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	<title>derfarbfleck &#187; ZF Friedrichshafen</title>
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	<description>mehr als nur schwarz auf weiß</description>
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		<title>&#8220;Einen verantwortungsvollen Job kann man nicht ablegen wie ein Jackett&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Mar 2012 20:55:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Stars on Page]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[ZF Friedrichshafen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die ZF Friedrichshafen AG gehört mit rund 15 Milliarden Euro Umsatz 2011 zu den zehn größten Autozulieferern weltweit. Ihr Vorstandsvorsitzender, Hans-Georg Härter, geht nach knapp 40 Jahren im Konzern, fünf davon als Vorsitzender,  kommendes Frühjahr in den Ruhestand. Seine Erlebnisse und Dienstjahre ließ er im Interview mit der farbfleck-Chefredaktion noch einmal Revue passieren und gab [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2012/03/IMG_0735.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-3655" title="IMG_0735" src="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2012/03/IMG_0735-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a>Die ZF Friedrichs</em><em>hafen AG gehört mit rund 15 Milliarden Euro Umsatz 2011 zu den zehn größten Autozulieferern weltweit. Ihr Vorstandsvorsitzender, Hans-Georg Härter, geht nach knapp 40 Jahren im Konzern, fünf davon als Vorsitzender,  kommendes Frühjahr in den Ruhestand. Seine Erlebnisse und Dienstjahre ließ er im Interview mit der farbfleck-Chefredaktion noch einmal Revue passieren und gab auch schon Pläne für seine Zukunft preis.<span id="more-3654"></span></em></p>
<p><img title="More..." src="http://farbfleck.wordpress.com/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" /><strong>derfarbfleck: </strong>Herr Härter, nach fast 40 Jahren im selben Konzern, und nunmehr ca. vier Jahren an der Spitze von ZF: was ließ und lässt Sie Morgen für Morgen überhaupt aus dem Bett aufstehen?</p>
<p><strong>Härter: </strong>(lacht) Zum einen sehe ich mich natürlich in der Pflicht meine Aufgabe zu erfüllen – und selbst, wenn ich nicht aufstehen wollte, ich habe<strong> </strong>ja einen Vertrag unterschrieben (lacht). Aber Spaß beiseite. Natürlich macht mir die Arbeit als Vorstandsvorsitzender der von ZF viel Spaß. Dass wir als Unternehmen sehr erfolgreich arbeiten, lässt mich selbstverständlich die eine oder andere Stunde weniger Schlaf nicht missen. Aber eigentlich erfülle ich einfach meine Pflicht.</p>
<p><strong>derfarbleck: </strong>Apropos aus dem Bett aufstehen: wie muss man sich eigentlich den Tagesablauf eines Topmanagers, wie Sie es sind, vorstellen?</p>
<p><strong>Härter: </strong>In aller Regel ist mein Tag von einer sehr engen Taktung gekennzeichnet. Ich persönlich bin ein Frühmensch – soll heißen ich fange gerne früh mit der Arbeit an. Oftmals bin ich um halb sieben oder noch früher schon im Büro. Zu dieser frühen Stunde arbeite ich dann noch Sachen einiges nach oder bereite mich auf verschiedene Termine vor. Der normale Tagesablauf geht dann so gegen acht Uhr los. Meine Tätigkeit ist naturgemäß von sehr viel externer Präsens gekennzeichnet. Sie wissen, dass die ZF mittlerweile in 27 Ländern aktiv ist. Auch unser Kundennetzwerk ist weltweit verstreut. So habe ich oftmals eine Reisetätigkeit von rund 30 Prozent, in Hochzeiten sogar fast 70 Prozent. Gerade bei Reisen kommen neben der Arbeit noch die Reisestrapazen wie Klima- oder Zeitwechsel mit hinzu. An einem normalen Arbeitstag wird es dann ca. 19 bis 20 Uhr bis man seine Arbeit beendet hat.</p>
<p><strong><em>&#8220;Ich erfülle eigentlich nur meine Pflicht&#8221;</em></strong></p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Reisen Sie eigentlich noch gerne?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Das hat sicherlich im Laufe der Jahre seinen Charme etwas eingebüßt. Als junger Mensch ist es natürlich interessanter, in der Welt „herumzugondeln“. Es verliert aber auch nicht zuletzt deswegen an Reiz, weil es immer mehr zur Belastung wird.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Haben Sie während einer solchen Auslandsreise auch mal Zeit das jeweilige Land zu erkunden oder sind Sie wirklich rein geschäftlich unterwegs?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Kaum. Wenn, dann müsste es extra mit eingeplant werden. Es bleibt also eher die Ausnahme. Zum Beispiel, wenn man bis Freitag in China ist und am Montag in Japan, dann bleibt manchmal etwas Freiraum am Wochenende dazwischen.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Bei einem solch vollen Terminplaner, mit vielem vielen festgelegten Verpflichtungen: wie schafft man es da noch einen so großen Konzern, wie ZF es ist, zu lenken und neu auszurichten? Immerhin war diese Neuausrichtung vor fünf<strong> </strong>Jahren Ihr selbst erklärtes Ziel.</p>
