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	<title>derfarbfleck &#187; Abitur</title>
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		<title>Die Leiden der jungen Freiwilligen</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Jun 2015 15:04:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Welt da draußen]]></category>
		<category><![CDATA[Abitur]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8211;  How many roads must a teenager go down before you can call him/her a volunteer? Ein Erfahrungsbericht &#160; von Lea Frauenknecht Meine Maxime für die Zeit nach dem Abitur? Erstmal ein Jahr lang was Freiwilliges machen und auf keinen Fall sofort studieren! Bereits in der sechsten Klasse hatte ich mir vorgenommen, nach der Schule [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&#8211;  <strong>How many roads must a teenager go down before you can call him/her a volunteer? <img class=" alignright" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5c/1977_Hitchhiker-Luxemburg-1977.jpg?uselang=de" alt="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5c/1977_Hitchhiker-Luxemburg-1977.jpg?uselang=de" width="524" height="398" /></strong></p>
<p>Ein Erfahrungsbericht</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>von Lea Frauenknecht</em></p>
<p>Meine Maxime für die Zeit nach dem Abitur? Erstmal ein Jahr lang was Freiwilliges machen und auf keinen Fall sofort studieren!</p>
<p>Bereits in der sechsten Klasse hatte ich mir vorgenommen, nach der Schule etwas Anderes zu machen, ein Jahr lang, und nicht gleich mit dem Studium anzufangen. Damals entwickelte ich ein sehr ausgeprägtes Interesse an Israel und der jüdischen Kultur und plante, mein sogenanntes <em>gap year</em> in einem Kibbuz zu verbringen. Als die politische und sicherheitstechnische Lage in Israel sich in den darauffolgenden Jahren wieder zunehmend anspannte, beschloss ich, vielleicht doch lieber nach Südamerika zu gehen oder alternativ dazu in einem us-amerikanischen Nationalpark in einer einsamen Hütte zu sitzen, Bärenbestände zu erfassen und unachtsame Touristen anzumeckern. Als meine Familie mich schließlich bat, aus Sicherheitsgründen doch lieber in Europa zu bleiben und ich mich mit meinem Freund auf das ungefähre Ziel „Skandinavien“ geeinigt hatte, konnte es losgehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nachdem ich diverse Möglichkeiten, ins Ausland zu gelangen, durchforstet hatte und schließlich beschloss, mich im Rahmen eines European Voluntary Service für ein Jahr in einer sozialen Einrichtung in Skandinavien zu bewerben, schrieb ich vor einem knappen Jahr an meine zukünftige Entsendeorganisation in Deutschland, die sich daraufhin dazu bereiterklärte, mich bei meiner Suche zu unterstützen und mich auf das Auslandsjahr vorzubereiten. Die letzten Wochen der Sommerferien verbrachte ich damit, die Database der Projekte zu durchstöbern, meinen Lebenslauf in Englisch umzuschreiben und einseitige Motivationsschreiben, die auf jede Stelle angepasst waren, zu verfassen. Den Arbeitsaufwand hierfür kann ich nicht genau beziffern, ich schätze ihn aber auf ungefähr 50 Stunden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kurz danach erfasste mich zum ersten Mal die ungute Ahnung, dass es nicht so einfach sein würde, wie ich mir das nach 50 Stunden Vorbereitung vorgestellt hatte: Manche Stellen sagten, sie würden zur Zeit keine Freiwilligen mehr aufnehmen; manche nahmen &#8211; entgegen dem, was in der Database vermerkt war – nur Bewerber von bestimmten Organisationen; manche meinten, ich sei zu früh dran und solle die Dokumente später schicken. Viele verzichteten ganze auf irgendeine Art von kommunikativer Regung. Wirkliche Absagen habe ich für an die 25 Bewerbungen nur zwei Stück bekommen. Nachdem ich nach dem schriftlichen Abitur immer noch keine Ahnung hatte, was ich wo nächstes Jahr machen würde, beschloss ich, mir einen Plan B zu suchen: Einigermaßen lustlos beschloss ich, mich für ein FSJ Kultur in Deutschland zu bewerben, kurz vor Bewerbungsschluss. Der Arbeitsaufwand