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	<title>derfarbfleck &#187; Religion</title>
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	<description>mehr als nur schwarz auf weiß</description>
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		<title>Alt, starr, reich und selbstverliebt</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Jul 2013 13:12:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Jakob Dürr Alles scheint in unserer modernen Welt im Wandel zu sein. Jede Institution, jede Gruppierung, jede Marke versucht, mit der Zeit zu gehen. Jeder möchte modern sein. Jeder möchte sich weiterentwickeln. Nur die katholische Kirche nicht. Die katholische Kirche mag keine Reformer. Das war schon zur Zeit Luthers so.  Man möchte so bleiben, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" title="Reich, alt, starr, selbstverliebt" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f9/Papstbesuch_Deutschland_2011_Olympiastadion_Papst_im_Papamobil.jpg/640px-Papstbesuch_Deutschland_2011_Olympiastadion_Papst_im_Papamobil.jpg" alt="" width="455" height="266" /></p>
<p><em>von Jakob Dürr</em></p>
<p style="text-align: justify;">Alles scheint in unserer modernen Welt im Wandel zu sein. Jede Institution, jede Gruppierung, jede Marke versucht, mit der Zeit zu gehen. Jeder möchte modern sein. Jeder möchte sich weiterentwickeln. Nur die katholische Kirche nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Die katholische Kirche mag keine Reformer. Das war schon zur Zeit Luthers so.  Man möchte so bleiben, wie man ist. Alt, ehrwürdig, erhaben und absolut starr in den Ansichten. Man mag weder Abtreibung, die Pille danach, Kondome, Missbrauchsopfer in seinen Kliniken noch Frauen im Pfarramt, Homo-Ehe,  Homosexualität im Allgemeinen und so ziemlich alle anderen Werte und Erfindungen, die wir als Errungenschaften unserer heutigen aufgeklärten Zeit verstehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Dies hat natürlich Konsequenzen. Die Mitglieder in Deutschland rinnen den Gesandten Gottes aus den Händen wie feiner Sand. Immer mehr Menschen treten bei stagnierenden Eintrittszahlen aus der Institution Gottes aus. Kaum jemand möchte unbedingt weiter Mitglied in einem Verein sein, der so rückwärtsgerichtet und reformstarr ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Warum traut sich die katholische Kirche nicht, über ihren Tellerrand hinauszublicken und im 21. Jahrhundert anzukommen?</p>
<p style="text-align: justify;">Die Antwort auf diese Frage ist so simpel wie erschreckend. Angst. Angst vor Neuem verhindert jeglichen Fortschritt in dieser Institution.</p>
<p style="text-align: justify;">Die katholische Kirche trauert immer noch der Zeit hinterher, in der sie praktisch das halbe Leben der Bevölkerung unter Kontrolle hatte. Fast jeder ging mindestens jeden Sonntag in die Kirche, wer dies nicht tat war ein Sonderling. Was der Pfarrer sagte war Gesetz und wer die Ehe brach würde in der Hölle schmoren müssen. Damals, vor Jahrzehnten war die Welt noch einfach und in Ordnung. Dann wurde es aber kompliziert. Durch die Einwanderung von Andersgläubigen ging das Religionsmonopol, das man sich mit den Protestanten geteilt hatte, verloren. Des Weiteren breitete sich der Atheismus aus. Die sexuelle Revolution brachte das heilige Familienbild ins Wanken und die Urbanisierung weichte das System der einzelnen Dorfgemeinschaften, die je einem Pfarrer unterstanden, auf. Man bekam Angst. Angst vor dem Neuen, das das klare und einfache Weltbild der Katholiken zerstört hatte.</p>