<p><strong>Härter: </strong>Nun gut, das ist natürlich Teil meiner Aufgabe. Im Rahmen des Zeitmanagements ist genügend Zeit, solche Dinge zu überdenken, zu besprechen und schlussendlich auch umzusetzen. Bei der Neustrukturierung von ZF stand aber durchaus einiges an zusätzlicher aber auch Samstagsarbeit an (schmunzelt).</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Inwieweit hat ein Vorstandsvorsitzender persönlichen Gestaltungsfreiraum im Bezug auf die Leitung des Unternehmens?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Der ist eigentlich relativ groß. Man muss das Aktienrecht berücksichtigen, welches das vorsieht, dass die einzelnen Vorstände ihre Ressorts selbständig führen. Als Vorstandsvorsitzender hat man indes schon allein Kraft seines Amtes und Kraft seiner Autorität einen erheblichen Einfluss auf Geschäftsführung und Gestaltung.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Sie sagten bei Ihrem Amtsantritt, Sie seien kein „Ankündigungsmanager“, sondern ein „Umsetzungsmanager“ (Handelsblatt, 15.08.2007). Was konkret haben Sie bei der ZF umgesetzt bzw. verändert?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Wir haben schon wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. So sind wir z.B. in die Front- Quer-Getriebe eingestiegen, wo sich die ZF bisher rausgehalten hatte. Des Weiteren haben wir unser Portfolio um das Thema Windkraft erweitert, was ein absoluter Meilenstein ist. Es gab auch viele Strukturen, die ich bei meinem Amtsantritt vorgefunden habe, die ich einfach ausbauen musste, wie z.B. unser globales Standort-Netzwerk.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Sie sind ja ein sozusagen Sprössling und Urgestein von ZF, der das Unternehmen aus verschiedensten Positionen kennengelernt hat. Wie wichtig ist Ihnen auch heute noch der Kontakt zum „einfachen Mitarbeiter“?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Außerordentlich wichtig…</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>… und kommen Sie denn auch noch in Kontakt mit ihm?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Leider zunehmend geringer. Das ist auch ein Aspekt, den ich sehr bedauere. Nichts desto trotz suche ich immer wieder die Gelegenheit, Praxisluft in den Werkhallen zu schnuppern und in die Fabrik zu gehen. Noch während meiner Tätigkeit in Schweinfurt habe ich es mir zu eigen gemacht, dass ich oft nach meinem eigenen Schichtende durch die Fabrik gelaufen bin und mit den Leuten über deren Probleme redete. Meine Maxime lautet: Einen jeden verantwortungsvollen Job kann man nicht einfach nach Schichtende ablegen, wie ein Jackett. Mit dem Job steht man auf, verbringt den Tag und geht auch schlafen. Gerade in Krisenzeiten, wie wir sie die letzten Jahre ja durchaus hatten, &#8211; die Wirtschafts- und Finanzkrise ist uns allen noch in guter Erinnerung &#8211; lässt einen der Beruf nie los. Man ist sozusagen mit den Themen schwanger.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Selbst in der gerade angesprochenen Krise 2008/2009, die Sie selbst gegenüber der <em>Passauer Neuen Presse </em>als „die größte Krise der Weltwirtschaft nach dem Krieg“ bezeichnet haben, wurde kein einziger Stammarbeiter entlassen. Wie war das finanziell möglich?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Zunächst einmal war das für mich eine persönliche Verpflichtung. Ich muss aber dazu sagen, dass wir uns in bei diesem Thema alle im Vorstand einig waren. Eine sehr große Hilfe waren dann auch noch die kurzfristigen Entwicklungen in der Politik, die zum Beispiel den Einsatz von Kurzarbeit im Unternehmen vereinfacht hat und uns dadurch ein hohes Maß an Flexibilität eingeräumt hat. Z.B. hat man die Möglichkeiten der Kurzarbeit stark erweitert, was es uns erleichterte flexibel zu handeln. In manchen Geschäftssegmenten hatten wir damals Einbrüche von bis zu 60 Prozent.</p>
<p><strong><em>&#8220;Es wird zur Elektromobilität kommen, die Frage ist nur wann&#8221;</em></strong></p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Sie haben gerade auf die Politik verwiesen. Inwiefern hat ein Mann in Ihrer Position eigentlich Kontakt zu Spitzenpolitikern?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Eigentlich umfassend. Es gibt relativ häufig Kontakt mit der Landesregierung, aber auch zur Bundesregierung.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Die Krise ist zum Glück vorbei – so schein es zumindest …</p>