hierfür war erfreulich gering und etwa zwei Stunden, die ich damit verbrachte, Fragen auf der Plattform des FSJ Kultur im Netz zu beantworten, standen nun den 50 Arbeitsstunden für den Europäischen Freiwilligendienst gegenüber. Etwa eine Woche später durfte ich den Stellen in den Bundesländern, in denen ich mich beworben hatte, Prioritäten zuordnen. Wieder zwei Wochen später wurde veröffentlicht, bei welchen Stellen ich Bewerbungsgespräche haben würde, darunter namhafte Institutionen wie das Grips-Theater in Berlin oder die Semperoper in Dresden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ab diesem Moment beschloss ich, dass es vielleicht doch lohnenswerter sein könnte, in Deutschland in Theatern, Opern und anderen Kultureinrichtungen zu arbeiten, als in Schweden alten Leuten den ganzen Tag Babybrei zu füttern oder kleinen Kindergartenkindern in Island auf der Toilette den Po abzuwischen. Das klingt jetzt vielleicht herablassend und arrogant, weil diese Sachen ja auch gemacht werden müssen. Fakt ist trotzdem, dass es durchaus attraktiver – weil anspruchsvoller- ist, im kulturellen Sektor zu arbeiten. Im Mai bin ich nun quer durch Deutschland zu verschiedenen Bewerbungsgesprächen gefahren und geflogen, zwei Mal nach Berlin, ein Mal nach Lübeck, ein Mal nach Kiel. Mindestens drei weitere Gespräche wären noch auf mich zugekommen, aber es kam anders.</p>
<p>Gerade sitze ich im ICE von Dresden nach Kassel, auf der Rückfahrt nach Schwäbisch Gmünd. Gestern Abend bekam ich eine E-Mail aus Kiel: Meine favorisierte Stelle schickte mir eine Zusage. Und das erste Mal seit knapp einem Jahr verspüre ich nun eine unheimliche Erleichterung, ausgelöst durch die eintreffende Gewissheit über das kommende Jahr. Jetzt muss ich nur noch eine WG finden und ab in den Norden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich will mit diesem Erfahrungsbericht niemandem davon abraten, ein freiwilliges Jahr zu machen, bevor das Studium losgeht. Das hat, meiner Meinung nach, fast nur Vorteile: Man sammelt erste praktische Berufserfahrungen; kann sich fachlich orientieren; sich Zeit geben, das richtige Studium zu finden und etwas tun, für das man später im Leben nie mehr die Zeit und nie mehr die Kapazitäten haben wird. Aber ich will mit dem, was ich hier schreibe, zeigen, dass es unter Umständen nicht einfach ist, als potentieller Freiwilliger einen Platz zu finden, auch, wenn die Bezahlung gering und die Arbeit oft sehr anstrengend ist.</p>
<p>Mit dem FSJ im Ausland, also zum Beispiel einem European Voluntary Service, kann es auch besser laufen, als das bei mir der Fall war. Mein Freund geht nächstes Jahr nach Finnland und arbeitet in einer kleinen Behindertenwerkstatt in der Nähe von Helsinki. Aber es gehört auch Glück dazu und das Gefühl, in vielen Fällen seine Bewerbungen quasi ins Nichts zu schicken.</p>
<p>Das Prozedere des FSJ Kultur, des FSJ Schule und des FSJ Politik ist auf jeden Fall transparenter und geordneter. Neben den vielen namhaften Institutionen, die Stellen anbieten, ist hier allerdings ein Problem, dass man lediglich 300 Euro Taschengeld im Monat bekommt, während beim European Voluntary Service Kost, Logis sowie ein etwa halb so hohes Taschengeld gestellt werden. Man kann allerdings Wohngeld beantragen, dass je nach Wohnort zwischen etwa 200 und 350 Euro im Monat liegt. Dadurch, dass man zu jedem Bewerbungsgespräch hinfahren muss, sieht man im Bewerbungsverfahren zum FSJ Kultur, FSJ Schule oder FSJ Politik unter Umständen sehr viel von Deutschland und kann sich ein besseres Bild von seiner potentiellen Einsatzstelle machen– das kann aber auch sehr anstrengend sein und macht sich zeitlich sowie finanziell durchaus bemerkbar. Und auch hier ist ein Platz nicht garantiert, vor allem nicht an solch recht begehrten Orten wie Berlin, wo dieses Jahr auf 140 Plätze im FSJ Kultur mehr als 1.400 Bewerbungen kamen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Also, liebe zukünftige Abiturienten und nach-dem-Abitur-eine-Stelle-als-Freiwillige(r)-Suchende: Wer wirklich ein soziales/politisches/kulturelles freiwilliges Jahr machen will, der kriegt auch eins, aber im Zweifelsfall eben nicht ohne erheblichen Aufwand und Umwege über zunächst weniger attraktiv scheinende Alternativpläne. Auf die Frage: „How many roads must a teenager go down before you can call him/her a volunteer?“ gilt trotzdem immer noch, frei nach dem guten alten Bob Dylan: „The answer, my friend, is blowing in the wind&#8230;“</p>
