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	<title>derfarbfleck &#187; Kurzprosa</title>
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		<title>Perfekt unperfekt</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Mar 2014 14:52:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[eine Kurzgeschichte von Cosima Friedle Der Tag, an dem meine Mutter starb, war nicht gerade der beste Tag meines Lebens. Zuerst der Besuch dieses überaus hässlichen Polizisten, mit diesem typischen Es-tut-mir-ja-so-Leid-Blick und seiner betroffenen Stimme. Nach Verkünden der tollen Nachricht nahm er diesen mitleidigen Gesichtsausdruck an, der sagte: Egal, welche Reaktion du jetzt zeigst, es [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2014/03/trauer-blatt-ed0b66da-a587-4541-bc08-473e4ea7ac4a.jpg"><img class="wp-image-6166 alignleft" alt="trauer-blatt-ed0b66da-a587-4541-bc08-473e4ea7ac4a" src="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2014/03/trauer-blatt-ed0b66da-a587-4541-bc08-473e4ea7ac4a-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a></em><em>eine Kurzgeschichte von Cosima Friedle</em></p>
<p>Der Tag, an dem meine Mutter starb, war nicht gerade der beste Tag meines Lebens. Zuerst der Besuch dieses überaus hässlichen Polizisten, mit diesem typischen Es-tut-mir-ja-so-Leid-Blick und seiner betroffenen Stimme. Nach Verkünden der tollen Nachricht nahm er diesen mitleidigen Gesichtsausdruck an, der sagte: Egal, welche Reaktion du jetzt zeigst, es ist ok. Es ist völlig ok, wenn du jetzt traurig, wütend, verzweifelt bist. Dafür habe ich Verständnis, damit kann ich umgehen. Doch mit meiner Reaktion konnte er anscheinend doch nicht umgehen. Ich nickte nur kurz, bedankte mich für die Information und schloss die Tür. Meine Stimme war weder belegt noch zitternd oder tränenerstickt, sie war einfach nur vollkommen neutral. Auch das Schließen der Tür war keine trotzige oder wütende Handlung, es war nicht mehr als ein alltäglicher Mechanismus. Nachdem ich mich wieder zurück in mein Zimmer begeben hatte &#8211; das weitere, störende Klingeln des Polizisten ignorierend -, versuchte ich, meine Gefühlslage zu analysieren. War ich traurig oder verzweifelt? Am Boden zerstört oder hatte ich das Ganze noch nicht realisiert? Zu meinem Erstaunen traf nichts von alldem zu. Ich spürte gar nichts. Ich musste nicht weinen, ich bekam keine Schreikrämpfe &#8211; nicht einmal das kleinste Anzeichen von Trauer oder Betroffenheit. Das besonders Erstaunliche war, dass ich generell kein gefühlskalter Mensch war. Bei meinen unzähligen Siegesfeiern und Preisverleihungen hatte ich immer die gesamte Palette gezeigt: Zunächst Schockstarre, dann Verziehen des Gesichtes, in Tränen ausbrechen, lachen, weinen, lächeln, völlig überwältigt den Preis entgegennehmen. Zweifelsohne verwandelte sich diese anfangs noch spontane Reaktion irgendwann in einen abgespulten Mechanismus, doch die Freude war immer echt. Vielleicht war gerade diese Freude das Problem. Bei genauerem Nachdenken stellte ich fest, dass ich noch nie negative Emotionen hatte. Warum auch? Ich hatte eine absolut perfekte Kindheit, war eine Super-Schülerin, alle meine Verwandten waren noch am Leben &#8211; für mich gab es noch  nie Grund zur Traurigkeit. Ich hatte ein perfektes Leben, von vorne bis hinten makellos. Und während ich in meinem Zimmer saß, und völlig unbeirrt weiter meinen Tätigkeiten nachging, schlich sich unbemerkt und leise eine Emotion in meinen Körper. Ganz langsam und unaufhaltsam schlich sie sich durch die Füße in meine Beine, hoch in den Bauch, in die Arme und in den Kopf, bis schließlich auch mein Herz damit erfüllt war. Eine riesige, immense Wut staute sich in mir auf, und sie lief jede Sekunde Gefahr, sich ihren Weg nach draußen zu bahnen und auszubrechen. Ich ging zuerst davon aus, dass sich diese Wut gegen den Polizisten, das Schicksal und die Welt im Allgemeinen richtete. Doch mir wurde schnell klar, dass sie sich etwas sehr Konkretem widmete: Meiner Mutter. Obwohl mir klar war, dass sie für ihren Tod nicht verantwortlich war, dass niemand dafür verantwortlich war, sondern dass es Schicksal war, wurde ich mehr und mehr wütend auf sie. Wie konnte sie es nur wagen, einfach zu sterben und damit meine Perfektion zu zerstören? Ich war von mir selbst geschockt, dass ich in so kurzer Zeit solche Emotionen entwickeln konnte. Als ich jemanden die Tür aufschließen und die Wohnung betreten hörte, packte ich meine Sachen und lief in den Flur. Mein Vater, völlig in Tränen aufgelöst, hatte gerade die Tür hinter sich geschlossen und hatte sichtlich Mühe, nicht zusammenzubrechen. Bevor er etwas sagen konnte, ergriff ich das Wort und sagte: „ Gut dass du da bist, können wir los zum Training?