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	<title>derfarbfleck &#187; Papst</title>
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		<title>Die ewig gestrige katholische Kirche</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Jan 2014 20:57:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[ ein Kommentar von Jakob Dürr Die Hoffnungen waren groß, sowohl unter Kirchenanhängern, als auch unter Ungläubigen, dass der neue Papst Franziskus endlich der katholischen Kirche einen Schub versetzt und sie aus dem 19. Jahrhundert in die Gegenwart bringt. Sie hat es aber höchstens ins 20. Jahrhundert geschafft, weiter ist unser aktueller Papst leider noch nicht, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em> <a href="http://farm9.staticflickr.com/8087/8571449837_a03df3578e.jpg"><img class="alignleft" id="yui_3_11_0_3_1389992106163_293" alt="" src="http://farm9.staticflickr.com/8087/8571449837_a03df3578e.jpg" width="394" height="400" /></a>ein Kommentar von Jakob Dürr</em></p>
<p>Die Hoffnungen waren groß, sowohl unter Kirchenanhängern, als auch unter Ungläubigen, dass der neue Papst Franziskus endlich der katholischen Kirche einen Schub versetzt und sie aus dem 19. Jahrhundert in die Gegenwart bringt. Sie hat es aber höchstens ins 20. Jahrhundert geschafft, weiter ist unser aktueller Papst leider noch nicht, wie seine neuen Äußerungen zur Abtreibung zeigen.</p>
<p>Nachdem viele Menschen  darauf setzten, dass der neue Papst die katholische Kirche reformieren und sie weniger fortschrittsfeindlich machen würde, musste diese hoffnungsvolle Gruppe nun einen herben Rückschlag erleiden: Der Papst teilte am Montag in seiner Rolle als angeblicher Vertreter Gottes auf Erden mit, dass Abtreibung für die katholische Kirche immer noch ein Tabu darstelle und für ihn auf einer Stufe mit Kindesvergewaltigung, Kindesmord und dem Einsatz von Kindern als Soldaten stehe.</p>
<p>Die Argumentation gegen Abtreibung der katholischen Kirche ist fast immer dieselbe: Abtreibung ist Mord an einem Fötus und dies fällt unter das Verbot der 10 Gebote.</p>
<p>Selbst wenn wir das 5. Gebot als Verbot des Mordes an Menschen im Allgemeinen verstehen, tritt es nicht bei einer Abtreibung ein, die stattfindet, bevor ein Nervensystem entstanden ist, da zu diesem Zeitpunkt noch kein fühlendes Wesen und schon gar kein Mensch vorhanden ist.</p>
<p>Dennoch wird häufig angeführt, dass es sich bei einem Fötus um einen potentiellen Menschen handelt, welcher ein vollwertiger Mensch werden würde, gäbe man ihm Zeit zur Entwicklung. Selbst wenn sich eine Behinderung abzeichnen würde, könnte sich ein neuer Beethoven oder Hawking entwickeln.  Dies ist allerdings eine Scheinargumentation, da, wenn wir diesen Gedankengang fortführen, es ebenso verboten sein müsste, jegliche Gelegenheit zum Geschlechtsverkehr auszulassen, da auch dabei ein potenzieller Beethoven oder Hawking entstehen könnte. So würden selbst hohe Kirchenvertreter, die noch im zeugungsfähigen Alter sind, ständig sündigen.</p>
<p>Davon abgeleitet muss man dann doch wohl in Kauf nehmen, dass nicht jedes mögliche Leben und nicht jede mögliche Kombination aus DNS- Bestandteilen auch so zustande kommt und nicht nur das Potenzial zu einem Menschen schon einen Menschen ausmacht. Wenn man diese Tatsache eingesehen hat, dann richtet sich der Blick auf die aktuell Lebenden und vor allem auf die lebenden Menschen. Dies ist die Gruppe derer, denen die Aufmerksamkeit der katholischen Kirche zukommen sollte und Mitgliedern dieser Gruppe der Lebenden kann durch die Möglichkeit der Abtreibung ungewollter Schwangerschaften sehr geholfen werden. Sie gibt Paaren die Möglichkeit der Planung und Frauen die Möglichkeit der Entscheidung darüber, was mit ihren eigenen Körpern passiert und passieren soll. Der Eingriff kann in vielen Situationen verhindern, dass sehr viel Leid entsteht, wenn eine werdende Mutter noch nicht oder überhaupt nicht auf eine Schwangerschaft eingerichtet ist, beziehungsweise  die äußeren Umstände gänzlich feindselig gegenüber einem Kind sind.</p>