<p style="text-align: justify;">Nun musste man reagieren. Man reagierte, indem man nicht reagierte. Dies liegt an der Angst einer kleinen, aber starken Elite in der katholischen Kirche, die sich verzweifelt an eine Welt klammert, die es nicht mehr gibt. Man möchte am liebsten zurück zum alten und einfachen Gut und Böse und man möchte nicht diese pluralistische und bunte Gesellschaft, in der jeder tun und lassen kann was er will. Und vor Allem glauben kann an was er will. Aus Angst, von der Veränderung mitgerissen zu werden und aus Angst, seine alten Werte zu verlieren, widersetzt man sich jeglichem Reformversuch. Man hat Angst, vollkommen zu verschwinden, wenn man sich anpassen sollte. Durch dieses Klammern an das Alte wird jeder Versuch unterbunden, sich konstruktiv mit der veränderten Welt und den dadurch veränderten Bedingungen auseinanderzusetzten. Anstatt auszuloten, welche Grundsätze unverändert stehen bleiben müssen und welche man modifizieren müsste, um sie auf heute zu übertragen, behält man blind alles bei, wie es schon immer war. Durch die veränderten Bedingungen im Vergleich zu früher entstehen aus Regeln und Grundsätzen, die früher vielleicht sinnvoll waren, absurde Glaubenssätze bei der unkritischen Übertragung auf die heutige Zeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Hierdurch ist das Bild, das die Öffentlichkeit von der katholischen Kirche sieht, das Bild einer Kirche, die vollkommen unkritisch und selbstverliebt versucht, ihre überholten Grundsätze auszuleben, aber übersehen hat, dass sich die Welt mittlerweile gewandelt hat. Verstärkt wird dieser Effekt durch die – „werbetechnisch“ – mehr als fragwürdige Besetzung von hohen Ämtern, die ausschließlich aus Männern besteht, die schon so lange in der Kirche sind, dass sie kaum noch Reformwillen oder besonderen Ehrgeiz zeigen, etwas zu verändern. Der einzige positive Aspekt dieser Besetzung ist, dass die Männer meist schon so alt sind, dass man ihnen besonders fragwürdige Äußerungen oftmals nachsieht. Der Austrittsstrom aus der Kirche ist also sicherlich kein Wunder.</p>
<p style="text-align: justify;">Trotz Allem ist die Akzeptanz in der Bevölkerung im Hinblick auf diese Sturheit immer noch erstaunlich hoch, ganz zu schweigen von der staatlichen Förderung.</p>
<p style="text-align: justify;">Einerseits hat dies natürlich historische Gründe. Unsere Gesellschaft und unser Rechtsystem bauen auf dem Christentum, also auch auf der katholischen Kirche, auf. Die Betonung liegt hier allerdings auf „aufbauen“. Unsere Gesellschaft hat mittlerweile ein Wertesystem, dessen Ursprung man zwar im Christentum sehen kann, das allerdings heutzutage als unabhängig von diesem zu bezeichnen ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Einer der wichtigsten Gründe, warum viele Menschen, die eigentlich nicht gläubig sind oder am Glauben zweifeln, nicht aus der Kirche austreten, ist jedoch der Glaube dieser Menschen daran, dass die Kirche sich durch die Kirchensteuer sehr sozial einbringt und bedürftigen Menschen hilft. Viele sind der Meinung, dass die Kirche von der Kirchensteuer ihre Pfarrer, Kindergärten und Krankenhäuser finanziert und darum auf die Kirchensteuer und Spenden angewiesen ist. Dies ist auch das häufigste Argument von Kirchenunterstützern, warum die Mitgliedschaft in der Kirche wichtig sei. Jenes Bild der Kirchenfinanzierung entspricht in vielen Fällen aber nicht der Realität.</p>
<p style="text-align: justify;">Die ca. 9300 katholisch getragenen Kindergärten in Deutschland werden längst nicht alle von der Kirchensteuer finanziert. Die allermeisten leben von einer Mischfinanzierung aus staatlichen Geldern und Beiträgen von Eltern, vollkommen unabhängig von der Kirchensteuer. Die Kirche behält aber trotzdem das Sagen in diesen Einrichtungen.</p>
<p style="text-align: justify;">Dasselbe gilt für kirchlich getragene Schulen, die wie alle anderen Privatschulen aus Zahlungen des Staates und Beiträgen der Eltern finanziert werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Pfarrer und Bischöfe werden zwar aus dem Topf der Kirchensteuer bezahlt, in diesen Topf fließen aber auch staatliche „Donationen“ aufgrund von Schädigungsverträgen, die in früheren Jahrhunderten geschlossen wurden. Die Besoldung für viele Würdenträger koppeln einige Bundesländer mit den Gehaltsklassen der Beamten.</p>
<p style="text-align: justify;">Sanierung und Erhaltung kirchlicher Gebäude werden ebenfalls oft vom Staat durch Denkmalschutzprogramme oder auch durch jahrhundertealte Verträge übernommen.</p>