<p><strong>Härter: </strong>… und die nächste steht vor der Tür (lacht).</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>… und Sie hatten das große Vergnügen einen voraussichtlichen Rekordumsatz von 15 Milliarden zu verkünden. Also kann ja wieder investiert werden. Was erwarten Sie sich von dem für die ZF neuen Geschäftsfeld, der für Windkraftgetriebe?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Zum einen ist die Energiediskussion allgegenwärtig und wir sehen natürlich auch den Wandel in den Antriebseinheiten. Es wird zur Elektromobilität kommen, die Frage ist nur wann. Im letzteren Punkt bin ich ehrlich gesagt eher pessimistisch. Ich denke, dass es mindestens noch zwei Dekaden dauert, bis wir flächendeckend von Elektromobilität reden können. Wenn es aber dann soweit ist, ist das Ziel auch klar: CO2- arme Fortbewegung, also auch CO2-arme Stromherstellung. In die Produktion von Windkraftgetrieben sind wir primär wegen des bereits vorhandenen branchen-übergreifenenden Know-hows in der Getriebeproduktion eingestiegen. Naja, und dann haben wir uns überlegt, was wird gebraucht, was kann die ZF und so sind wir auf die Windkraftgetriebe gestoßen.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Sie sprachen gerade die E-Mobilität an, und dass Sie eher skeptisch sind, was den Zeitraum der Umsetzung betrifft. Inwiefern sehen Sie hierbei die Politik unter Zugzwang der Industrie durch Subventionen auf die Beine zu helfen?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Grundsätzlich bin ich kein Freund von Subventionen, das sage ich ganz klar. Ich hole noch ein bisschen weiter aus. Wenn die CO2-Belastung tatsächlich die Quelle für den Klimawandel ist – wie Sie sicherlich bemerkt haben klingt bei diesem Statement auch Zweifel durch – dann muss man die Verbrennung fossiler Stoffe zur Gewinnung von Energie überdenken. Jetzt haben wir uns in Deutschland von der Atomenergie verabschiedet – der Rest der Welt nicht – das sollte man nicht vergessen.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Denken Sie der Ausstieg aus der Atomenergie war übereilt?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Ich denke schon. Ich bin kein genereller Gegner des Atomausstiegs, doch über die Art und Weise schlichtweg entsetzt. Nach meinen Maßstäben ist ein solcher Ausstieg – ohne Alternativen, ohne wirklichen Plan – nicht denkbar. Der Beschluss war sicherlich nicht nur abenteuerlich, sondern auch populistisch! Das können Sie auch gerne in Ihr Blatt schreiben (lächelt).</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Keine Sorge, das machen wir schon…</p>
<p><strong>Härter: </strong>Aber um auf den vorherigen Punkt zurückzukommen: Es muss eine Veränderung in der Primärenergiegewinnung erfolgen. Wenn die Politik das alles ernst meint, dann<strong> </strong>muss sie diese Veränderungen zumindest stützen. Das bedeutet aber nicht das Ganze über Subventionen zu realisieren. Es sollten eher Anreize entstehen, z.B. Vorzugsparkplätze für besonders ressourcenschonende Pkws oder ähnliches. Von direkten Subventionen<strong> </strong>bin ich überhaupt kein Freund, weil diese hingegen verzerren den Wettbewerb und verändern das Gleichgewicht der Marktkräfte. Insofern ist das für mich ein befremdlicher Ansatz.</p>
<p><strong><em>&#8220;Der Atomausstieg war sicherlich nicht nur abenteuerlich, sondern auch populistisch!&#8221;</em></strong></p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Aber andererseits werden ja durch Subventionen auch teilweise tausende von Arbeitsplätzen erhalten.</p>
<p><strong>Härter: </strong>Ich denke, die Bundesregierung ist in einem solchen Fall gut beraten, wenn sie sich Spielraum für investive Mittel hält. Aus Investitionen heraus entstehen Arbeitsplätze. Und zwar sehr viel gefestigter, als über Subventionen.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Sie haben vorhin Ihre Zweifel durchklingen lassen, dass der CO2-Ausstoß die Quelle des Klimawandels ist. Was halten Sie für die Quelle?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Meiner Meinung nach ist es einfach wissenschaftlich nicht bewiesen, dass das CO2 die Erderwärmung verursacht. Die von der Menschheit erzeugte CO2-Belastung ist zwischen drei und vier Prozent. Der Straßenverkehr macht davon wiederum nur 15 Prozent aus. Also bewegen wir uns im Promillebereich. Ich kann mir nicht erklären, wie das das Klima beeinflussen soll. Ich denke nicht, dass das Auto die Quelle der Klimaveränderung ist.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Ganz plumpt gefragt: Gibt es den Klimawandel Ihrer Meinung nach überhaupt, oder erleben wir zurzeit nur eine periodische Erwärmung der Erde?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Das kann ich nicht beantworten, da fühle ich mich überfordert. Wenn ich darauf eine Antwort geben könnte, würde ich mich wahrscheinlich auch wissenschaftlich auf diesem Feld betätigen.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Ist die Investition von ZF in die Windenergie eine Investition, die rein wirtschaftlicher Natur ist, oder auch aus Überzeugung?</p>