“</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Warten</title>
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		<pubDate>Sun, 09 Jun 2013 09:08:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Leonie Töpert „Heute werde ich gewinnen, 13 ist meine Glückszahl. Heute werde ich gewinnen. Ja, da bin ich mir ganz sicher. Heute wird alles anders…&#8221;. Mit diesen Gedanken lief Herr Q. nach Hause. Dort angekommen warf er einen Blick auf die Uhr, schaltete den Fernseher ein und wartete. Erst lief eine Soap, danach eine [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" title="Warten" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d5/Bundesarchiv_Bild_183-1984-1419-014%2C_Berlin%2C_Weltzeituhr_am_Alexanderplatz.jpg" alt="" width="349" height="480" /></p>
<p style="text-align: justify;"><em>von Leonie Töpert</em></p>
<p style="text-align: justify;">„Heute werde ich gewinnen, 13 ist meine Glückszahl. Heute werde ich gewinnen. Ja, da bin ich mir ganz sicher. Heute wird alles anders…&#8221;. Mit diesen Gedanken lief Herr Q. nach Hause. Dort angekommen warf er einen Blick auf die Uhr, schaltete den Fernseher ein und wartete. Erst lief eine Soap, danach eine Dokumentation und anschließend die Nachrichten. Von Minute zu Minute wurde er nervöser. Er konnte es kaum mehr erwarten und wünschte sich, die Nachrichten mögen schneller vorbei sein. Das Weltgeschehen interessierte ihn nicht sonderlich &#8211; eigentlich interessierte ihn überhaupt sehr wenig, die meiste Zeit verbrachte er mit Warten. Warten und Hoffen. Und dann, endlich! Endlich waren die Nachrichten vorbei, jetzt nur noch das Wetter. Das Wetter interessierte ihn auch nicht. Wozu auch? Die meiste Zeit war er im Auto oder wartete. Er rieb sich die Hände, stand auf und ging im Kreis herum. Beim Ausfüllen des Scheins hatte er diesmal ein besonders gutes Gefühl gehabt. Die Zahlen waren ihm förmlich zugeflogen. Er schaute sich in der kleinen Wohnung um. Bald schon würde er hier weggehen können. Dieser Schein würde sein Leben verändern. Er konnte es fühlen.</p>
<p style="text-align: justify;">Endlich! Die Losung. Er setzte sich auf die Couch, die Augen auf den Bildschirm gerichtet und wartete. Die erste Kugel rollte aus dem Behälter. Es war die 13. Herr Q. hatte auch eine 13 angekreuzt. Nun war er noch angespannter. Die zweite Zahl rollte aus dem Gefäß. 45. Auch eine 45 hatte angekreuzt. Jetzt war er sich fast sicher, dass er gewinnen würde. Es war Schicksal, anders konnte es gar nicht sein. Seine Handflächen schwitzten, er war ganz nah am seinem Ziel. Die dritte Zahl kam zum Vorschein. Er ließ die Schultern hängen. Es war die Sieben. Er hatte keine Sieben angekreuzt. Vielleicht war heute noch nicht der Tag, an dem sich alles ändern würde. Vielleicht würde es morgen soweit sein. Aber vielleicht… vielleicht hatte er aber auch die anderen Zahlen richtig. Vielleicht würde dieser Schein sein Leben doch verändern. Ja, so musste es sein. Er hatte lange genug gewartet. Gewartet, dass sich etwas verändern würde, dass er ein neues Leben beginnen konnte, weg von der gleichen langweiligen Arbeit, von den gleichen ausdruckslosen Gesichtern. 23. Er heulte frustriert auf. Nicht schon wieder. Nicht noch so eine Enttäuschung. Er wartete schon seit über drei Jahren auf die Veränderung. Und jedes Mal… aber morgen, morgen würde er es bestimmt schaffen. Morgen würde der Lottoschein sein Leben verändern und er würde endlich das tun können, was er schon immer tun wollte. Er wusste zwar noch nicht, was das war, aber, wenn er fertig mit dem Warten war, würde er sich Gedanken darüber machen können. Doch nicht jetzt. Er muss bis zum nächsten Morgen warten, damit er zum Kiosk fahren und einen neuen Schein, diesmal den, der sein Leben verändern wird, holen konnte. Und dann würde er warten bis es Abend war und der Wetterbericht zu Ende . Und dann, dann würde sein Leben anders sein. Aber jetzt musste er erst mal eine Sache erledigen: Warten.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Bildquelle</em>: By German Federal Archives/Deutsches Bundesarchiv  (own work), (CC-BY-SA-3.0(http://www.wikimediacommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)), via Wikimedia Commons.</p>
