findet. Es ist der braune Rassismus, der sich unter einem scheinbar blütenweißen Bettlaken des Neokonservatismus und des „gesunden Menschenverstandes“ versteckt hat. Und leider lassen sich nur allzu viele Menschen von diesem <em>Wolf im Schafspelz 2.0</em> täuschen.</p>
<p>Wie ernst die Lage wirklich ist, zeigte sich in der Neujahrsrede der Bundeskanzlerin: Wenn selbst Angela Merkel, die ja jetzt nicht gerade als linke Socke verschrien ist, ausdrücklich vor dem rechtsradikalen Hintergrund der Pegida-Demonstrationen warnt und zu deren Boykott aufruft, ist es wirklich kurz vor Geisterstunde. Trotzdem boten die letzten Wochen auch mehrfach Beispiele dafür, dass viele Menschen diesem Spuk ein Ende bereiten wollen: In zahlreichen deutschen Städten konnten Pegida-Aufmärsche durch zahlenmäßig überlegene Gegendemos blockiert werden.</p>
<p>Und auch die kritischen Fragen, die von Seiten der Schülerschaft am Donnerstagabend die weiße Verkleidung von Hui Buh in Frage stellten und die braune Gestalt darunter erfolgreich enttarnten, beweisen, dass eine erfreuliche Mehrheit nicht dazu bereit ist, die rechten Parolen einfach zu akzeptieren und den Geistern ihren Glauben zu schenken. Ein Gespenst geht um in Deutschland. Nur wer das Geheule kritisch hinterfragt, setzt dem Spuk ein Ende!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>* Name von der Autorin geändert, damit es ihr später nicht wie Faust ergehen wird („Die Geister, die ich rief&#8230;“)</p>
<p><em>Bildquelle: Andreas Augstein über Wikimedia Commons</em></p>
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		<title>Das jüdische Mädchen und das chinesische Hochzeitskleid</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Dec 2014 18:42:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Juliette Scheuing 1961, Ostberlin. Endlich hat Sonja den perfekten Stoff gefunden: der wundervolle türkisfarbene Brokat aus China. Darauf verziert sind feine, orangefarbene Tempel mit olivgrünen Bäumen. Sonja hat ein chinesisches Kleid gezeichnet, aus den Erinnerungen von Shanghai. Das Kleid muss perfekt sein, nicht nur weil es für ihre Hochzeit ist. Dennoch ist ihr ein [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2014/11/China2.jpg"><img class="alignright wp-image-6584 " src="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2014/11/China2-300x237.jpg" alt="China2" width="327" height="258" /></a>von Juliette Scheuing</em></p>
<p><em>1961, Ostberlin. Endlich hat Sonja den perfekten Stoff gefunden: der wundervolle türkisfarbene Brokat aus China. Darauf verziert sind feine, orangefarbene Tempel mit olivgrünen Bäumen. Sonja hat ein chinesisches Kleid gezeichnet, aus den Erinnerungen von Shanghai. Das Kleid muss perfekt sein, nicht nur weil es für ihre Hochzeit ist. Dennoch ist ihr ein Fehler passiert, das Kleid ist seitenverkehrt. Aber Sonja kann nichts dafür. Sie war noch ein kleines Kind, als sie solche Kleidungsstücke gesehen hat.</em></p>
<p><em>Die Knöpfe sollen an der rechten Seite sein. Das Kleid ist ursprünglich ein Mantel, der eine Öffnung hatte, diese kann man zuknöpfen. Früher, in der Mandschurei (Nordchina), als Frauen noch ritten und mit Säbeln kämpften, hatten sie so etwas an. Da die meisten Rechtshänder waren, war auch die Öffnung rechts, damit man so schnell wie möglich den Säbel herausziehen konnte. Doch Sonja wurde viel später geboren, diese Geschichte kannte sie nicht.</em></p>
<p><strong>Reise ins Unbekannte</strong></p>
<p>Sonja Mühlberger, geborene Krips, ist 1939 in Shanghai zur Welt gekommen. Als Juden sind ihre Eltern aus Deutschland in das fremde Shanghai geflohen.</p>