<p><strong><a href="http://farbfleck.files.wordpress.com/2011/11/img_0738.jpg"><img title="v.l.: David Irion, Hans-Georg Härter, Johannes Gansmeier" src="http://farbfleck.files.wordpress.com/2011/11/img_0738.jpg?w=300" alt="v.l.: David Irion, Hans-Georg Härter, Johannes Gansmeier" width="300" height="200" /></a>Härter: </strong>Jedes wirtschaftlich funktionierende Unternehmen strebt natürlich nach weiterem wirtschaftlichen Erfolg. Wenn sich hierbei noch ein Nutzen für die Allgemeinheit ergibt: umso besser!</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Neben Ihren Ihrem Vorstandsvorsitz sind Sie auch in mehreren Aufsichtsräten vertreten. Inwiefern wird werden durch solche Doppel- oder Mehrfachtätigkeiten – die in der Wirtschaft Gang und Gäbe sind – der Wettbewerb ausgehebelt?</p>
<p><strong>Härter: </strong>In der Praxis erweist sich eine solche Verknüpfung von Unternehmen nicht als wettbewerbsschädigend. Es dient lediglich der Vertrauensbildung zwischen Großkunden und uns, dem Zulieferer. Das ist so gewollt und das tritt auch so ein, aber dass wir daraus unmittelbaren Vorteil ziehen würden, das konnte ich bisher leider noch nicht beobachten (lacht).</p>
<p>&#8220;<strong><em>Man macht es entweder „mit Haut und Haaren“ oder man lässt es&#8221;</em></strong></p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Lassen Sie uns doch zur Abwechslung mal über den Privatmann Härter reden. Vor Jahren mussten Sie sich einer Herzoperation unterziehen. Wie vereint man, gerade in Ihrem Berufsstand, Gesundheit und Beruf?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Das ist eine große Herausforderung und man trägt auch viel Verantwortung gegenüber sich selbst und auch gegenüber seiner Familie. Ich gehe regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung und versuche auch meistens gesund zu leben – häufig bleibt es aber beim Versuch (lacht). Aber wissen Sie was: gerade so junge Leute wie Sie es sind sollten wissen, dass man eine solche Karriere, wie ich sie gemacht habe, nicht halb machen kann. Man macht es entweder „mit Haut und Haaren“ oder man lässt es und geht einen anderen Weg. Man muss einfach gewisse Sachen zurückstellen und im Rahmen dessen noch auf seine Gesundheit achten. Für mich stand der Beruf im Zentrum meines Lebens – bisher.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Muss man als Spitzenmanager die Familie hinten anstellen?</p>
<p><strong>Härter: </strong>In meinem Fall war es wirklich so, dass sich fast ausschließlich meine Frau um alle familiären Belange gekümmert hat, wofür ich ihr im Übrigen sehr dankbar bin. Meine Söhne haben sicherlich sehr häufig auf mich verzichten müssen. Zum Glück ist meine Familie dennoch in Takt geblieben (lächelt).</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Haben Sie schon konkrete Pläne für Ihre Zukunft?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Naja, was heißt konkrete Pläne? Ich werde auf jeden Fall weite Flugreisen vermeiden, weil es schließlich auch in unserer Umgebung viele schöne Plätze gibt. Ich habe mir einen Flügel gekauft und werde versuchen das, was ich früher einmal am Klavier gelernt habe, zu reaktivieren. Endlich werde ich wieder häufiger in die Oper nach München oder Wien gehen können, das ist eine meiner großen Leidenschaften. Ansonsten lasse ich die Dinge auf mich zukommen – ich lebe glücklicherweise in Frieden mit mir. Ich freue mich auf die Zeit.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Denken Sie nicht, dass Ihnen nach so einem Fulltime-Job direkt langweilig wird?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Nein, das denke ich ganz und gar nicht. Möglicherweise werde ich noch das eine oder andere Aufsichtsratsmandat wahrnehmen. Und sonst konzentriere ich mich voll und ganz auf das Privatleben.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Sind Schulen wie das Landesgymnasium für Hochbegabte eine Bildungseinrichtung nach Ihrer Vorstellung?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Ich finde, dass Hochbegabte es mehr als nur verdient haben eine besondere Fürsorge zu erhalten. Das ist ja auch Sinn und Zweck bei der ganzen Förderung: Sie sollen nicht im „Brei der Allgemeinheit“ untergehen, sondern eben zielgerichtet besonders gefördert werden. Gerade für ein ressourcenarmes Land wie Deutschland ist die geistige Entwicklung von immenser Bedeutung. Alles, was wir an Wohlstand haben, wird durch kluge Köpfe erdacht. Von dem her ist das Landesgymnasium eine hervorragende Einrichtung, an dem sich ähnliche Schulen orientieren sollten.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Was bleibt nach 40 hoffentlich erfüllten Berufsjahren?</p>