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		<title>Eine Szene aus den Tuileries</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Feb 2013 19:34:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine Kurzgeschichte von Lea Frauenknecht Als die Dame das Café betrat, das in einem der beengten Pariser Hinterhöfe verborgen lag, wurde es augenblicklich so still, als hätte jemand auf die Stumm-Taste eines Fernsehers gedrückt. Kurz zuvor hatte man noch das beruhigende Summen vernommen, das von jedem einzelnen der barocken Rundtische drang. In der Küche hatte [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p lang="de-DE"><img class="alignleft" title="Tuileries" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8c/Tuileries_02.jpg?uselang=de" alt="" width="576" height="384" /></p>
<p lang="de-DE">Eine Kurzgeschichte von Lea Frauenknecht</p>
<p lang="de-DE">Als die Dame das Café betrat, das in einem der beengten Pariser Hinterhöfe verborgen lag, wurde es augenblicklich so still, als hätte jemand auf die Stumm-Taste eines Fernsehers gedrückt. Kurz zuvor hatte man noch das beruhigende Summen vernommen, das von jedem einzelnen der barocken Rundtische drang. In der Küche hatte die Aushilfskellnerin unbeholfen mit den Untertassen geklappert, die sie gerade in die für ein solches Café viel zu kleine Spülmaschine einsortierte und aus der Milchdüse der Kaffeemaschine war röchelnd der Schaum in eine Tasse doppelten Café au Lait gelaufen. Ein ganz normaler Mittwochnachmittag im Pariser Arrondissement <em>Tuileries</em>. Und nun hatte vor wenigen Sekunden zuerst die Türglocke auf einem zweigestrichenen „A“ gescheppert und wenig später war diese Frau eingetreten. Sie hies Catherine Dauphin, war in ihren Fünfzigern und mindestens ebenso alltäglich wie ihr Name. Ihre schulterlangen Haare, deren Farbe an einen Ritterhelm aus dem Mittelalter erinnerten, waren zu einem überaus braven Seitenscheitel gekämmt und statt der zur Zeit modisch angesagten Seidenleggins trug sie beige Stützstrümpfe, die mit ihrem kokosschalenfarbenen Kleid zu einem einheitlich hellen Braunton verschwammen. Um den schlanken Hals, an dem keinerlei unliebsame Leberflecken zu sehen waren, trug sie ein Collier aus hellen Perlen, das mit Sicherheit sehr teuer gewesen war. Swarovski vielleicht. Oder war es etwa doch ein Unikat aus einem der exklusiven Bijouterien am Rand des <em>Bois de Boulogne</em>? Ihr Gesicht jedoch war nicht etwa mit briefmarkenbreiten Furchen gespickt, wie man es bei vielen ihrer Altersgenossinnen sehen konnte. Es waren vielmehr kleine Rillen, etwa wie die Rillen im Bürgersteig entlang des <em>Quai de la Seine</em>, wenn schon dutzende Bouquinisten an eben jener Stelle ihre mit Büchern überladenen Stände platziert hatten. Nur wer ganz aufmerksam den Teil ihrer linken Wange beobachtete, der schon fast an den linken Nasenflügel grenzte, der konnte dort eine winzige weiße Narbe entdecken, die sich an eben dieser Stelle entlangschlängelte. Nur dass keiner der nun neugierig in ihre Richtung starrenden Café-Gäste diese Narbe noch sorgfältig auf ihrem Gesicht suchen musste, um sie letztendlich zu finden. Sie war ihnen oft genug in mindestens fünffacher Größe gezeigt worden, in der Pariser Morgenpost etwa, oder in den Fünf-Uhr-Nachrichten am Nachmittag. Jeder einzelne der Café-Besucher kannte die Geschichte, die sich geheimnisvoll hinter dieser Narbe auftat. Sie kannten sie nicht nur, wie man den eigenbrötlerischen Nachbarn zwei Häuserblocks weiter kannte, nein, sie kannten sie bis in ihre mikrometrische Details. Und auch Catherine Dauphin kannte sie nur allzu gut.</p>