<p>1938, im Standesamt Steinheim ist viel los, denn Hermann und Ilse Krips heiraten. Die Familie von Ilse ist einflussreich. Sogar der Bürgermeister gratuliert ihnen. Er ist Nationalsozialist.</p>
<p>Wenig später ist Hermann schon verhaftet und ins Konzentrationslager (KZ) nach Dachau gebracht worden, eingesperrt als sogenannter „Schutzhäftling“, wie nach dem Novemberpogrom 1938 in Deutschland Zehntausend andere jüdische Männer. Nur wer beweisen kann, dass er ausreist, hat eine Chance, freigelassen zu werden. Das junge Paar hatte schon einmal versucht, Hilfe aus dem Ausland zu bekommen, und ein Foto von sich nach London an Sir Richard Stafford Cripps geschickt. Krips und Cripps, sind wir vielleicht verwandt? Kann er uns helfen und nach England einladen? Wir sind anständige Menschen und brauchen Hilfe. Doch das Foto kam zurück mit der Antwort: ¨Sorry we can´t help¨.</p>
<p>Die anstrengende Suche nach einer Lösung lohnt sich. In der jüdischen Gemeinde erfährt Ilse Krips von anderen Frauen, dass die Stadt Shanghai noch jüdische Flüchtlinge aufnimmt. Über einen Cousin, der in Amsterdam wohnt, besorgt Ilse Papiere vom dortigen chinesischen Konsulat für China. Hermann kommt somit aus dem KZ frei. Sie müssen aber fast ihren ganzen Besitz zurücklassen. Hermann Krips ist Kaufmann und betreibt ein kleines Geschäft. Doch nach Shanghai dürfen sie zusammen nur 20 Reichsmark und 2 Koffer mitnehmen, mehr nicht. Ilse hat jetzt einen weiten Mantel an &#8211; ja, sie ist schwanger.</p>
<p>Die Reise ist anstrengend. Von Frankfurt am Main mit dem Zug nach Italien, dann mit dem Schiff nach Shanghai. Voller Hoffnung am Hafen aussteigen, doch&#8230;</p>
<p>Die Straßen sind voll und eng, überall Straßenbahnen, Rikschas, Passanten, Schaulustige und Bettler. Es ist sehr laut, Reifen quietschen, Militärfahrzeuge hupen, japanische Soldaten marschieren und die Leute brüllen und kreischen. In China ist der Krieg ausgebrochen, Japan greift China an. Shanghai ist schon unter japanischer Besatzung, aber manche Stadtteile sind internationale Kolonien. So stürmen Flüchtlinge aus ganz China hier her. Es riecht muffig, ein Mix aus feuchter Meeresluft, Müllhaufen und Leichen, die auf der Straße liegen. Außerdem sieht man ganz genau verschiedene Arten von Ungeziefer herum flitzen, auf der Haut von Bettlern. Hermann weiß, was es bedeutet: ¨Tja, hier sehen die Marienkäfer eben anders aus¨, beruhigt er seine junge Frau.</p>
<p>3 Tage nach der Ankunft wollen Hermann und Ilse weiterreisen. Vielleicht Birobidshan, die künstlich geschaffene Siedlung von Stalin? Sie würden es noch schaffen, bevor das Kind zur Welt kommt. Doch dann ist der Krieg ausgebrochen. Sie müssen also für längere Zeit in Shanghai bleiben. Großes Glück für Familie Krips, denn die meisten Juden in Birobidshan werden später ermordet.</p>
<p><strong>Eine ganz normale Kindheit</strong></p>
<p>Erstmal gibt es noch ein anderes Problem. Das Kind wird bald geboren sein. Oktober 1939. auf ins Deutsche Generalkonsulat und das Kind anmelden! Es ist ein mächtiges Gebäude, davor Wachen in Uniform mit Hakenkreuz. Ein Mitarbeiter dort gibt Hermann eine Liste jüdischer Vornamen. Wählen Sie einen aus! Memelchen? Liebe? Ninchen? Blümchen? Hermann geht trotzig wieder raus. Sonja soll unser Kind heißen, so sportlich und tapfer wie Sonja Henney, die norwegische Eiskunstläuferin. In der Geburtsurkunde steht noch für 3 Monate der offizielle Name „Baby“, später erst „Sonja“, von der Shanghaier Behörde geändert und mit einem chinesischen Stempel versehen. Sonja ist stolz auf ihren Namen.</p>