<p style="text-align: justify;">Kirchlich getragene Kliniken und Krankenhäuser werden genauso komplett von Staat und Kassen finanziert wie nicht-kirchliche Einrichtungen dieser Art. Das einzige, das die Kirche bezahlt, sind die Gehälter von eventuellen kirchlichen Seelsorgern und die Kapelle im Krankenhaus.</p>
<p style="text-align: justify;">Die katholische Kirche möchte ihr Vermögen nicht offenlegen, doch es wird &#8211; Sachwerte einbezogen &#8211; zusammen mit allen Unterorganisationen auf bis zu 270 Milliarden Euro geschätzt. Angesichts dieser Zahl wirken Spendenaufrufe und der Aufruf zum Leben in Enthaltsamkeit doch etwas janusköpfig.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich möchte hier nicht abstreiten, dass die katholische Kirche viele soziale Projekte und Initiativen unterstützt, doch ihre allgemeine Stilisierung als enthaltsamer Weltenretter scheint sicherlich nicht angebracht.</p>
<p style="text-align: justify;">(Quellen: FAZ, Spiegel Online)</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Bildquelle</em>: By Andreas E. Neuhold (own work)  (CC-BY-SA-3.0(http://www.creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en)), via Wikimedia Commons.</p>
<p style="text-align: justify;">
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		<title>Warum der Papst-Rücktritt falsch ist</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Feb 2013 16:32:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Lea Müller und Matthias Böttger Fast schon zur Normalität ist es geworden, dass ein Politiker, wie kürzlich Annette Schavan oder vor einem Jahr Bundespräsident Christian Wulff, zurücktritt. Sei es aufgrund von Affären, durch Unruhen in Partei oder Regierung geschwächt respektive aus dem völlig unvorhersehbaren Grund des fortgeschrittenen Alters. Dass aber ein Papst sein Amt aufgibt, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>von Lea Müller und Matthias Böttger</p>
<p><span style="color: #333333;"><span style="font-family: CrimsonRoman, Helvetica Neue, Arial, Helvetica, Nimbus Sans L, sans-serif;"><span style="font-size: small;"><a style="font-size: small;" href="//upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/79/003_Besuch_S_H_Papst_Benedikt_XVI_in_Berlin_22_09_2011.jpg"><img class="alignleft" src="//upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/79/003_Besuch_S_H_Papst_Benedikt_XVI_in_Berlin_22_09_2011.jpg/800px-003_Besuch_S_H_Papst_Benedikt_XVI_in_Berlin_22_09_2011.jpg" alt="File:003 Besuch S H Papst Benedikt XVI in Berlin 22 09 2011.jpg" width="432" height="287" /></a>Fast schon zur Normalität ist es geworden, dass ein Politiker, wie kürzlich Annette Schavan oder vor einem Jahr Bundespräsident Christian Wulff, zurücktritt. Sei es aufgrund von Affären, durch Unruhen in Partei oder Regierung geschwächt respektive aus dem völlig unvorhersehbaren Grund des fortgeschrittenen Alters. Dass aber ein Papst sein Amt aufgibt, bevor er stirbt, ist neu. Entsprechend erstaunt reagiert nun die breite Öffentlichkeit &#8211; kaum einer kann sich wirklich erklären, was Benedikt XVI. dazu getrieben haben mag, etwas zu tun, das seit Jahrhunderten keiner tat. Der Papst hat angekündigt, dass Ende des Monats, pünktlich zur Tagesschau, die Sedisvakanz eintreten, also kein rechtmäßiger Führer der römisch-katholischen Christenheit mehr im Amt sein werde.</span></span></span></p>
<p>Doch nach dem Erstaunen macht sich bei den meisten Menschen Verständnis breit. Der Job sei schließlich mit derartigen Belastungen verbunden, das könne der alte Mann gar nicht mehr schultern. Beim Renteneintritt macht den meisten Menschen, gerade denen, die großen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt sind, eine Grenze von 67 Jahren schon sehr zu schaffen; der Papst ist bekanntlich bereits in seinem 86. Lebensjahr! Manch ein Experte meint des Weiteren, Ratzinger habe das Amt nie gewollt und gleichfalls zu keinem Zeitpunkt wirklich an ihm gehangen. Jetzt, wo die Affären um Kindesmissbrauch, Vatikanbank und den Geheimnisverrat