<p><em>Bild: Wikimedia Commons, Roger McLassus</em></p>
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		<title>Das Ende</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Jul 2014 17:09:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Wir hier drinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Abii ergo sum]]></category>
		<category><![CDATA[Abitur]]></category>
		<category><![CDATA[Ende]]></category>
		<category><![CDATA[LGH]]></category>

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		<description><![CDATA[von Cheyenne Benz Das Ende. Das Ende kann so vieles bedeuten und jeder teilt ihm eine andere Wichtigkeit zu. Mancher assoziiert damit einen Bruch, also einen Schluss – der endgültige Abschluss einer Sache oder Situation. So kann das Ende für den Tod stehen, für das Vorübersein des Lebens und dafür, dass „alle Lichter ausgegangen sind“. [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Cheyenne Benz<img class="size-medium wp-image-6308 alignright" src="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2014/07/Abii-ergo-sum-252x300.jpg" alt="Abii ergo sum" width="252" height="300" /></em></p>
<p>Das Ende. Das Ende kann so vieles bedeuten und jeder teilt ihm eine andere Wichtigkeit zu. Mancher assoziiert damit einen Bruch, also einen Schluss – der endgültige Abschluss einer Sache oder Situation.</p>
<p>So kann das Ende für den Tod stehen, für das Vorübersein des Lebens und dafür, dass „alle Lichter ausgegangen sind“.</p>
<p>Oft bedeutet das Ende aber lediglich, dass ein bestimmter Lebensabschnitt abgeschlossen wurde – das wiederum kann etwas Positives oder auch etwas Negatives bedeuten. Metaphorisch könnte dies also als „erlöschendes Licht“ bezeichnen, für welches ein anderes, ein neues zu strahlen beginnt.</p>
<p>Für Schüler und Lehrkräfte ist das Ende des Schuljahres immer wieder höchst erstrebenswert, das Ende der Sommerferien hingegen gleicht eher einem Graus, den man am liebsten so weit wie möglich hinauszögern würde.</p>
<p>Aber dann gibt es da jedes Jahr eine, mehr oder weniger große, Gruppe an Schülern, für die das Schuljahresende bereits ein wenig früher beginnt als für den Rest der Schülerschar. Gleichzeitig aber endet auch deren allerletztes Schuljahr und somit ihre gesamte Schulzeit. Die Rede ist von den Abiturienten.</p>
<p>Für die Abiturienten geht nun so einiges zu Ende. Dinge, die jahrelang als normal und gegeben schienen, wie zum Beispiel die bereits erwähnten Sommerferien, sind nun endgültig vorbei.</p>
<p>Für sie fängt ein ganz neuer Lebensabschnitt an: Man muss sich für die großen Ferien eine Praktikumsstelle suchen um sich ein wenig zum Studium oder für eventuell anstehende Auslandsaufenthalte dazu zu verdienen. Selbstverständlich muss auch die Frage nach dem Studiengang und der Wunschuniversität geklärt werden.</p>
<p>Das „leichte Leben“ ist nun scheinbar vorbei. Langsam muss man sich Gedanken über die Zukunft machen, darüber was man selber werden möchte und was man sich im Leben wünscht, was man erreichen will.</p>
<p>All dies bringt auch Umzüge, Wohnortwechsel, mit sich. Ein erster war wohl der endgültige Auszug aus dem Internat, der vor den Pfingstferien stattfand. Dies war wieder ein Ende – ein Ende des Internatslebens und ein Stück weit auch ein Ende des LGH-Lebens.</p>
<p>Ein Ende kann jedoch ebenfalls eine Neuanfang darstellen: Man lernt neue Regionen, Städte und vor allem neue Menschen kennen. Es werden neue Erfahrungen gewonnen und man erhält die Chance, sich weiterzuentwickeln.</p>