<p><a href="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2014/12/China1.jpg"><img class="alignleft wp-image-6585 size-medium" src="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2014/12/China1-300x194.jpg" alt="China1" width="300" height="194" /></a>Sonja wächst in Shanghai auf, für sie ist es nicht ganz so schwer wie für ihre Eltern. Sie ist ein schlechter Esser, verspürt somit nicht den Hunger, den die Eltern oft erleiden müssen. Sonja geht auf die Shanghai Jewish Youth Association School, hat dort beste Noten. Doch schon immer wünscht sie sich ein Geschwisterchen.</p>
<p>Jeden Morgen steht Sonja auf dem Balkon, ihrem Lieblingsplatz, und schaut herunter. Jeden Morgen liegen Bündel an der Straßenecke. Ein Kuli, also ein einfacher Arbeiter, kommt. Er piekst mit seinem langen Stock auf so ein Bündel und wirft es hinter sich in einen Wagen. Plumps! Krawumms!</p>
<p>Was ist das, Mama?</p>
<p>Es sind Kinder, die niemand haben will, deren Eltern sie nicht ernähren können. Meistens Mädchen.</p>
<p>Kann ich eins davon mit nach Hause nehmen und als Schwester behalten?</p>
<p>Die Mutter sagt nie ja. Sie hat Angst, dass die Babys ansteckende Krankheiten haben. Es tut ihr sehr leid.</p>
<p>Jede Flüchtlingsfamilie, die kleine Kinder hat, hat auch eine Katze. Nicht nur als Haustier, sondern um Ratten zu fangen, damit sie nicht das Kind beißen. Familie Krips´ große weiße Katze macht ihren Job gut. Doch eines Morgens, als Sonja vom Balkon herunter schaut, sieht sie viele Chinesen. Sie zeigen nach oben und rufen etwas. Sonja versteht kein Chinesisch, sie geht auf eine englische Schule. Nach einer Weile merkt sie, dass die Menge unten die Katze meint. Diese liegt auf dem Balkon und ist tot, von Ratten tot gebissen. Sonja ist traurig. Aber immerhin haben wir die Katze begraben, ihr geht’s sicher besser als den armen chinesischen Babys auf der Straße, denkt sie.</p>
<p>Hier, für dich.</p>
<p>Nach ein paar Tagen gibt Ilse Sonja ein Korallenarmband zum Trost. Es ist ein wichtiges Andenken aus Deutschland. Familie Krips wohnt in einem winzigen Zimmer ohne Wasseranschluss und Sonja muss auf zwei Koffern schlafen mit einer Matratze oben drauf. Die Koffer sind die aus Deutschland. Neben ihnen wohnt ein grimmiger Mann, der Vermieter Herr Lidsky. Zwischen den beiden kleinen Räumen ist nur eine dünne zwei Meter hohe Holzwand als Trennung. Mangels Spielzeuge ist das Korallenarmband ein gutes Mittel gegen Langeweile. Hoch werfen, fangen, hoch werfen, fangen, hoch werfen, ups! Zack, über die Holztrennwand und weg war es im Raum von Herr Lidsky. Er behauptet, er hätte es nie gesehen, doch bestimmt hat er es verkauft.</p>
<p><em>Hier, für dich. Du kannst den Stoff als Futter für dein Hochzeitskleid benutzen.</em></p>
<p><em>Wie? Dein Hochzeitskleid? </em></p>
<p><em>Das Hochzeitskleid der Mutter ist wichtig für die Familie Krips, sie haben es mit in den Koffern nach Shanghai genommen und wieder zurückgebracht. Es ist eine Erinnerung an Deutschland, an die Eltern von Ilse, die Eltern von Hermann, die Bekannten&#8230; Nun hat Sonja in ihrem Hochzeitskleid auch das der Mutter.</em></p>
<p><em>Aber das ist doch so wertvoll, aus Seide&#8230;</em></p>
<p><em>Die Kinder sind unsere wertvollsten Schätze. Hermann lächelt.</em></p>
<p><strong>Der Kaufmann, der Eier verkauft</strong></p>
<p>Hinten auf dem Gepäckträger des Fahrrads beobachtet Sonja, wie ihr Vater mühelos steile, wackelige Wege hinauf fährt. Hermann verkauft Eier und muss diese hier beim chinesischen Großhändler abholen und prüfen. Er hatte es als deutscher und englischer Stenograph und Korrespondent versucht. Er hat Sunnybread gebacken, darauf eine Banderole mit dem Foto von Sonja. All das klappte nicht wirklich. Jetzt verkauft er Eier und hat somit den Shanghaier Dialekt gelernt und ebenso das Rechnen mit dem Abakus.</p>