<p lang="de-DE">Aufgrund einer erst recht spät diagnostizierten Fehlbildung ihres Nervenzellenstamms hatte die Pariser Floristin erst vor wenigen Wochen noch schlaflose Nächte im Pariser Stadtkrankenhaus verbracht, die sie sich mit Lektüren über Dahlien, russische Tundra-Rosen und pelziges, lila Heidekraut vertrieb. Gleichzeitig hatten die Ärzte der Klinik ebenso viele schlaflose Nächte verbracht, die Ohren hoffend an die Hörmuschel des Krankenhaus-Telefons gepresst, um nach einem toten Organspender zu fanden, dessen Nachkommen bereit waren, seinen Nervenzellenstamm bereitzustellen. Ein paar Tage zuvor war die Frau eines berühmten Chanson-Sängers namens Frédéric Delacourt, der öfters Konzerte in den Tuilerien gab, bei ihrem Urlaub in der italienischen Po-Ebene tödlich verunglückt, als ihr ein betrunkener Paparazzi, der sie für Drew Barrymore hielt, ein Pizza-Rad mitten ins Herz rammte. Dadurch wurde die Herz-Kreislauf-Funktion der guten Frau zwar dementsprechend beeinträchtigt, nicht jedoch ihr zu dieser Zeit noch kerngesunder Nervenzellenstamm. Und da Frédéric Delacourt stets eine sehr großzügige Pariser Berühmtheit gewesen war, der ein Viertel seiner Konzerteinnahmen an eine Hilfsorganisation spendete, die sich leukämiekranken Kindern im Nord-Pais-Du-Calais annahm, dachte er an den Eindruck, den er damit bei der Pariser Öffentlichkeit schinden könnte und spendete den Nervenzellenstamm seiner Frau an Madame Catherine Dauphin. Jene war nun nach dem minutenlangem Schweigen, das immer noch wie ein schottischer Nebelschleier das Café bedeckte, und den prüfenden Blicken, die sie von ihren Stützstrümpfen bis zu ihrem linken Seitenscheitel genaustens abtasteten, gerade im Begriff, die Türglocke eines zweites Mal innerhalb von wenigen Minuten auf ihrem schiefen „A“ scheppern zu lassen, als sich das von den barocken Rundtischen ausgehende Brummen wieder erhob. Die Hilfskellnerin fuhr fort, nun einen Stapel von Kuchenkrümeln verklebter Teller in die Spülmaschine zu ordnen, die immer noch viel zu wenig Platz bot für ein Café dieser Größe, und die Milchdüse bereitete nach einer kleinen Pause schon wieder röhrend Schaum für den nächsten doppelten Café au Lait auf. „Was soll&#8217;s?“, wandte sich nun auch Dominique in genau diesem Moment an seinen Freund Remy, „in einer Woche werden wir schon wieder über ganz andere Dinge reden.“ Und damit hatte er wohl den Gedanken aller Café-Besucher ausgesprochen.</p>
<p lang="de-DE"><em>Bildquelle: By Ryan S B (Own work), (CC-BY-2.0(http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de)), via Flickr and Wikimedia Commons</em></p>
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		<title>Fireflies</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Jan 2013 13:00:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[eine Kurzgeschichte von Lea Müller Es war dunkel, als er die Augen öffnete, nur ein paar Lichtstrahlen drangen von der Straßenlaterne vor seinem Fenster in den Raum. Er war sich sicher, irgendetwas gehört zu haben. Ein Summen oder vielmehr ein fröhliches Surren. Wie er es hasste, zu schlafen. Nichts bekam er mit, während er träumte, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>eine Kurzgeschichte von Lea Müller</p>
<p style="text-align: justify;">Es war dunkel, als er die Augen öffnete, nur ein paar Lichtstrahlen drangen von der Straßenlaterne vor seinem Fenster in den Raum. Er war sich sicher, irgendetwas gehört zu haben. Ein Summen oder vielmehr ein fröhliches Surren. Wie er es hasste, zu schlafen. Nichts bekam er mit, während er träumte, woanders auf der Welt saßen gerade Menschen bei der Arbeit, in der Schule, frühstückten, kochten Abendessen oder gingen Schlittschuhlaufen, doch er lag nur in seinem Bett und schlief.</p>