<p>Eine Kirche wie die katholische, eine Kirche, die sich die Menschlichkeit und Nächstenliebe auf die Fahne geschrieben hat, eine solche Kirche verbietet ihren treuen Anhängern, die in Extremsituationen bei ihr Schutz suchen, eine Innovation, die Menschen Sicherheit und die Möglichkeit der Familienplanung gibt, die tagtäglich den Absturz von jungen, allein lebenden Frauen in prekäre soziale Verhältnisse verhindert oder zumindest verhindern könnte, wenn die Kirche, an die sie glauben, es ihnen erlauben würde die Innovation zu nutzen. Das tut sie allerdings nicht. Eine fortschrittliche Kirche, die im 21. Jahrhundert angekommen ist würde anders handeln. Sie würde erkennen, dass eine Frau selbst am besten über ihre Belange entscheiden kann und kein pauschales Urteil fällen, das das Umfeld und den Kontext einer Abtreibung außen vor lässt.</p>
<p>Es werden sich hier nun wohl Stimmen erheben, die einwerfen, dass Franziskus zwar bei dem Thema Abtreibung keine sonderliche Liberalität oder Fortschrittlichkeit an den Tag legt, aber immerhin in vielen Bereichen die Kirche modernisiert und reformiert hat: Er hat die Prunksucht seiner Vorgänger eingestellt, er öffnete sich auch gegenüber Nicht-Christen und vor allem Nicht-Gläubigen und er bezog endlich klar Stellung gegen Kindesmissbrauch und verurteilte diesen strikt.</p>
<p>Abgesehen davon, dass es Atheisten wohl eher belustigte, als sie erfuhren, dass sie doch noch in den Himmel kommen können (zumindest in den christlichen), sind diese „Reformen“ kein Schritt in die Zukunft, sondern höchstens ein Schritt aus der Vergangenheit in die grobe Richtung der Gegenwart. Sie erreichen diese aber bei weitem nicht. Dass ein Kirchenoberhaupt Kindesmissbrauch verurteilt sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit und kein Anlass zum Feiern sein, besonders wenn die entsprechende Kirche die Menschlichkeit propagiert. Des Weiteren ist eine Abkehr vom Prunk letztendlich ein christliches Grundgebot und ein Einhalten dessen durch einen Papst sollte keine Frage der Fortschrittlichkeit, sondern ebenfalls eine Selbstverständlichkeit sein. Darum müssen die Reformen des Franziskus im Kontext der Zeit betrachtet werden. Beurteilen sollte man ihn anhand seines Verhaltens gegenüber den Thematiken, in deren Zusammenhang die Kirche immer noch fortschrittsfeindlich und rückwärtsgerichtet ist und unter Franziskus wohl weiterhin sein wird: Homosexualität, Verhütung und Abtreibung. Die katholische Kirche kommt immer noch nicht einmal in der Gegenwart an und das wird eindrucksvoll durch die neuen Äußerungen des Papstes illustriert.</p>
<p><em>Bild: Dragan Tatic via Das österreichische Außenministerium auf flickr.com</em></p>
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		<title>Warten auf Petrus</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Mar 2013 22:03:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Jakob Dürr Man könnte meinen man hätte E.T. entdeckt: Journalisten aus aller Welt drängen sich auf dem Platz, überall tummeln sich Touristen, Interessenvertreter von überall her versuchen ihre Meinung denjenigen aufzudrängen, die sie hören wollen &#8211; und allen anderen auch. Die Wahl des 266. Papstes steht an. Nach dem ungewöhnlichen und wohl vergleichsweiße spektakulären [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a3/Roma_And%C4%9Blsk%C3%BD_hrad_view_3.jpg/800px-Roma_And%C4%9Blsk%C3%BD_hrad_view_3.jpg"><img class="alignleft" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a3/Roma_And%C4%9Blsk%C3%BD_hrad_view_3.jpg/800px-Roma_And%C4%9Blsk%C3%BD_hrad_view_3.jpg" alt="File:Roma Andělský hrad view 3.jpg" width="336" height="230" /></a>von Jakob Dürr<strong><br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Man könnte meinen man hätte E.T. entdeckt: Journalisten aus aller Welt drängen sich auf dem Platz, überall tummeln sich Touristen, Interessenvertreter von überall her versuchen ihre Meinung denjenigen aufzudrängen, die sie hören wollen &#8211; und allen anderen auch. Die Wahl des 266. Papstes steht an.