durch den Kammerdiener (Vatileaks) halbwegs ausgestanden gewesen seien, habe sich schlichtweg die Gelegenheit zu diesem Schritt ergeben. Darauf hat der Papst, der es nicht schaffte die Kirche wieder ins <em>rechte Licht</em> zu rücken, was er selbst als Ziel erklärte, ein Recht – von niemandem kann er gehindert werden, jedoch auch nicht gedrängt, da es sich um einen autonomen Willensentschluss handeln muss. Das ist 1983 im Canon 332 Paragraph 2 durch Papst Johannes Paul II. verankert worden. Anscheinend hatten außerdem sowohl er als auch seine beiden Vorgänger bereits Schreiben vorbereitet, die den Rücktritt bekannt geben sollten. Diese kamen gleichwohl bekanntlich nicht zum Einsatz. Vielleicht auch, da das Kirchenrecht ohnedies für eine „völlige Behinderung des römischen Bischofsstuhls“ die gleichen Regeln wie für die Vakanz vorsieht.</p>
<p>Unter dem Druck der Öffentlichkeit, der im Zuge der Skandale entstanden war, wollte der Papst <em>seine</em> Kirche nicht im Stich lassen. Da tut sich doch schnell die Frage auf, warum nun wieder nur das Alter, das ja bekanntlich bei allen seinen Vorgängern nicht das geringste war, als Grund in Frage kommt. Sicher ist der Gesundheitszustand Benedikts schlecht, von längeren Reisen riet ihm sein Leibarzt schon längere Zeit ab. Andererseits treten auch andere, ebenso schleichende Prozesse in den Vordergrund; sollte nicht etwa der Apparat des Vatikanstaats seine Macht gefährdet gesehen haben? Die Fassade bröckelt schließlich zunehmend. Zugeben würde das wohl kaum einer, auszuschließen ist es aber nicht. Man denke nur an Johannes Paul I., den ersten Papst mit Doppelnamen, der nach 33 Tagen an der höchsten Stelle der Kirche plötzlich verstarb. Noch mysteriöser ist da, dass man sich erzählt, er habe aufrecht und lächelnd in seinem Bett gesessen, als man ihn gefunden habe.</p>
<p>Aber: sofern die Entscheidung tatsächlich aus freien Stücken gefallen ist, wenn keinerlei Intrigen und Machtkämpfe als Auslöser in Frage kommen, hat dieser Entscheid, den Schritt wirklich zu wagen, dann nicht noch eine viel größere Tragweite als schon ohnehin?</p>
<p>Man erinnere sich, warum das Pontifikat auf Lebenszeit zu wählen ist. Es handelt sich um die Berufung und Pflicht eines, eines einzigen Menschen, der als Stellvertreter Christi nur diesem unterstellt und demnach in religiösen Fragen unfehlbar ist. Nach der Theorie kann aber nur der Herr selbst bestimmen, wann es eines neuen Papstes bedarf. Dies tut er durch den Tod des Vorherigen. Einem katholischen Laien und wohl überhaupt jedem aufgeklärten Menschen kommt das freilich reichlich suspekt und fundamentalistisch vor; es liegt aber auf der Linie, der viele vom Vatikan geprägte Vorgaben folgen. Daran ändert sich auch nichts, wenn der Medienberater des Papstes nicht müde wird zu erklären, dass es sich bei der Regel, der Papst bleibe Papst bis zu seinem Tode, nicht um ein Gesetz Gottes sondern lediglich um eine Tradition handele.</p>
<p>So modern und zeitgeistig, wie regelrecht ehrenhaft auch immer es erscheinen mag &#8211; richtig ist dieser Rücktritt aus Sicht der Institution Kirche sicherlich nicht. Er schadet ihr geradezu, denn so kann sie sich künftig nicht mehr auf einen Gott berufen, dessen Geheiß von niemandem auf Erden hinterfragt werden kann. Beispiel im Sinne der Lehre hat Benedikt XVI., der es als Theologe eigentlich besser wissen müsste (wollte er vielleicht gar ein Zeichen setzen, zu dem er mit seiner Amtsmacht aufgrund der Verhältnisse im Kirchenstaat nicht fähig war?), für die vielen Gläubigen auf allen Kontinenten also ganz klar nicht gegeben. Ist Gott jetzt auch bei allen anderen Menschen nicht mehr Herr über Leben und Tod? Sollte das etwa bedeuten, Suizid werde vom Vatikan künftig unterstützt, Sterbehilfe beworben? Glaubwürdigkeit, die säkulare Kräfte in der Gesellschaft, aber gleichermaßen von der Kirche Enttäuschte immer häufiger, immer intensiver und, wie wir meinen, zurecht einfordern, kann so jedenfalls nicht wiederhergestellt werden.</p>