<p style="text-align: justify;">Was alles passiert war in den letzten Stunden? Es war immerhin 3 Uhr nachts. Zu gerne wäre er aufgestanden, hinausgegangen, irgendwohin, egal wo, dahin, wo Licht ist, wo Menschen sind, dahin, wo er etwas erleben konnte, in den Tag. Er wusste, dass die Erde nicht aufhört sich zu drehen, sie wird nicht langsamer und sie wartet nicht. Niemand wartet. Auf nichts. Und er lag da und hatte einfach nur Angst – Angst, etwas zu verpassen, Angst, am Ende seines Lebens keine Zeit mehr zu haben für so viele Dinge. Er war noch so jung, hatte keine Freundin, hatte noch nie ein Mädchen geküsst, verliebt war er schon einmal, sogar zweimal gewesen, aber besonders erwähnenswert war das nicht, es hatte sein Leben zumindest nicht grundlegend verändert.</p>
<p style="text-align: justify;">Alles hätte er dafür getan, am nächsten Tag nicht wieder seine Zeit verschenken zu müssen, er hasste die Schule. Nicht wegen der Lehrer oder einfach, weil niemand gerne zur Schule geht, sondern einfach, weil ihm alles zu lange dauerte. Er wollte endlich anfangen, zu leben. Zu verreisen, die Welt zu sehen, beeindruckenden Menschen zu begegnen, aus einem Flugzeug zu springen, mit Musik sein Geld zu verdienen, einfach Spaß zu haben um irgendwann sagen zu können, er habe alles getan, um sein Leben perfekt zu machen und keine Sekunde verschwendet.</p>
<p style="text-align: justify;">Demütig schloss er seine Augen und versuchte weiterzuschlafen, als es im Raum auf einmal hell und heller wurde. Vorsichtig öffnete er seine Augen wieder, als überall um ihn herum im ganzen Zimmer verteilt tausende und abertausende leuchtende Punkte umherschwirrten. Glühwürmchen.</p>
<p style="text-align: justify;">Sie leuchteten so hell wie der Tag und ihr Summen klang wie Musik in seinen Ohren, als wären sie ein riesiges Orchester. Wo kamen diese vielen kleinen Tiere so plötzlich her? Aus seinem Schrank sicher nicht. Das Fenster war geschlossen, genau wie die Tür, und selbst wenn, der ganze Raum war voll mit Lichtpunkten, so voll, dass er die einzelnen Punkte nicht mehr unterscheiden konnte, sondern nur noch leuchtende Flächen und Mengen sah. Und sie tanzten, sie tanzten beinahe so, als wollten sie ihn dazu bringen, mitzumachen und er müsste nur sagen, sie sollten die Tür öffnen und sie würden ihn mitnehmen.</p>
<p style="text-align: justify;">Ob diese Glühwürmchen wohl jede Nacht in seinem Zimmer waren? Eine Million Fragen kamen ihm auf einmal in den Sinn. Was passiert nachts, wenn er schläft, was passiert da, wo er nicht ist? Wie in diesem Roman, in dem sich der kleine Junge fragt, was die Wesen in dem Buch eigentlich tun, wenn es geschlossen ist und keiner sieht, was passiert. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, wie ein Leben ohne ihn ist. Ein Leben ohne seinen besten Freund, klar, er war schließlich schon oft ohne ihn unterwegs, viel häufiger, als mit ihm, aber nie hatte er sich überlegt, wie das Leben ohne ihn wäre. Er, ganz alleine, ohne seine drei besten Freunde, das war denkbar, aber seine Freunde ohne ihn? Was die wohl machten, wenn er nicht dabei war? Über was sie redeten? Vielleicht wäre die Welt ohne ihn ja genauso, wie mit ihm, vielleicht wäre sie vollkommen anders, weil seine Mutter ein ganz anderes Leben gehabt hätte und dass das Leben von 100 anderen Menschen geändert hätte, weil sie ihren Job nicht gekündigt hätte und daher niemand anderes eingestellt worden wäre und diese Person deshalb nach Afrika geflogen wäre und&#8230; hatte wirklich jeder Mensch auf der Welt so eine große Bedeutung? Hat jede Sekunde so einen Wert? Wäre sein Leben vollkommen anders verlaufen, wenn er vor fünf Jahren einmal nicht zehn Minuten lang mit seinem Freund geredet hätte, sondern nur neun, oder vielleicht elf? Das konnte er sich nicht vorstellen.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein paar Glühwürmchen setzen sich auf sein Gesicht, als wollten sie ihn ansehen. Dann flogen sie durch das Schlüsselloch der Tür nach draußen und so viele folgten ihnen. Sie sagten „Lebwohl“, so kam es ihm vor, und ihm schossen Tränen in die Augen. Er hasste Abschiede, besonders wenn er wusste, dass es kein „Bis Morgen“, sondern ein „Wer weiß, ob wir uns jemals wiedersehen“, war. Er griff nach einem Glas und fing ein paar Leuchtkäfer ein. Ganz genau sah er sich die kleinen Wesen an und er sah, dass sie nicht unglücklich wirkten. Sie tanzten weiter, summten und blinkten, als wäre nichts gewesen. Da begriff er, dass er alle Zeit hatte, dass es nicht darauf ankam, jede Sekunde im Leben genau zu planen und zu verplanen, er war noch so jung und hatte vielleicht nicht ewig Zeit, aber doch sehr viel.</p>