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem ungewöhnlichen und wohl vergleichsweiße spektakulären Rücktritt Benedikts soll nun der neue Papst in sein Amt gehoben werden. Hohe Erwartungen und Hoffnungen stellen viele an den neuen Papst, an das neue Oberhaupt jener 1,2 Milliarden Menschen, die im Moment führerlos sind. „Ich hoffe, der neue Papst ist 50“ wünscht sich eine Dame auf dem Petersplatz, die Vereinigung „Wir sind Kirche“ möchte die Zulassung von Empfängnisverhütung und der deutsche Kardinal Walter Kasper hätte gerne eine “ horizontalere Regierung der Kirche mit mehr Kollegialität.“. Der Wünsche sind viele, doch sie gehen  meist in ähnliche Richtungen: Der neue Papst soll bewirken, dass</p>
<ul style="text-align: justify;">
<li>die Kirche moderner wird und ihre Einstellungen zu Themen wie Empfängnisverhütung, Zölibat, Priesterinnen und Geschiedenen ändert.</li>
<li>die Kirche offener wird und Missbrauchsfälle besser aufgeklärt werden.</li>
<li>die Kirche sich besser organisiert und Affären wie Vatileaks der Geschichte angehören.</li>
<li>die Kirche weniger diktierend wird und Gemeinden mehr Freiheiten lässt.</li>
</ul>
<p style="text-align: justify;">Ein Neuanfang soll es werden, die alten Strukturen sollen aufgebrochen werden und die Kirche soll endlich salonfähig sein, wenn sie missionieren will – oder zumindest verhindern möchte, dass nicht noch mehr aus der Kirche austreten.</p>
<p style="text-align: justify;">Hoffnungen und Erwartungen gibt es somit viele und darum wird der weiße Rauch von manchen Seiten auch etwas angstvoll erwartet, da man befürchtet, dass der neue Papst wenig ändern wird und die Chance auf eine weltoffenere Kirche aus dieser Richtung ein weiteres Mal vertan wird. Es wäre nämlich nicht das erste Mal.</p>
<p style="text-align: justify;">Trotz klarer Vorstellungen, was der neue Papst mitbringen soll, gibt es keinen klaren Favoriten wie in der letzten Papstwahl. Vielleicht sind eben diese Erwartungen durch die Umstände auch etwas zu hoch gesetzt worden. Vier  Namen werden jedoch wieder und wieder genannt:</p>
<p style="text-align: justify;">Dem Kanadier Marc Ouellet, dem Erzbischof von Boston, Sean Patrick O’Malley, dem Brasilianer Odilo Scherer und dem Mailänder Angelo Scola werden verhältnismäßig gute Chancen zugesprochen. Doch damit weißer Rauch aus dem so unscheinbaren und doch so wichtigen Schornstein des Konklaves quillt, braucht einer der Kardinäle allerdings eine Zweidrittelmehrheit und diese wird dieses Mal wohl kaum besonders rasch vorhanden sein. Eine Überraschung kann es aber immer noch geben.</p>
<p style="text-align: justify;">Eines ist jedenfalls sicher: Wenn es soweit ist, wird halb Rom auf den Petersplatz strömen und es wird verkündet werden: „Habemus Papam“.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Bild: Karelj über Wikimedia Commons</em></p>
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		<title>Warum der Papst-Rücktritt falsch ist</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Feb 2013 16:32:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Lea Müller und Matthias Böttger Fast schon zur Normalität ist es geworden, dass ein Politiker, wie kürzlich Annette Schavan oder vor einem Jahr Bundespräsident Christian Wulff, zurücktritt. Sei es aufgrund von Affären, durch Unruhen in Partei oder Regierung geschwächt respektive aus dem völlig unvorhersehbaren Grund des fortgeschrittenen Alters. Dass aber ein Papst sein Amt aufgibt, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>von Lea Müller und Matthias Böttger</p>