<p>Wenn nun im Zuge der Nachfolgersuche auf ein Signal seitens der Kardinäle gehofft wird, so ist es viel wichtiger, dass der nächste Papst wieder ein jüngerer sein wird, als dass es sich dabei um den ersten Schwarzen in dieser Position handeln könnte. Es muss jemand sein, der noch lange die nötige Kraft für die Aufgaben haben wird. Ansonsten stellt sich die Rücktrittsfrage möglicherweise bald wieder und Reformen haben keine Chance, in Gang zu kommen. Wenn die Kirche ihre Stellung halten will, darf die jetzige Situation keinesfalls zur Regel werden. Die sonst sooft insbesondere von Papst Benedikt XVI. angestrebte Abgrenzung von der Weltlichkeit und dem Positivismus sollte im Sinne der Stabilität und Integrität der Kardinäle gerade auch hier Alleinstellungsmerkmal bleiben &#8211; im Gegensatz zu vielen anderen Feldern kann die Unnachgiebigkeit an dieser Stelle vielleicht sogar als positive Standhaftigkeit wahrgenommen werden. Alternativ könnte man sich natürlich wünschen, dass auch andere &#8220;Traditionen&#8221; angepackt und umgekrempelt werden. Dies dürfte allerdings noch eine ganze Weile ein frommer Wunsch bleiben!</p>
<p>Bildquelle: WDKrause über Wikicommons</p>
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		<title>Die beschnittene Debatte</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Sep 2012 11:52:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Lena Gaissmaier Nach Sarrazin hat Deutschland ein neues Lieblingsthema gefunden: die Beschneidung. Seit dem Urteil des Kölner Landgerichts über die Strafbarkeit der Beschneidung aus religiösen Motiven hört man Kommentare und Meinungen, vor allem aber Empörung und Aufschreie aus allen Ecken der Republik. Plötzlich sind sich selbst die großen Religionsgemeinschaften einig. Christliche, muslimische und jüdische [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">von Lena Gaissmaier</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Nach Sarrazin hat Deutschland ein neues Lieblingsthema gefunden: die Beschneidung. Seit dem Urteil des Kölner Landgerichts über die Strafbarkeit der Beschneidung aus religiösen Motiven hört man Kommentare und Meinungen, vor allem aber Empörung und Aufschreie aus allen Ecken der Republik. Plötzlich sind sich selbst die großen Religionsgemeinschaften einig. Christliche, muslimische und jüdische Verbände protestieren, die Konferenz Europäischer Rabbiner sieht darin gar den “schwersten Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust.” <span id="more-4308"></span></p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Es ist viel Bedeutung die einem vergleichsweise kleinen Stück Haut zugemessen wird, womöglich ein Zeichen dafür, dass sich an diesem konkreten Fall viel tieferliegende Interessenskonflikte offenbaren: die unterschiedlichen, teils falschen Auffassungen von Religionsfreiheit und die Tatsache, dass wir immer noch nicht in einem säkularen Staat leben. Stattdessen steht die Politik fraktionsübergreifend hinter einer religiös motivierten Praxis und tut alles um sie zu verteidigen. Und das, ohne eine ernsthafte Debatte darüber geführt zu haben.</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Dabei ist das Urteil des Kölner Landgerichts richtig. Das Kindeswohl und das Recht auf körperliche Unversehrtheit wiegen schwerer als die sogenannte “Religionsfreiheit” der Eltern. In der Interpretation des Begriffes „Religionsfreiheit“ liegt das eigentliche Problem im ganzen Diskurs. Religionsfreiheit, wie sie im Grundgesetz verankert ist, ist nicht dasselbe, das die Kirchen und religiösen Verbände für sich in Anspruch nehmen. Befürworter der religiös motivierten Beschneidung berufen sich gerne auf Artikel vier, Absatz zwei des Grundgesetzes, in dem es heißt, “die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet”. Doch Religionsfreiheit bedeutet nicht, im Namen der Religion die Rechte anderer zu beschneiden.</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Religionsfreiheit bedeutet, seine Religion im Rahmen der Gesetze ausüben zu dürfen. Wie jede Freiheit endet sie dort, wo die des anderen beginnt. Auch ein Kind hat ein Recht auf Religionsfreiheit, die ihm durch einen irreversiblen Eingriff wie die Beschneidung genommen wird.