<p>Aus dem alten Lebensabschnitt können trotzdem wertvolle Ressourcen mitgenommen werden. Und so ist das Ende auch gleichzeitig eine Chance. Ich wünsche allen Abiturienten und allen anderen Schülern, die das LGH verlassen haben oder werden, dass sie die Möglichkeit haben, diese Chancen zu nutzen und erfolgreich ihren Weg zu gehen.</p>
<p><em>Bild: Rebecca Kruse (Motto des LGH-Abiturjahrgangs 2014)</em></p>
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		<title>Eine nicht unwesentliche Baustelle</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Jan 2013 17:08:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Viktoria Kamuf Wir lieben die Schule und hassen sie zugleich. Die meisten von uns begleitet sie 12 Jahre der Kindheit und Jugend und es wäre eine Lüge, zu behaupten, sie würde einen nicht prägen. Doch dann kommt der Tag, an dem jeder ein schlichtes Blatt mit Zahlen darauf in die Hand gedrückt bekommt und [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><img class="alignleft" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a4/Stamp_Germany_2001_-_Lebenslanges_Lernen.jpg" alt="" width="360" height="232" />von Viktoria Kamuf</p>
<p style="text-align: justify;">Wir lieben die Schule und hassen sie zugleich. Die meisten von uns begleitet sie 12 Jahre der Kindheit und Jugend und es wäre eine Lüge, zu behaupten, sie würde einen nicht prägen.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch dann kommt der Tag, an dem jeder ein schlichtes Blatt mit Zahlen darauf in die Hand gedrückt bekommt und die Türen sich hinter einem schließen, während Luftballons in den Himmel aufsteigen. Und dann steht man da und fragt sich, wie es weiter geht. Die einen fragen sich das natürlich länger als die anderen und wohl alle machen sich ihre Gedanken auch schon weit vor diesem Tag.<br />
Eine Zukunftsberatung von unserer Seite wäre hier nicht angebracht, hat doch jeder seine ganz eigenen, individuellen Vorstellungen, der eine wird getrieben von seinem Fernweh, während der nächste sich sofort ins Studium stürzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Heutzutage stehen einem alle Türen offen, die Möglichkeiten sind unbegrenzt und man wird förmlich überschwemmt mit Angeboten und Ideen. In nicht wenigen Zimmern dürften sich Flyer stapeln. Das ist wunderbar, das ist gut. Jeder hat die Chance, seinen eigenen Weg zu finden, auch wenn das mit der Gefahr einhergeht, immer die Angst zu haben, sich nun doch vielleicht für das Falsche entschieden zu haben und wäre das andere nicht besser und hätte ich lieber auf den hören sollen… Unter anderem aus diesem Grund gibt es nicht wenige Studienabbrecher.</p>
<p style="text-align: justify;">30% der Schüler, die sich für ein Studium entschieden erreichten laut einer Studie aus dem Jahre 2010 einen Hochschulabschluss. Die Hälfte der Schüler hat überhaupt diese Möglichkeit. Und das bedeutet wiederum, dass die aktuelle Quote Hochschulabsolventen bei 6 Prozent liegt im Hinblick auf die Gesamtschülerzahl Deutschlands. Diese Zahlen sollen natürlich steigen und das sind sie auch schon in den letzten Jahren, die Chance auf eine hohe Qualifizierung soll nicht nur einer elitären Minderheit vorbehalten sein. Zudem muss der Bedarf an Arbeitskräften gedeckt werden.<br />
Die Bildungsstätten Deutschlands stehen hier aber vor einer großen Aufgabe: Sie müssen es schaffen, die Zahl der Absolventen hoch zu halten und gleichzeitig die Gefahr der Noteninflation und dadurch entstehende Absenkung des Niveaus verhindern. Dieser Fall ist teilweise aber schon eingetreten: Der Notenspiegel in Deutschland hebt sich stetig. An den Universitäten herrscht oft eine Mentalität des Bulimie- Lernens, können die Klausuren inzwischen doch oft per Schablone von den Prüfern korrigiert werden. Die Nachhaltigkeit des Lernens bleibt hierbei auf der Strecke. Und auch die „Werkzeuge“, die Ausdruck, Sprache und Argumentation eines jeden Schülers bestimmen, muss sich niemand mehr aneignen. Praktischerweise muss der Schüler demzufolge auch nicht mehr selbst denken, keine eigenen Lösungen mehr finden, keine Kompetenzen beweisen.<br />