<p><span style="color: #333333;"><span style="font-family: CrimsonRoman, Helvetica Neue, Arial, Helvetica, Nimbus Sans L, sans-serif;"><span style="font-size: small;"><a style="font-size: small;" href="//upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/79/003_Besuch_S_H_Papst_Benedikt_XVI_in_Berlin_22_09_2011.jpg"><img class="alignleft" src="//upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/79/003_Besuch_S_H_Papst_Benedikt_XVI_in_Berlin_22_09_2011.jpg/800px-003_Besuch_S_H_Papst_Benedikt_XVI_in_Berlin_22_09_2011.jpg" alt="File:003 Besuch S H Papst Benedikt XVI in Berlin 22 09 2011.jpg" width="432" height="287" /></a>Fast schon zur Normalität ist es geworden, dass ein Politiker, wie kürzlich Annette Schavan oder vor einem Jahr Bundespräsident Christian Wulff, zurücktritt. Sei es aufgrund von Affären, durch Unruhen in Partei oder Regierung geschwächt respektive aus dem völlig unvorhersehbaren Grund des fortgeschrittenen Alters. Dass aber ein Papst sein Amt aufgibt, bevor er stirbt, ist neu. Entsprechend erstaunt reagiert nun die breite Öffentlichkeit &#8211; kaum einer kann sich wirklich erklären, was Benedikt XVI. dazu getrieben haben mag, etwas zu tun, das seit Jahrhunderten keiner tat. Der Papst hat angekündigt, dass Ende des Monats, pünktlich zur Tagesschau, die Sedisvakanz eintreten, also kein rechtmäßiger Führer der römisch-katholischen Christenheit mehr im Amt sein werde.</span></span></span></p>
<p>Doch nach dem Erstaunen macht sich bei den meisten Menschen Verständnis breit. Der Job sei schließlich mit derartigen Belastungen verbunden, das könne der alte Mann gar nicht mehr schultern. Beim Renteneintritt macht den meisten Menschen, gerade denen, die großen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt sind, eine Grenze von 67 Jahren schon sehr zu schaffen; der Papst ist bekanntlich bereits in seinem 86. Lebensjahr! Manch ein Experte meint des Weiteren, Ratzinger habe das Amt nie gewollt und gleichfalls zu keinem Zeitpunkt wirklich an ihm gehangen. Jetzt, wo die Affären um Kindesmissbrauch, Vatikanbank und den Geheimnisverrat durch den Kammerdiener (Vatileaks) halbwegs ausgestanden gewesen seien, habe sich schlichtweg die Gelegenheit zu diesem Schritt ergeben. Darauf hat der Papst, der es nicht schaffte die Kirche wieder ins <em>rechte Licht</em> zu rücken, was er selbst als Ziel erklärte, ein Recht – von niemandem kann er gehindert werden, jedoch auch nicht gedrängt, da es sich um einen autonomen Willensentschluss handeln muss. Das ist 1983 im Canon 332 Paragraph 2 durch Papst Johannes Paul II. verankert worden. Anscheinend hatten außerdem sowohl er als auch seine beiden Vorgänger bereits Schreiben vorbereitet, die den Rücktritt bekannt geben sollten. Diese kamen gleichwohl bekanntlich nicht zum Einsatz. Vielleicht auch, da das Kirchenrecht ohnedies für eine „völlige Behinderung des römischen Bischofsstuhls“ die gleichen Regeln wie für die Vakanz vorsieht.</p>
<p>Unter dem Druck der Öffentlichkeit, der im Zuge der Skandale entstanden war, wollte der Papst <em>seine</em> Kirche nicht im Stich lassen. Da tut sich doch schnell die Frage auf, warum nun wieder nur das Alter, das ja bekanntlich bei allen seinen Vorgängern nicht das geringste war, als Grund in Frage kommt. Sicher ist der Gesundheitszustand Benedikts schlecht, von längeren Reisen riet ihm sein Leibarzt schon längere Zeit ab. Andererseits treten auch andere, ebenso schleichende Prozesse in den Vordergrund; sollte nicht etwa der Apparat des Vatikanstaats seine Macht gefährdet gesehen haben? Die Fassade bröckelt schließlich zunehmend. Zugeben würde das wohl kaum einer, auszuschließen ist es aber nicht. Man denke nur an Johannes Paul I., den ersten Papst mit Doppelnamen, der nach 33 Tagen an der höchsten Stelle der Kirche plötzlich verstarb. Noch mysteriöser ist da, dass man sich erzählt, er habe aufrecht und lächelnd in seinem Bett gesessen, als man ihn gefunden habe.</p>