<p><strong>Härter: </strong>(lacht) Was soll ich dazu sagen? Ein hohes Maß an Genugtuung und ein höchst erfülltes Berufsleben.</p>
<p><strong><em>&#8220;Ich verdanke der ZF alles&#8221;</em></strong></p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Würden Sie sagen, Sie haben alles richtig gemacht?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Wer so etwas von sich sagt, ist nur selbstgerecht. Natürlich habe ich während meiner 40 Jahre Berufserfahrung auch Fehler gemacht.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Was haben Sie von der ZF bekommen, und was haben Sie wieder gegeben?</p>
<p><strong>Härter: </strong>Ich habe von der ZF unendlich viel bekommen: Eine berufliche Karriere, die am Ende sogar mit dem Vorstandsvorsitz gekrönt wurde, erhebliche Freiräume und nicht zuletzt eine immense persönliche Entwicklungsmöglichkeit. Ich hatte immer Persönlichkeiten in meinem beruflichen Umfeld, zu denen ich aufblicken konnte, die mir ein Vorbild waren. Ich verdanke der ZF alles. Was ich der ZF gegeben habe? ZF war und ist immer noch mein Lebensfokus, ich habe mich, so gut es nur irgendwie ging, eingebracht.</p>
<p><strong>derfarbfleck: </strong>Das ist eigentlich ein schöner Schlusspunkt. Herr Härter, wir bedanken uns bei Ihnen für das Interview und wünschen Ihnen einen schönen, wohlverdienten Ruhestand.</p>
<p>Das Interview führten David Irion und Johannes Gansmeier<br />
<strong><br />
Hans-Georg Härter</strong>, geboren am 2.Mai.1945 ins Bensheim,<br />
Ausbildung zum Maschinenschlosser,<br />
Abschluss als staatlich geprüfter Techniker an der Techniker-Tagesschule Berlin,<br />
Studium an der Akademie Meersburg,<br />
ab 1973 Mitarbeiter der ZF Passau GmbH,<br />
ab 1991 Vorstandsmitglied der ZF Passau GmbH, ab 1994 Vorsitzender der Geschäftsführung,<br />
ab 2002 Vorsitzender der ZF Sachs AG in Schweinfurt,<br />
seit 2007 Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Politik ist nicht dazu da um die Autoproduktion zu regulieren&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 13:36:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Stars on Page]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[ZF Friedrichshafen]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach Politikern und Diplomaten hat sich derfarbfleck nun auch in die Wirtschaft vorgewagt. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der ZF Lenksysteme, Michael Hankel, stellte sich den Fragen der beiden Chefredakteure David Irion und Johannes Gansmeier und bekräftigte unter anderem die Wichtigkeit des Autos und der Industrie. derfarbfleck: Herr Hankel, umweltfreundlich wie wir sind, haben wir die [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://farbfleck.files.wordpress.com/2011/10/sany1077.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-3478" title="" src="http://farbfleck.files.wordpress.com/2011/10/sany1077.jpg?w=300" alt="" width="300" height="224" /></a></strong><em>Nach Politikern und Diplomaten hat sich der<strong>farbfleck</strong> nun auch in die Wirtschaft vorgewagt. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der ZF Lenksysteme, Michael Hankel, stellte sich den Fragen der beiden Chefredakteure David Irion und Johannes Gansmeier und bekräftigte unter anderem die Wichtigkeit des Autos und der Industrie.</em><strong><br />
</strong></p>
<p><strong><span id="more-3475"></span>derfarbfleck:</strong> Herr Hankel, umweltfreundlich wie wir sind, haben wir die Anreise per Fahrrad bewältigt. Damit liegen wir ganz im Trend – auch die neue baden-württembergische Landesregierung plant die Neuanschaffung einer umweltfreundlicheren Fahrzeugflotte. Welchen Durchschnittsverbrauch hat denn Ihr Dienstwagen und wie sieht es mit der Fahrzeugflotte des Unternehmens aus?</p>
<p><strong>Hankel:</strong> Bei meinem Dienstwagen kann ich es gar nicht genau sagen, denn das hängt stark davon ab, wie ich fahre (lacht). Ich fahre allerdings Diesel und von daher leisten wir schon einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz. Meiner Meinung nach identifizieren wir uns als Unternehmen nicht über die Fahrzeuge, die wir fahren, sondern über das, was wir als Unternehmen dazu beitragen, um effizient mit Ressourcen umzugehen. Hierbei trägt gerade die Elektrolenkung ganz erheblich dazu bei, dass wir CO<sub>2</sub>-Emissionen reduzieren und auch weniger Kraftstoff verbrauchen.</p>