Immer mehr können und wollen also an die Uni und der Prozentsatz soll weiter gehoben werden, von 50 auf 75%. Das Studium wird dieser geplanten Entwicklung angepasst. Somit entsteht allerdings auch eine Gegenbewegung einiger Schüler, die sich zunächst von den Universitäten und den, vor allem in den großen Studiengängen im Zuge der Bologna-Reform entstandenen Problemen, fernhalten und trotz sehr gutem Schulabschluss über eine Ausbildung nachdenken oder auf besondere, auf anglo-sächsischem Prinzip bestehende, Studiengänge ausweichen. In letzteren wird gezielt noch das Handwerk des Lernens vermittelt und der Student hat die Möglichkeit seinen eigenen individuellen Weg zu entwickeln.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Bildung in Deutschland ist fantastisch im Vergleich zu anderen Ländern, aber für sich gesehen bleibt auch sie eine Baustelle. Denn das Lehren und Lernen endet nicht mit dem Ende der Schule.Hier wird nur das extrem wichtige Fundament begründet für eine hoffentlich gute Zukunft.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Bildquelle: By s.u. [Public domain], via Wikimedia Commons</em></p>
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		</item>
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		<title>&#8220;Es drückt all das aus, woran ich glaube.&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Jan 2013 14:56:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Stars on Page]]></category>
		<category><![CDATA[Abitur]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Éric- Emmanuel Schmitt]]></category>
		<category><![CDATA[Französisch]]></category>
		<category><![CDATA[Lektüre]]></category>

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		<description><![CDATA[Nachtrag: Der französische Starautor Éric-Emmanuel Schmitt über „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ im Stuttgarter Institut Français von Lea Frauenknecht  „Monsieur Ibrahim et les fleurs du coran“, zu Deutsch: „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, ist die Lektüre, die den Oberstufen-Französischschülerinnen und -schülern, die sich am 15. Oktober 2012 zusammen mit ihren Lehrern [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><em><img class="alignleft" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/9a/Victoria_amazonica.jpg/506px-Victoria_amazonica.jpg" alt="" width="354" height="420" />Nachtrag: Der französische Starautor Éric-Emmanuel Schmitt über „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ im Stuttgarter Institut Français</em><strong></strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong><br />
</strong>von Lea Frauenknecht</p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong>„Monsieur Ibrahim et les fleurs du coran“, zu Deutsch: „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, ist die Lektüre, die den Oberstufen-Französischschülerinnen und -schülern, die sich am 15. Oktober 2012 zusammen mit ihren Lehrern nachmittags im Institut Français in Stuttgart einfinden, nur ein allzu bekannter Begriff sein sollte. Und heute haben sie sogar die Chance, von der sämtliche gleichaltrige Lateinschüler nur träumen können: Den Autor ihrer Pflichtlektüre live zu sehen und ihn aus jenem Buch lesen zu hören, durch das sie sich bereits seit Wochen gequält haben. Oder auch nicht. Eines stellt Schmitt, ein gut Fünfzigjähriger mit markantem Gesicht und kurzem Haarschnitt jedoch am Ende der Veranstaltung noch klar: „Wenn euer Französisch-Abitur schlecht wird, liegt das nicht an mir – sondern an euch.“ Er hat Humor, der Mann.</p>