<p>Aber: sofern die Entscheidung tatsächlich aus freien Stücken gefallen ist, wenn keinerlei Intrigen und Machtkämpfe als Auslöser in Frage kommen, hat dieser Entscheid, den Schritt wirklich zu wagen, dann nicht noch eine viel größere Tragweite als schon ohnehin?</p>
<p>Man erinnere sich, warum das Pontifikat auf Lebenszeit zu wählen ist. Es handelt sich um die Berufung und Pflicht eines, eines einzigen Menschen, der als Stellvertreter Christi nur diesem unterstellt und demnach in religiösen Fragen unfehlbar ist. Nach der Theorie kann aber nur der Herr selbst bestimmen, wann es eines neuen Papstes bedarf. Dies tut er durch den Tod des Vorherigen. Einem katholischen Laien und wohl überhaupt jedem aufgeklärten Menschen kommt das freilich reichlich suspekt und fundamentalistisch vor; es liegt aber auf der Linie, der viele vom Vatikan geprägte Vorgaben folgen. Daran ändert sich auch nichts, wenn der Medienberater des Papstes nicht müde wird zu erklären, dass es sich bei der Regel, der Papst bleibe Papst bis zu seinem Tode, nicht um ein Gesetz Gottes sondern lediglich um eine Tradition handele.</p>
<p>So modern und zeitgeistig, wie regelrecht ehrenhaft auch immer es erscheinen mag &#8211; richtig ist dieser Rücktritt aus Sicht der Institution Kirche sicherlich nicht. Er schadet ihr geradezu, denn so kann sie sich künftig nicht mehr auf einen Gott berufen, dessen Geheiß von niemandem auf Erden hinterfragt werden kann. Beispiel im Sinne der Lehre hat Benedikt XVI., der es als Theologe eigentlich besser wissen müsste (wollte er vielleicht gar ein Zeichen setzen, zu dem er mit seiner Amtsmacht aufgrund der Verhältnisse im Kirchenstaat nicht fähig war?), für die vielen Gläubigen auf allen Kontinenten also ganz klar nicht gegeben. Ist Gott jetzt auch bei allen anderen Menschen nicht mehr Herr über Leben und Tod? Sollte das etwa bedeuten, Suizid werde vom Vatikan künftig unterstützt, Sterbehilfe beworben? Glaubwürdigkeit, die säkulare Kräfte in der Gesellschaft, aber gleichermaßen von der Kirche Enttäuschte immer häufiger, immer intensiver und, wie wir meinen, zurecht einfordern, kann so jedenfalls nicht wiederhergestellt werden.</p>
<p>Wenn nun im Zuge der Nachfolgersuche auf ein Signal seitens der Kardinäle gehofft wird, so ist es viel wichtiger, dass der nächste Papst wieder ein jüngerer sein wird, als dass es sich dabei um den ersten Schwarzen in dieser Position handeln könnte. Es muss jemand sein, der noch lange die nötige Kraft für die Aufgaben haben wird. Ansonsten stellt sich die Rücktrittsfrage möglicherweise bald wieder und Reformen haben keine Chance, in Gang zu kommen. Wenn die Kirche ihre Stellung halten will, darf die jetzige Situation keinesfalls zur Regel werden. Die sonst sooft insbesondere von Papst Benedikt XVI. angestrebte Abgrenzung von der Weltlichkeit und dem Positivismus sollte im Sinne der Stabilität und Integrität der Kardinäle gerade auch hier Alleinstellungsmerkmal bleiben &#8211; im Gegensatz zu vielen anderen Feldern kann die Unnachgiebigkeit an dieser Stelle vielleicht sogar als positive Standhaftigkeit wahrgenommen werden. Alternativ könnte man sich natürlich wünschen, dass auch andere &#8220;Traditionen&#8221; angepackt und umgekrempelt werden. Dies dürfte allerdings noch eine ganze Weile ein frommer Wunsch bleiben!</p>
<p>Bildquelle: WDKrause über Wikicommons</p>
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