<p style="text-align: justify;">Er starrte die kleinen Glühwürmchen an, bis ihm die Augen zufielen.</p>
<p style="text-align: justify;">Am nächsten Morgen wachte er von seinem Radiowecker auf. Es war sechs Uhr und das schwache Licht von draußen drang noch nicht durch seine Rollläden. Sein Blick fiel auf das Glas auf seinem Nachttisch. Es war leer. Die Luftlöcher, die er in der Nacht in den Deckel gestochen hatte waren noch da, aber die Glühwürmchen waren verschwunden. Einen kurzen Augenblick lang trauerte er der vergangenen Nacht hinterher, dann packte er seine Schulsachen, frühstückte, duschte, zog seine Jacke an, ging aus dem Haus und sagte sich: „Irgendwann wirst du alles getan haben, was du konntest, um dein Leben zu genießen“.</p>
<p style="text-align: justify;"><em><br />
</em></p>
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		<title>Der fette König</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Nov 2012 22:23:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Essen]]></category>
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		<category><![CDATA[König]]></category>
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		<description><![CDATA[von Benjamin Skulec Es war einmal ein König, der hatte im Gefüge der Welt nicht viel zu melden. Er regierte aber in seinem kleinen Reich und hatte eine ausreichend große und fleißige Dienerschaft, welche sofort das ausführte was er befahl. Er frequentierte sie jedoch selten. Und so saß der König nun den ganzen Tag da, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><img class="alignleft" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/97/Korona_sredzka.jpg" alt="" width="409" height="256" />von Benjamin Skulec</p>
<p style="text-align: justify;">Es war einmal ein König, der hatte im Gefüge der Welt nicht viel zu melden. Er regierte aber in seinem kleinen Reich und hatte eine ausreichend große und fleißige Dienerschaft, welche sofort das ausführte was er befahl. Er frequentierte sie jedoch selten.</p>
<p style="text-align: justify;">Und so saß der König nun den ganzen Tag da, regierte ein bisschen, aber kümmerte sich vor allem um die Anliegen seiner Untertanen. Da es allerdings keinen Krieg auszutragen galt, ward dem König bald langweilig. Während seiner Mußestunden ritt er ziellos in den Gestaden unter seiner Herrschaft umher.</p>
<p style="text-align: justify;">Eines Tages ritt plötzlich der Baron, der Bruder des Königs durch das Tor. Der Baron war sehr kosmopolitisch eingestellt, er unterhielt viele Briefwechsel mit Personen in fernen Ländern. Er war hierher geritten, um sich mit dem König über Gott und die Welt, jedoch vor allem darüber, was es Neues gab, zu unterhalten. Der Baron hatte ein Rezept von einem Brieffreund zugesandt bekommen. Das Gericht war der letze Schrei in der Großen Stadt. Der König musste es probieren!</p>
<p style="text-align: justify;">So geschah es auch und es mundete außerordentlich wohl. Er aß nun sehr gerne, jenes Gericht hatte ihm den Mund geöffnet!</p>
<p style="text-align: justify;">Es dauerte nicht lange bis der König herausfand, dass Essen auch wunderbar gegen die schreckliche Langeweile half. Selbstverständlich konnte man seine neue Leidenschaft bald deutlich an seinen Hüften ablesen. Es war Fettdruck.</p>
<p style="text-align: justify;">Das war nicht alles. Er wurde immer unzufriedener, sehr leicht reizbar. Er hörte seinen Untertanen nicht mehr zu und verachtete sie. Sein Wandel war zuerst mit Sorge, dann mit immer größer werdendem Hass im ganzen Königreich im Gespräch.</p>
<p style="text-align: justify;">Und schlichen sich des Nachts dreizehn linkische Gestalten in des Königs Gemach, fesselten die schlafend im Bett sitzende Gestalt und stopften ihm ein Gericht nach dem anderen in den Rachen, sodass er unter viel Gurgeln und ersticktem Geschrei verendete.</p>
<p style="text-align: justify;"> Sie lasen soeben eine Parabel. Diese enthalten einen tieferen Sinn, der sich jedoch, das ist quasi der Knackpunkt, erst durch Nachdenken erschließt. Vielleicht finden Sie ihn ja, den Sinn.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Bildquelle: By Tlumaczek (Wikipedia) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons</em></p>