<p>Angekommen, aussteigen, reingehen. Für Sonja ist es ein riesiger Raum, Hermann und der Chef reden, alle höflich und freundlich. Dann folgt Sonja ihrem Vater in einen fensterlosen Raum, wo nur eine einzige Glühbirne von der Decke herunter baumelt. Hermann steckt jeweils ein Ei zwischen zwei Finger und durchleuchtet sie gegen das schwache Licht zur Kontrolle. Vier Eier in eine Hand klemmen und kein einziges fällt runter, das kann nur Papa! Danach sortiert er Eier, die schlechten in einen Extrakorb. Hermann verkauft nur die besten Eier an seine Kunden. Den Dienstboteneingang und die Treppe auf und wieder ab, Korb leer, alle Eier verkauft. Sonja wird auch von ihm jeden Tag zur Schule gebracht und wieder abgeholt. Einmal kam ihr Vater zu spät&#8230;</p>
<p>Ich krieg‘ es hin, allein nach Hause zu laufen. Papa bringt mich so oft her, ich weiß es schon auswendig. Tapfer geht Sonja drauflos. Doch nach der ersten Kreuzung ist alles durcheinander. Wo lang soll ich jetzt gehen? Verzweifelt fängt sie an zu weinen. Eine Gruppe Chinesen hat sie sofort umzingelt. Manche sehen besorgt aus, andere lachen, doch Sonja versteht kein Chinesisch. Auf einmal tauchen Bettler auf. Lass dich nicht von Bettlern anfassen, hat sie von der Mutter gelernt, sie haben so viele Krankheiten! Doch die Bettler sehen, dass Sonja Haare auf den Armen hat, und zupfen neugierig daran.</p>
<p>Der indische Verkehrpolizist, ein Sikh mit einem Turban auf dem Kopf, ist ihre Rettung, er versteht Englisch.</p>
<p>What´s the matter, girl?</p>
<p>I´m lost, I don´t know how to get home.</p>
<p>Where do you live?</p>
<p>I´m not sure,I think in Hongkou, Washing Road / corner of Ward Road.</p>
<p>Take this tram.</p>
<p>In der Straßenbahn sieht Sonja, wie unbekannte Straßen vorbeiziehen. Überall Bettler, manchmal sieht sie auch Leichen, einfach so auf der Straße. Die Menschen gehen dran vorbei, ohne sie anzuschauen, so etwas ist ja nicht selten.</p>
<p>Da! Der Knopf! Die schöne Frau, die auch in der Straßenbahn sitzt, trägt ein rotes, chinesisches Kleid. Darauf sind wundervolle Knöpfe, wie kleine Knospen. So welche will ich unbedingt haben!</p>
<p><em>Das ist aber kompliziert! Keine Ahnung, wie ich die hinkriegen soll! Die Schneiderin seufzt. </em></p>
<p><em>Aber ohne die Knöpfe, ist es kein chinesisches Kleid! </em></p>
<p><em>Hmm&#8230; Vielleicht&#8230;vielleicht haben die in Westberlin andere Modehefte. Da muss ich allerdings über die Grenze fahren.</em></p>
<p><em>Ja, bitte! Das ist mir wichtig, da es doch mein Hochzeitkleid ist. Sonja bedankt sich. Sie ist heute froh, dass es damals noch keine Mauer gab. Sie sagt immer, sie hätte doch so ein Glück im Leben!</em></p>
<p><em>Die Schneiderin hat es geschafft, übte sogar über Nacht diese speziellen Knöpfe anzufertigen. Jeder einzelne Knopf wurde aus dünnen Stoffstreifen zu einer Kugel zusammengenäht. Das ist die traditionelle Methode aus China. Wunderschön!</em></p>
<p><strong>Zurück in die noch unbekannte Heimat</strong></p>
<p>1947, der Krieg ist seit August 1945 endlich vorbei. Die jüdischen Flüchtlinge versuchen, China zu verlassen, die meisten wollen nach Amerika oder Australien.</p>
<p>Wir gehen zurück in unsere Heimat, Sonja.</p>
<p>Nach Deutschland? Schön!</p>
<p>Mutter hat ihr schon viel von Deutschland erzählt. Sie hat auch ein Märchenbuch, woraus sie immer vorliest. Für Sonja ist Deutschland ein Märchenland.</p>
<p>Mama, was ist denn ein Wald?</p>
<p>Stell dir vor, du findest einen Baum. Und dann noch einen Baum, und noch einen, noch einen. Ganz, ganz viele Bäume zusammen, das ist ein Wald.</p>