<p><strong>derfarbfleck:</strong> Wir fragen deshalb, weil für viele Menschen das Fahren eines bestimmten Autos große Aussagekraft darüber hat, inwiefern ein Unternehmen umweltfreundlich arbeitet. Wie wichtig ist Ihnen Umweltschutz und Ökologie im Hinblick auf das Image und die Ausrichtung der ZF Lenksysteme?</p>
<p><strong>Hankel:</strong> Wie ich gerade sagte, entwickeln wir sehr umweltfreundliche Produkte. Im Augenblick werden Millionen von alten Hydrauliklenkungen durch Elektrolenkungen ersetzt, die wir herstellen. Eine solche neue Lenkung spart im Vergleich zur alten bis zu 0,7 Liter pro 100 Kilometer ein. Dasselbe umweltfreundliche Engagement gilt selbstredend auch für unsere beiden Muttergesellschaften ZF Friedrichshafen und Bosch. Darüber hinaus muss man erwähnen, dass wir uns grundsätzlich an unseren Standorten mit umweltfreundlichen Produktionsmethoden beschäftigen. Das heißt, nicht nur unsere Produkte sind so umweltfreundlich wie möglich, sondern auch die Produktionsverfahren.</p>
<p><strong>derfarbfleck:</strong> Aus vorher bereits genanntem Grund, wird vor allem die Automobilbranche mit Argusaugen beobachtet und zum Teil auch durch moralischen Druck belastet. Politik und Gesellschaft fordern unisono gewaltige Innovationen, um den Traum und die Hoffnung von der emissionsfreien Mobilität zu verwirklichen.<br />
Wie sehr sind Sie als direkter Zulieferer mit in solchen Innovationsprozesse involviert und wälzen womöglich die Automobilhersteller durch Outsourcing diese  Pflicht auf sie ab?</p>
<p><strong>Hankel:</strong> Ich denke hier ist ein sehr starkes Irrbild in der Presse sichtbar. Das Automobil und die individuelle Mobilität sind einfach Dinge, die aus unserer heutigen Welt nicht mehr wegzudenken sind. Es ist richtig, dass man hier versucht so gut es geht die Ressourcen zu schonen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es nicht richtig ist, nur auf die Größe der Autos zu schauen oder darauf zu bestehen, dass jeder – so wie Sie heute – mit dem Fahrrad oder mit kleinen Autos unterwegs ist. Es wird oft unterschätzt, wie viel Entwicklungsleistung in größeren Autos bezahlbar gemacht wird und überhaupt erst möglich wird, damit dann diese neuen Technologien später in kleinere Fahrzeuge verbaut werden können. Aus wirtschaftlicher Sicht lohnen sich größere Entwicklungen und Forschungen eben nur bei großen Autos. Es gibt keine andere Branche in Deutschland, die so viel Geld für Forschungszwecke ausgibt, wie wir im Automobilsektor.</p>
<p><strong>derfarbfleck:</strong> Klimawandel ist auf der Agenda der Politiker eines der permanenten Themen – ein weiteres ist der schnell voranschreitende demografische Wandel Deutschlands.  Stichwort Fachkräftemangel. In der Mai-Ausgabe des Cicero beschreibt Alexander Marguier einen „Aderlass [an Fachkräften], der die Bundesrepublik mit volkswirtschaftlichen Einbußen von mehr als einer Milliarde Euro teuer zu stehen kommt.“ Um Fachkräfte zu binden oder anzuwerben und somit international langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben sind sowohl die Politik, als auch die Wirtschaft gefragt. Wie können sich deutsche Unternehmen für Arbeitnehmer – sowohl aus dem Inland, als auch aus dem Ausland – lukrativer positionieren?</p>
<p><strong>Hankel:</strong> Ich möchte gerne für beide Gruppen von Arbeitnehmern antworten, weil wir natürlich auch für Arbeitnehmer aus dem Inland interessant sind. Es gibt hier zwei Ebenen zu betrachten. Das eine ist der Fachkräftemangel für Facharbeiter: hier machen wir nach wie vor eine sehr umfangreiche Ausbildung für Fachkräfte. Wir bilden an unseren deutschen Standorten viele junge Menschen aus. Selbst in der Krise haben wir keinen einzigen Stammarbeitsplatz gestrichen oder Ausbildungsplätze zurückgeschraubt. Des Weiteren haben wir in unseren Betrieben meistens die neuesten Geräte, um den jungen Leuten auch die bestmögliche Berufsausbildung zu ermöglichen. Mit der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd haben wir ein Mentoring-Programm ins Leben gerufen, in dem wir vereinbart haben, dass die Studenten unseren Auszubildenden in manchen Fächern und Themengebieten unter die Arme greifen. Insgesamt versuchen wir speziell beim Thema Ausbildung verstärkt mit Bildungseinrichtungen zusammen zuarbeiten. So viel zu den inländischen Arbeitskräften.<br />
Die andere Seite sind die akademischen Kräfte, die wir an uns binden wollen, wie z.B. Ingenieure oder Techniker, die eben aus dem Ausland kommen. Was die Erfahrung gezeigt hat, ist, dass gerade bei Akademikern unser Prinzip der Job-Rotation sehr gut ankommt. Hierbei können die Hochschulabsolventen teilweise rund um den Globus kommen und ein Stück weit die Welt erkunden. Übrigens bieten wir auch Studenten an, bei uns Praktika in den verschiedensten Standorten weltweit zu verrichten. Gleichzeitig zu allem bereits erwähnten muss man aber auch familienfreundlich orientiert sein. So haben wir etwa firmeneigene Krippenplätze, damit auch junge Frauen Familie und Job unter einen Hut bringen können.</p>