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		<title>Kurzprosa: Es war still in dem Zimmer</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Nov 2012 14:30:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Farbflecken]]></category>
		<category><![CDATA[Hut]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzprosa]]></category>
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		<category><![CDATA[Unterricht]]></category>

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		<description><![CDATA[von Nils van der Straeten Es war still in dem Zimmer. Niemand sprach, keiner der Schüler hatte bisher den Mut dazu aufgebracht. Sie verspürten Furcht, man sah es in ihren Gesichtern, der Raum war erfüllt von ihr. Vielleicht war gerade sie der Grund, warum kein Lehrer zu sehen war. Sein Platz war verlassen, einzig ein [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Japanese_classroom.jpg"><img class="alignleft" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/6a/Japanese_classroom.jpg/607px-Japanese_classroom.jpg" alt="" width="486" height="384" /></a>von Nils van der Straeten</p>
<p>Es war still in dem Zimmer. Niemand sprach, keiner der Schüler hatte bisher den Mut dazu aufgebracht. Sie verspürten Furcht, man sah es in ihren Gesichtern, der Raum war erfüllt von ihr. Vielleicht war gerade sie der Grund, warum kein Lehrer zu sehen war. Sein Platz war verlassen, einzig ein kleiner schwarzer Hut kündete von seiner Präsenz. Schweigend saßen die Schüler beisammen, Tisch an Tisch, Schulter an Schulter. Vorn die jungen, hinten die alten, so hatten alle den Blick auf den Hut frei, der dort vorne drohte. Niemand rührte sich, alles lag still da.</p>
<p><span id="more-4607"></span>Die Schüler saßen da, aufrecht, ordentlich, furchtsam, den Blick auf den Hut geheftet. So verging die Zeit, alles blieb, wie es war. Wolken zogen im Zimmer auf, es begann zu dunkeln. Langsam und still setzte der Regen ein. Benetzte die Gesichter der Schüler, ihre Kleidung. Doch niemand wagte, sich zu rühren. Langsam, kaum merklich wird der Regen stärker, Pfützen bilden sich auf dem Boden und den Pulten. Nass sind nun die Kleider, kleine Rinnsale strömen von den Schülern herab in die langsam steigende Flut. Immer noch ist kein Laut zu hören, der Regen fällt lautlos. Die Schüler wagen nicht, ihre Haltung zu ändern. Schließlich erreicht das Wasser die Schuhe der Schüler, es beginnt vorn. Als seien sie froh über den Platz, ergießen sich die Fluten in die Schuhe und füllen sie, ziehen die Hosenbeine entlang. Dunkel und schwer hängt die Kleidung an den Schülern herab.</p>
<p>Nun sieht man es, eine Veränderung. Unmerklich, kaum fassbar, es beginnt vorn, Angst tritt an die Stelle der Furcht. Als sie die letzten Reihen erreicht wird der Regen zu einem Schleier, nimmt jegliche Sicht, alles verdeckt er. Noch immer rührt sich niemand, alles bleibt still, doch der Hut beginnt langsam zu treiben. Die erste Reihe scheint schon vollkommen von der Flut verschlungen zu sein. Der Hut treibt, eine Strömung führt ihn zur gläsernen Wand. Dort folgt er nun endlich seiner wahren Bestimmung. Er beginnt zu steigen. Reihe um Reihe versinkt in den Fluten. Niemand rührt sich, alles liegt still da.<br />
Schließlich erreicht der Hut die Decke, alles ist von Wasser bedeckt. Eine Klingel zerreißt die Stille, die Wolken beginnen langsam sich zu lichten. Das Wasser strömt ab. Durch eine Laune wohl, ruht der Hut wieder auf seinem Platz. Vor ihm erstrecken sich die verlassenen Pulte. Da werden Schüler hereingeführt, setzen sich, die kleinen nach vorn, die großen nach hinten. Niemand rührt sich, alles ist still, niemand spricht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Bildquelle: By Bobo12345 at English Wikipedia (Transferred from en.wikipedia to Commons.) [Public domain], via Wikimedia Commons</em></p>
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		<title>Kurzprosa: Ein Junge wird gestört</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Oct 2012 06:00:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Farbflecken]]></category>