<p>Wow!</p>
<p>Wir fahren nach Deutschland, hört ihr, wir gehen zurück in unsere Heimat!</p>
<p>Sonja erzählt es allen, die sie kennt. Die meisten jüdischen Flüchtlinge reagieren aber verärgert. Einige spucken Sonja an. Sie hassen Deutschland so sehr, dass sie ein Kind dafür bestrafen.</p>
<p>Trotzdem war Sonja auf dem Rückweg fröhlich.</p>
<p>Da! Eine grüne Wiese, und zwei Kinder rennen frei darüber! Mama schau mal!</p>
<p>O guck, ein Apfel der frei auf dem Baum wächst!</p>
<p>Man kann auch Wasser aus der Leitung trinken?</p>
<p>All diese Bilder bleiben für Sonja immer im Kopf hängen.</p>
<p><strong>Mit Hoffnung überlebt man überall</strong></p>
<p>Endlich in Deutschland angekommen, keiner von den Verwandten holt sie ab, fast alle Juden, die in Deutschland geblieben sind, sind ermordet worden. Doch Familie Krips ist froh, dass sie überlebt haben und nach Deutschland zurückkehren können. Einige Juden haben in Shanghai Selbstmord begangen. Wegen der vielen Krankheiten und schrecklichen hygienischen Zuständen hatten Ilse und Hermann Krips mehrfach Malaria und Sonja war auch einmal sterbenskrank. Mit Hoffnung überlebt man überall. Die Erlebnisse in Shanghai sind für immer ein Teil von Sonja, sogar noch wichtiger als das chinesische Hochzeitskleid.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Dieser Text basiert auf einem Interview mit Sonja Mühlberger vom 29.05.2014</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>1. Bild: Familie Krips bei der Ankunft in Deutschland, 1947</em></p>
<p><em>2. Bild: Sonja und ihre Eltern in Shanghai, 1940</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em> Bildquelle: Sonja Mühlberger</em></p>
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		<title>Der Staat des Mülls</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Jun 2013 07:46:25 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[von Valerie Winkler Vor etwa zwei Monaten wurden die zusammenwachsenden Müllinseln der Ozeane von der UNESCO zum Staat ernannt. Den Namen „Garbage Patch“ tragen die fünf Hauptgebiete in Atlantik, Pazifik und indischem Ozean, wo der Müll eine durchgängige Oberfläche bildet. Der Grund für die Gründung dieses doch eher unkonventionellen Staates war der, dass man ein [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" title="Garbage Patch" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/76/Plastikos-Planet-MAX.jpg" alt="" width="376" height="381" /><em>von Valerie Winkler</em></p>
<p style="text-align: justify;">Vor etwa zwei Monaten wurden die zusammenwachsenden Müllinseln der Ozeane von der UNESCO zum Staat ernannt. Den Namen „Garbage Patch“ tragen die fünf Hauptgebiete in Atlantik, Pazifik und indischem Ozean, wo der Müll eine durchgängige Oberfläche bildet. Der Grund für die Gründung dieses doch eher unkonventionellen Staates war der, dass man ein Zeichen setzen wollte, um weiteren Zuwachs an Müll in Gewässern zu verhindern.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Müllinseln entstehen dadurch, dass Abfall und toxische Chemikalien von Fabriken achtlos ins Meer geleitet werden und die Meeresströmungen die einzelnen Teile dann zusammenführen. Besonders hoch ist die Mülldichte im sogenannten Great Pacific Garbage Patch, welcher am Nordpazifikwirbel zwischen China und den USA liegt. Der Great Pacific Garbage Patch wird in etwa auf die Größe von Texas geschätzt. Es gibt vier weitere flächendeckende Müllansammlungen dieser Größenordnung in den Ozeanen: im Nordatlantik, Südatlantik, im Indischen Ozean und im Südpazifik.<br />