<p><strong>derfarbfleck:</strong> Sie sprachen bereits die Bemühungen Ihres Unternehmens an, um ausländische Fachkräfte ins Land zu bringen. Doch wie sieht Ihrer Meinung nach ein effektiveres Einwanderungsmodell für ausländische Fachkräfte aus?</p>
<p><strong>Hankel:</strong> Ich bin in diesem Themengebiet kein Spezialist und eigentlich ist das ja auch die Aufgabe der Politik, die Anforderungen der Unternehmen zu fördern. Generell gesprochen kann man sagen, dass zwei wesentliche Dinge wichtig sind für eine gelungene Einwanderung von Fachkräften: zum einen müssen wir offen sein für Fachkräfte, die eine gute Ausbildung haben, und es muss auch klar sein, in welchen Bereichen man überhaupt Bedarf hat. So könnte man gezielt eine Zuwanderung zulassen und fördern. Zum anderen sollte man sich Gedanken darüber machen, ob es sinnvoll ist, eine Einwanderung an ein bestimmtes Mindesteinkommen der jeweiligen Person zu knüpfen. Oder zumindest könnte man diese Regelung dafür nutzen, dass man z.B. dieses Mindesteinkommen in gewissen Branchen senkt, um so mehreren Leuten den Zugang zu erlauben.<br />
Nichts desto trotz müssen auch Forderungen an die Einwanderer gestellt werden. Meines Erachtens muss die Problematik der – vor allem – sprachlichen Integration sehr deutlich gemacht werden. Eine gewisse sprachliche Qualifikation muss einfach da sein.</p>
<p><strong>derfarbfleck:</strong> Zu all den schlechten Nachrichten gesellt sich auch noch die Erhöhung des Renteneintrittsalter auf 67. Sind Sie ein Befürworter dieser Neuregelung und glauben Sie, dass es einen volkswirtschaftlichen Nutzen hat?</p>
<p><strong>Hankel:</strong> Persönlich denke ich, dass die Menschen heute länger fit und leistungsfähig sind, als sie das noch früher waren. Hier muss man aber genau differenzieren, welchen Beruf die jeweiligen Arbeiter ausgeübt haben: ein Schichtarbeiter, der Jahrzehnte lang in diversen Schichten gearbeitet hat, ist sicherlich schneller an seine körperliche Leistungsgrenze gestoßen als manch anderer.<br />
Aber eben weil wir eine solch drastische demografische Entwicklung haben und das Rentensystem auf Dauer so nicht mehr finanzierbar ist, ist die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 unabdingbar und grundsätzlich richtig. Auch im Hinblick auf den sogenannten Generationenvertrag sollte ja immer der Aspekt der Fairness stehen: sie als Jungjournalisten müssen schließlich die Rechnung für meine Generation später bezahlen.<br />
Aus meiner Sicht hat man über die vergangenen Jahrzehnte sowohl in der Politik, als auch in der Gesellschaft einfach nicht wahrhaben wollen, wie die tatsächlichen Verhältnisse sind – nämlich eine rapide Alterung der Gesellschaft einhergehend mit der außer Kraftsetzung des Generationenvertrags.</p>
<p><strong>derfarbfleck:</strong> Das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Deutschland liegt zur Zeit bei rund 63 Jahren. Somit könnte der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann eigentlich bereits in Rente gehen. Eben dieser hat vor wenigen Wochen die Automobilbranche mit seiner Aussage „weniger Autos seien besser als mehr“ in Verlegenheit gebracht. Was halten Sie von derartigen Aussagen eines Mannes, der Ministerpräsident eines Bundeslandes ist, in dem der Automobilsektor als tragende Säule der Wirtschaft fungiert?</p>
<p><strong>Hankel:</strong> Diese Aussage ist schlichtweg fatal! Des Weiteren halte ich sie für sehr anmaßend und an der Realität vorbeigehend. Die Politik ist nicht dazu da um die Autoproduktion eines Landes zu regulieren. Das ist Sache der Wirtschaft und die Politik hat die Rahmenbedingungen zu setzen. Ich halte es für vollkommen legitim, dass eine Regierung einen umweltfreundlichen Rahmen setzt – und dass eine grüne Regierung dies verstärkt tut, dürfte wohl niemanden wundern. Eine Sache darf man allerdings auf keinen Fall verkennen: wir leben in einem Land, das einen sehr großen Wohlstand genießt und das von einer großen Verteilungsmentalität getrieben ist. Die Gerechtigkeitsdebatte ist allgegenwärtig. Doch es gilt nach wie vor der Grundsatz, dass nur das verteilt werden kann, was vorher irgendjemand erwirtschaftet und verdient hat. Das ist nun mal das Prinzip des ehrbaren Kaufmanns. Wir sehen an den Staatshaushalten, dass dieses Prinzip in den letzten Jahren massiv in Schieflage geraten ist. Wenn man die europäischen Staatshaushalte betrachtet, wird deutlich, dass wir am Rande einer wirtschaftlichen Katastrophe waren und teilweise noch immer sind. Jeder Staat muss sich entscheiden, ob er seinen Wohlstand sichern muss – und zu einer solchen