		<category><![CDATA[Freigeist]]></category>
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		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[von Robin Sluk Dass unsere diesjährige Redaktion nicht nur über Politik und das aktuelle Weltgeschehen schreiben, sondern auch einfach mal kreativ sein wird, beweist dieser erste Text, der wohl unter den Begriff &#8220;Kurzprosa&#8221; fällt &#8211; oder auch einfach nur: &#8220;ein Stück qualitativ hochwertige Literatur&#8221;. Aber lest selbst&#8230; Nun ja, wie soll ich sagen, es war [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p align="LEFT"><a href="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2012/10/P1030347.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4450" title="Himmel" src="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2012/10/P1030347-300x225.jpg" alt="Foto: Lea Frauenknecht" width="300" height="225" /></a></p>
<p align="LEFT"><em>von Robin Sluk</em></p>
<p align="LEFT"><em>Dass unsere diesjährige Redaktion nicht nur über Politik und das aktuelle Weltgeschehen schreiben, sondern auch einfach mal kreativ sein wird, beweist dieser erste Text, der wohl unter den Begriff &#8220;Kurzprosa&#8221; fällt &#8211; oder auch einfach nur: &#8220;ein Stück qualitativ hochwertige Literatur&#8221;. Aber lest selbst&#8230;</em></p>
<p align="LEFT">Nun ja, wie soll ich sagen, es war ein normaler Sonntagnachmittag im späten Sommer.</p>
<p align="LEFT">
<p align="LEFT">
<p align="LEFT"><em>Foto: Redaktion</em></p>
<p align="LEFT">Im traurigen Bewusstsein, bald die Wärme, bald dieses ruhige Glücksgefühl eines angenehmen Sommertages im leichten Wind vermissen zu müssen, wollte ich diese Tage noch verleben, um mich an den kalten Wintertagen, die ich fast ebenso wegen ihrer atemberaubenden Klarheit liebte, mich ihrer zu erinnern und der Hitze des Kamins die im Winter so seltene Wärme des zufriedenen Glücks hinzuzufügen.</p>
<p align="LEFT">
<p align="LEFT">Und nun gerade zu dieser Zeit befand ich mich im Park, in Ruhe und Einklang mit den sanft rauschenden Blättern, lauschte meinen Gedankenspielen und verdrängte geflissentlich die Schulaufgaben für den nächsten Tag aus meinem Geiste.</p>
<p align="LEFT">Die Hände in die Seiten gestemmt, legte ich meinen Kopf in den Nacken, um mich am zarten und so klaren Blau des Himmels zu erfreuen, doch bemerkte ich zu meiner Überraschung eine einzige, kleine Wolke von tiefster Schwärze über mir schweben. Ein derartiges Schwarz hatte ich nie gesehen, von einer solchen Intensität, das sich mein Selbst darin zu verlieren schien, fortgezogen in eine fremde Welt.</p>
<p align="LEFT">Ja, wie ein Tor in eine andere Dimension, so erschien mir diese trotz allem nur hauchzarte Wolke.</p>
<p align="LEFT">Und plötzlich zerrissen all diese Träumereien und ich sah ihn mit irrsinniger Gewalt aus dem Zentrum des Gebildes hervorbrechen, einen gewaltigen Meteor und er stürzte mit rasender Geschwindigkeit auf meinen Standpunkt zu. Unabwendbar musste ich zerschmettert werden, Panik zerriss mein Innerstes, so sah ich jetzt wieder nur den blauen Himmel, nichts war geschehen, nur meine Phantasie hatte mir einen bösen Streich gespielt, mir schwindelte in Erleichterung und&#8230;..</p>
<p align="LEFT">da war wieder der rasend schnelle Feuerball, mein sicherer Tod.</p>
<p align="LEFT">Strahlend blauer Himmel.</p>
<p align="LEFT">Der Komet färbte rot den ganzen Kontinent.</p>
<p align="LEFT">Sanft wehte mir der Wind ins Gesicht, die Hitze verbrannte mein Antlitz, ein kurzes Aufblitzen der Realität, dann ging die ganze Welt in Flammen auf und nichts blieb außer einem ewigen Feuersturm auf der grünen Allee unter Jahrhunderte alten Bäumen. Die alten Götter stiegen empor, verwüsteten die Welt, nahmen alles Leben, alle Ordnung, die Bäume schrien vom Untergang, ich erblickte die reale Welt der Träumer.</p>
<p align="LEFT">Und darum, meine Herren von der Polizei, muss ich Ihnen mitteilen, dass ich nun den letzten Schritt gehen werde und wir uns dann am Boden treffen.</p>
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