Diese großen Mengen an Müll haben logischerweise verheerende Folgen auf die Lebewesen in ihrer Umgebung, da die Meerestiere den Müll konsumieren. Besonders gefährlich ist das für große Meerestiere, deren Mägen durch den Müll regelrecht aufgeschlitzt werden können und natürlich ist der Müll für die Tiere hochgiftig. Selbst Plankton nehmen die durch Reibung pulverisierten Müllteilchen sowie die vom UV-Licht freigesetzten Weichmacher in sich auf. Über die Nahrungsketten passiert es, dass auch Menschen giftige und teilweise krebserregende Stoffe zu sich nehmen.<br />
Im Vergleich dazu ist der Versuch der UNESCO zwar ein netter Ansatz, aber ich wage zu bezweifeln, dass man dort ehrlich glaubt, dass so eine Staatsausrufung irgendetwas ändern würde. Den Staat gibt es nun seit zwei Monaten und die Wenigsten haben bisher davon gehört.<br />
Nun stellt sich die Frage, warum die UNESCO Zeit und Geld mit solch fragwürdigen Versuchen zum erweiterten Umweltbewusstsein verbraucht. Anstatt ein ordentliches Abkommen über Müllentsorgung zu schaffen, hält es die UNESCO für angemessener, einen neuen Staat auszurufen.Viel wichtiger wäre es doch, die einzelnen Staaten selbst dazu zu bringen, mehr gegen die Situation zu tun (zugegeben: das ist schwer).Ein weiterer Lösungsansatz wären gegebenenfalls auch Organisationen, die sich bereits um das Abschaffen dieser Inseln kümmern, zu unterstützen.<br />
Doch das Traurige ist doch eigentlich, dass es die Regierungen und die Menschen nicht mal selbst kümmert, wie sie ihre eigenen Lebensmittel verunreinigen. Das Bewusstsein, dass ein Zusammenspiel und eine Abhängigkeit zwischen Menschen und der Umwelt herrscht, ist bei vielen noch nicht etabliert.<br />
Und letztendlich wird es uns und die kommende Generationen am meisten betreffen, was wir in den nächsten Jahrzehnten mit unserem Planeten anstellen.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Bildquelle</em>: By Simon MAX Bannister (own work), (CC-BY-SA-3.0(http://www.creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en)), via Wikimedia Commons.</p>
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		<title>China erneuert sich</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Feb 2013 16:31:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Theresa Friedle China, das ist das Land mit der weltweit höchsten Einwohnerzahl, in dem Menschenrechte verletzt werden und das uns wahrscheinlich bald auf dem Wirtschaftsmarkt überholen wird. Ach ja: Eine Regierung oder so was Ähnliches gibt es dort natürlich auch. Doch wer ist das? Wer sind die Gesichter hinter dieser Macht? Wer das bisher [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><img class="alignleft" title="Chinese dragon" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f5/Chinese_Dragon_2012.jpg?uselang=de" alt="" width="360" height="229" /></p>
<p style="text-align: justify;">von Theresa Friedle</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Cambria, serif;"><span style="font-size: medium;">China, das ist das Land mit der weltweit höchsten Einwohnerzahl, in dem Menschenrechte verletzt werden und das uns wahrscheinlich bald auf dem Wirtschaftsmarkt überholen wird. Ach ja: Eine Regierung oder so was Ähnliches gibt es dort natürlich auch. Doch wer ist das? Wer sind die Gesichter hinter dieser Macht? Wer das bisher nicht wusste, hat jetzt eine neue Chance, die Namen auswendig zu lernen, denn die Führungsriege der Volksnation wurde im November letzten Jahres neu besetzt. </span></span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Cambria, serif;"><span style="font-size: medium;">Nachdem sich die Oberen der Partei im Sommer für mehrere Wochen zu geheimen