</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Je länger man über die Problematik nachdenkt, desto schwerer wird es, Argumente für eine Beschneidung ohne medizinische Notwendigkeit zu finden, allen voran für eine, die ohne Zustimmung des Betroffenen vorgenommen wird. Oft wird ins Feld geführt, dass die Beschneidung von Jungen eine langjährige Tradition sei und somit nicht einfach aufgegeben werden könne. Aber weder Tradition noch „Religionsfreiheit“ legitimieren Körperverletzung. Auch der Verweis darauf, dass der Glaube gefährdet werde, da die Beschneidung ein zentraler Aspekt der Bindung an Gott sei, hilft nicht wirklich weiter: wenn die Bindung an Gott von einem Ritus wie der Beschneidung und nicht der religiösen Überzeugung abhängt hat eine Religionsgemeinschaft ein größeres Problem. Gerne werden darüber hinaus gesundheitliche Vorteile der Beschneidung zu ihrer Legitimation herangezogen, diese sind aber meist unzureichend belegt. 1910 reklamierte ein amerikanischer Arzt den Nutzen darin, dass Beschneidungen die allgemeine Erregbarkeit verminderten, die Masturbation erschwerten, die Liebeslust verminderten und die Hygiene besser sei. Belegt wurden diese Aussagen bis heute nicht. In der Folgezeit wurden verschiedenste Empfehlungen der ärztlichen Fachgesellschaften publiziert: mal pro, mal contra Beschneidung. Festzuhalten bleibt, dass es bis heute keinen wirklich gut belegten medizinischen Nutzen der Beschneidung gibt, sodass als Maxime ärztlichen Handelns der Grundsatz „primum non nocere“ übrig bleibt.</p>
<p align="JUSTIFY">Doch leider scheinen deutsche Politiker keinen klaren Blick auf wissenschaftliche Daten und die Gesetze mehr bewahren zu können, sobald sich religiöse Autoritäten in ihren Privilegien gefährdet sehen. In Deutschland haben Religionen auch fast 250 Jahre nach der Aufklärung immer noch einen Sonderstatus, was man unter anderem am Beispiel des konfessionsgebundenen Religionsunterrichts in Schulen sehen kann. Diese Privilegien, die schwer mit der Trennung von Kirche und Staat vereinbar sind, werden standhaft verteidigt, kaum jemand wagt es, sie anzutasten. Zu groß ist die Angst, sich angesichts des großen Einflusses der Religionsgemeinschaften unbeliebt zu machen beziehungsweise Wählerstimmen zu verlieren. Auch deshalb ist die „Beschneidungs-Debatte“ dringend notwendig. Doch was derzeit in Deutschland passiert verdient den Namen Debatte oder Diskurs nicht. Ernsthaft diskutiert wir hier nicht. Es werden Forderungen gestellt, die es möglichst schnell umzusetzen gilt. An die Konsequenzen oder die Rechtmäßigkeit dieser Forderungen wird kein Gedanke verschwendet. Auch trägt der dauernde Verweis auf Deutschlands Geschichte und den Holocaust nichts Förderliches bei, sondern beeinträchtigt eine offene Diskussion. Es steht außer Frage, dass den Juden (und anderen Verfolgten) von Deutschen unbeschreibliches Leid zugefügt wurde. Das sollte nie in Vergessenheit geraten oder relativiert werden. Doch dieses Leid kann ein Verhalten, das den Menschen- und Kinderrechten widerspricht nicht entschuldigen und schon gar nicht legitimieren. Das wäre ein falsch verstandenes Geschichtsbewusstsein.</p>
<p align="JUSTIFY">In einem fraktionsübergreifenden Antrag von Union, SPD und FDP heißt es: „jüdisches und muslimisches religiöses Leben muss weiterhin in Deutschland möglich sein.“ Dagegen ist nichts einzuwenden, in Deutschland sollen und müssen auch religiöse Menschen willkommen sein. Aber wie jeder andere Bürger auch, müssen sie sich an geltendes Recht halten. Ein Verbot der religiös motivierten Beschneidung macht ihr religiöses Leben nicht unmöglich. Es macht klar, dass es keine grenzenlose Freiheit für alle geben kann. Und es wäre ein Signal als überfälliges Bekenntnis zu einem säkularen Staat und den im Grundgesetz verankerten Menschen- und Kinderrechten.</p>
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