Sicherung gehört eine Industrieproduktion. In Deutschland sind deutlich mehr als 27 Prozent Anteil des Bruttoinlandprodukts (BIP) Industrieproduktion und industrienahe Dienstleistungen. In Ländern wie Großbritannien ist dieser Wert auf zehn bis zwölf Prozent abgesackt. Da somit eine industrielle, wertschaffende Basis fehlt, ist Großbritannien auch viel stärker von irgendwelchen Schwankungen an den Finanzmärkten betroffen, als wir das hier in Deutschland sind. Der Wohlstand in England ist nicht so sehr gesichert wie der in Deutschland. Insgesamt ist unser Land durch die verschiedensten Entscheidungen in den letzten Jahren sehr viel wettbewerbsfähiger geworden, als wir es noch vor 20, 30 Jahren waren. Darauf sollten wir auch stolz sein. Dass man jetzt noch ökologisch produzieren sollte, ist richtig. Aber die Diskussion über die ach so schweren und Kraftstoff verbrauchenden deutschen Fahrzeuge kommt allzu häufig von unseren Nachbarn, z.B. Frankreich, Italien oder Spanien, die andere, kleinere Fahrzeugflotten herstellen. Hier sind ganz klar industriepolitische Interessen im Spiel.</p>
<p><strong>derfarbfleck:</strong> Wo wir jetzt schon bei Baden-Württemberg sind: hier im Ländle steht der doppelte Abiturjahrgang und gleichzeitig die Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht an. Neben der Frage nach den Ausbildungsplätzen stellt sich nun auch die Frage nach den Arbeitsplätzen. Welche Risiken und auch Chancen sehen Sie für die Schülerinnen und Schüler dieses Landes?</p>
<p><strong>Hankel:</strong> Es ist sicherlich eine gewisse Anballung und Kumulation, die zeitlich zum Glück nur sehr kurz befristet sein wird. Meiner Meinung nach wurde bereits viel an den Hochschulen gemacht, ob es ausreichen wird, wird sich noch zeigen. Weiter denke ich auch, dass die Betriebe hier in der Region ihrer Pflicht nachkommen werden, dem Nachwuchs Plätze zu bieten, immerhin hängt hiervon auch unser zukünftiger wirtschaftlicher Erfolg ab. Auf der anderen Seite ist gerade bei diesem schweren Prozess auch die Politik gefragt, um Überbrückungselemente zu finden. Für junge Leute bietet sich aber auch nach wie vor ein freiwilliges, soziales Jahr an, denn gerade in diesem kann man um viele persönliche Erfahrungen reicher werden. Insgesamt muss man aber trotzdem sagen, dass der kommende Jahrgang eine Herausforderung für alle Beteiligten ist.</p>
<p><strong>derfarbfleck:</strong> Wie bei so vielem spielt auch die Bildung bei dem eben Besprochenen eine immense Rolle. Des Weiteren ist sie auch Grundvoraussetzung für gutausgebildete Fachkräfte.</p>
<p>Inwiefern sind das Landesgymnasiums für Hochbegabte und ähnliche Schulen für Unternehmen tatsächlich beliebte Fördereinrichtungen, auf die man vielleicht besonders schielt und einige Schüler gleich im Auge behält?</p>
<p><strong>Hankel:</strong> Natürlich versuchen wir alle Schulen, aus denen „potenzielle Mitarbeiter“ kommen könnten anzusprechen. Gerade wir als ZF Lenksysteme brauchen natürlich technikbegeisterte Schülerinnen und Schüler. Diese Technikbegeisterung, die leider immer mehr verloren geht, gilt es nun wieder zu erwecken. Bei euch an der Schule gibt es diese Technikbegeisterung verstärkt, was uns selbstredend sehr freut. Generell gesprochen halte ich das Landesgymnasium für Hochbegabte für eine hervorragende Einrichtung – nicht nur wegen der MINT-Fächer, sondern auch auf Grund des Gesamtkonzepts, dass eurer Schule zugrunde liegt. Insgesamt wird in Deutschland viel zu wenig für begabte junge Leute getan und deshalb sollte sich eigentlich jeder über Institutionen wie das Landesgymnasium freuen. Ich finde es richtig, dass in Deutschland sehr viel Geld für weniger Talentierte ausgegeben wird, um diese zu fördern. Ich finde es allerdings nicht richtig, dass wir uns mittlerweile weit davon entfernt haben, auch sehr begabten Jugendlichen die ihnen zustehende Förderung zu finanzieren. Gerade da wir in Deutschland keine Rohstoffe haben und so gesehen von unserer „Hirnleistung“ abhängig sind, sollten wir uns verstärkt um eine gezielte Förderung von Hochbegabten bemühen.</p>
<p><strong>derfarbfleck:</strong> Herr Hankel, wir bedanken uns dafür, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben.</p>
<p>Das Interview führten Johannes Gansmeier und David Irion</p>
<p><strong>Michael Hankel,</strong> geboren 1957 in Bad Wildungen (Hessen),<br />
Studium des Maschinenbaus,<br />
ab 1998 1998 zum Mitglied der Geschäftsführung der Continental Teves AG &amp; Co OHG,<br />
ab 2001 Vorstandsmitglied der FAG Kugelfischer Georg Schäfer AG,<br />
ab 2003 Vorstandsmitglied der ZF Sachs AG,<br />
seit 01. Dezember. 2007 Vorsitzender der Geschäftsführung der ZF Lenksysteme.</p>
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