Tagungen in den Badeort Baidaihe getroffen hatten, fand auf dem letzten großen Parteitag jetzt die „Wahl“ statt: Statt der bisherigen neun werden es nun nur noch sieben starke Männer im ständigen Ausschuss des Politbüros sein. Herausgestrichen wurde dabei das Mitglied, das für die Sicherheit zuständig ist. Damit sind die Polizei und der Geheimdienst nicht mehr im mächtigsten Gremium Chinas vertreten. Doch auch wenn das auf den ersten Blick positiv scheinen mag, ist die Partei von einer Modernisierung oder Demokratisierung weit entfernt. Der jüngste von diesen Männern, deren Namen in der Partei längst als die Wahrscheinlichsten gehandelt wurden, der zukünftige Ministerpräsident Li Keqiang, ist 57, das neue Parteioberhaupt Xi Jinping 59, alle anderen sind 64 und älter. Zusätzlich vereint Xi Jinping jetzt schon mehr Macht in einer Person als sein Amtsvorgänger bei dessen Amtsantritt. Denn dieser hat nicht nur seinen Posten, sondern auch das Kommando über das Militär an Xi weitergegeben. Wenn er jetzt auch noch im März diesen Jahres wie erwartet Präsident wird, vereint er die drei wichtigsten Positionen Chinas in sich. </span></span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Cambria, serif;"><span style="font-size: medium;">Doch trotz der Tatsache, dass es jetzt nur noch sieben statt neun Männern sind, viel hat sich nicht geändert. Dabei wären Reformen dringend nötig, nicht mal unbedingt, um das Land westlichen Vorstellungen anzupassen, sondern schlicht und einfach, um zu überleben. Zunächst klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander, zur Zeit besitzt ein Prozent der Chinesen circa 40% des Eigentums. Auch die Umweltverschmutzung schreitet immer weiter voran, bis 2020 will die Regierung die bisherige Kapazität durch Atomkraftwerke verachtfachen und muss dafür Dutzende neue bauen. Auch die Vernetzung zwischen Wirtschaft und Staat nimmt unhaltbare Ausmaße an, die zahllosen Staatsbetriebe arbeiten zwar ineffizient, werden aber vom Staat bevorzugt behandelt. Außerdem ist das Land zunehmend abhängig vom Export, was insbesondere bei Rezessionen in anderen Teilen der Erde verheerende Auswirkungen haben könnte.</span></span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Cambria, serif;"><span style="font-size: medium;">Doch trotz dieser pessimistischen Prognose klingen in Xi Jinpings Antrittsrede zarte Anzeichen eines Wandels an: Gegen die Korruption wolle er hart vorgehen, und das Leben des Volkes verbessern. Nicht ganz das große Glück, nach dem sich viele Chinesen sehnen, aber doch etwas. Am Ende seiner Rede überwiegt wieder das alte, faschistoide Denken im großen China: Das Individuum allein sei nichts, die Partei hingegen alles, betont der zukünftige erste Mann der aufkommenden Weltmacht.</span></span></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Bildquelle: By GoShow (Own work), (CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)), via Flickr and Wikimedia Commons</em></p>
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		<title>Welches Imperium bricht?</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Nov 2012 14:49:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Welt da draußen]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Friedenspreis]]></category>
		<category><![CDATA[Liao Yiwu]]></category>
		<category><![CDATA[Schrifsteller]]></category>

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		<description><![CDATA[von Carla Rieger Der Chinesische Autor Liao Yiwu hat den diesjährigen Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels erhalten. Gefangen, gefoltert, getötet, so arbeitet die Chinesische Regierung ihre Gegner ab. Liao Yiwu schrieb über all das Belastende, das er miterlebt hat in China, über das Massaker ’89. Er kann nicht zulassen, dass alles vergessen wird, er [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><img class="alignleft" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/83/Liao_Yiwu_-_Erlangen_2011_a.jpg" alt="" width="419" height="279" /></p>
<p style="text-align: justify;">von Carla Rieger</p>
<p style="text-align: justify;">Der Chinesische Autor Liao Yiwu hat den diesjährigen Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels erhalten. Gefangen, gefoltert, getötet, so arbeitet die Chinesische Regierung ihre Gegner ab. Liao Yiwu schrieb über all das Belastende, das er miterlebt hat in China, über das Massaker ’89. Er kann nicht zulassen, dass alles vergessen wird, er dichtet, will Aufmerksamkeit, um eines Tages diese Übel beheben zu können. Er möchte das, was die Regierung nicht will. Er wurde gefangen genommen und gefoltert, doch er hat es überlebt. Seine Freunde sitzen immer noch in Gefängnissen, wie auch der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo. Nicht anerkannt, nicht respektiert, dort, wo die Menschenrechte mit den Füßen getreten werden. Sie gehören zum Bodensatz einer scheinbar unendlich schnell aufstrebenden Diktatur.</p>
<p style="text-align: justify;">Nur mit sehr viel Glück war es Liao Yiwu gelungen, sein Exil in Deutschland finden zu können, scheinbar abseits dieses Übels. Hier kann er den Mund aufmachen, um das zu sagen was er weiß und denkt. Hier kann er seine Werke und Worte ohne Angst veröffentlichen. Seine Texte, die er im Gefängnis verfasste, heimlich, in winziger Schrift, um nicht entdeckt zu werden, wurden schnell zu Bestsellern. Bei der Preisverleihung des Friedenspreises betont er mehrmals „Dieses Imperium muss auseinanderbrechen“. Die unmenschliche Regierung Chinas terrorisiert ausnahmslos alle, die nicht mitspielen. Tausende Menschen, die für Demokratie demonstrieren, werden auf dem „Platz des himmlischen Friedens“, der hier wohl anders heißen sollte, niedergeschlagen. Mit Panzern wird auf die hilflosen Menschen geschossen. Viele sterben. Liao spricht mit den wenigen Überlebenden, will es nicht vergessen. Darum schätzt er auch die deutschen Friedhöfe so, da man hier gedenkt. Die chinesische Regierung jedoch verdrängt.</p>
<p style="text-align: justify;">Solange sich das chinesische Wirtschaftswunder, das scheinbar Positive über alles andere stellt und diese Entwicklung sich weiter fortsetzt, kann es dort nicht besser werden. Er kritisiert nicht nur sein Land China, sondern auch die Konsumgesellschaft, die hinter diesem Wirtschaftswunder steckt. Der Westen fördert. Wir, unbewusst Unterstützer einer der schrecklichsten Diktaturen? Wir wollen billige Kleider, Autos, Smartphones&#8230; und lassen uns dabei auf die Zusammenarbeit mit einem Land ein, aus dem wir scheinbar unendlich Profit ziehen können. Wir nutzen aus. Aber dreht China den Spieß um? Für dieses Wirtschaftswunder baute China auf westliche Technologien, die bereitwillig zur Verfügung gestellt wurden. Was geschieht, wenn dies alles nicht mehr gebraucht wird, wer gibt  dann die Regeln an? Gibt es dann einen Herrscher über den Westen? Will sich die ganze Welt von einer Diktatur bestimmen lassen? Haben wir denn nicht gelernt aus dem, was vor 70 Jahren war?</p>
<p style="text-align: justify;">Freiheit ist das wichtigste Menschengut.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Bildquelle: Amrei-Marie (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons</em></p>
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