<p style="text-align: justify;"> Obwohl die Veranstaltung im Institut Français von vornherein auf eine gute Stunde terminiert ist, lernt man in dieser kurzen Zeit erstaunlich viel und nicht nur Biographisches über Schmitt, sondern auch über die Ideen und die Beziehungen, die zwischen dem Franko-Belgier und seinen Werken bestehen. Zunächst liest er zwei kürzere Passagen aus „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, einem Buch, das die Geschichte des heranwachsenden Momo in einem Vorort von Paris erzählt, dessen Leben sich schlagartig in eine andere Richtung zu bewegen beginnt, als der alte Kolonialwarenhändler Monsieur Ibrahim ihn in die Philosophie des islamischen Sufismus einzuführen beginnt. Ein Bonuspunkt hier für uns eifrig lauschende Schülerinnen und Schüler: Schmitts Französisch ist klar, seine Geschwindigkeit hat er eindeutig seinem Zielpublikum angepasst. Später wird er sagen, dass sein 2004 mit dem „Deutschen Buchpreis“ ausgezeichnetes Werk keinerlei biographische Elemente enthält, was die jugendliche Hauptperson Momo und zum Beispiel dessen im Buch schlechte Beziehung zu seinem Vater angeht, mit dem er selten mehr als ein paar Worte wechselt. Die Komponenten von „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, in denen man den Autor selbst finden kann, sind keineswegs mit den Charakteren verbunden: Einerseits ist es die Szenerie, mit der sich der Autor an einem realen Ort orientiert, andererseits die Gesamtaussage des Buches, zu der er anmerkt: „Il [le livre] exprime tout à ce que je croix“, zu Deutsch: „Es [das Buch] drückt all das aus, woran ich glaube“. Wesentlich mehr als nur zu den Charakteren als Individuen berichtet Schmitt zu ihren Beziehungen untereinander: Momo und Monsieur Ibrahim zum Beispiel würden sich „hors de la société“, also „außerhalb der Gesellschaft“ bewegen, beide auf der Suche nach total gegensätzlichen Attributen, die sie schließlich in ihrer Beziehung selber finden: Monsieur Ibrahim das Kind-Sein, Momo das Erwachsenwerden.</p>
<p style="text-align: justify;"> Aber nicht nur Beziehungsstrukturen werden in „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ sehr ausführlich dargestellt. Wie der Titel bereits verrät, geht es hier auch um den Islam, in diesem Fall konkret um die Philosophie des Sufismus, die Monsieur Ibrahim dem halbstarken Momo zu vermitteln sucht. „L&#8217;idée du soufisme est que le corps a une fonction dans la vie spirituelle“, die Idee des Sufismus sei es, dass der Körper im spirituellen Leben eine Funktion einnimmt, beschreibt Schmitt seine Auffassung und nennt sein 2003 erschienenes Buch deshalb auch ein „conte philosophique“, ein „philosophisches Märchen“. Ursprünglich jedoch hat er „Monsieur Ibrahim“ für das Theater geschrieben, da es sehr viel von den menschlichen Beziehungen und ihrer Dialogform untereinander lebt. Einem konventionellen Genre möchte er das Stück allerdings nicht zuteilen: „C&#8217;est limiter la liberté d&#8217;écrire“, „Das schränkt die Freiheit beim Schreiben ein“, ist er überzeugt. Und warum nun der Titel, warum ausgerechnet „Die Blumen des Koran“? „Monsieur Ibrahim a compris le coran comme des fleurs ce qui signifie qu&#8217;il y a beaucoup de différentes possibilités de lire et d’interpréter le coran“, antwortet er. Laut ihm sieht Monsieur Ibrahim den Koran als verschiedene Blumen an, die man ebenso verschieden interpretieren kann.</p>
<p style="text-align: justify;"> Je weiter die Stunde fortschreitet, desto mehr erfährt man teils durch Nachfragen aus dem Publikum auch zu Schmitts Vorgehen, was das Schreiben angeht. Er redet zum Beispiel vom hohen Grad der Fiktion, der seine Bücher durchzieht: „Pour moi, écrire n&#8217;est pas photocopier“, für die Entstehung seiner Charaktere benutzt er also einzig und allein seine Fantasie und keine realen menschlichen Vorbilder, denn: „Schreiben heißt für mich nicht, alles zu kopieren“. Seine Bücher sollen im Leser dessen inneren Entdeckergeist wecken, der ihn dazu bringen soll, seine Mitmenschen besser kennenzulernen, beziehungsweise die fiktiven Abbilder der Menschheit in Schmitts Büchern.</p>
<p style="text-align: justify;">Menschenkenntnis &#8211; eine Gabe, die Schmitt selbst sehr gut beherrscht, und für die er auch Andere sensibilisieren will.</p>
<p>Für ein Interview mit der Farbfleck-Redaktion reichte ihm die Zeit nach der offiziellen Stunde leider nicht mehr, aber es sei ihm verziehen, pries er doch am Ende noch einmal ausdrücklich seine enge Verbundenheit mit der deutschen Kultur, insbesondere der Philosophie und der Musik. Seinen engen Bezug erhielt er, auch wenn er kein Deutsch spricht, durch seine Großeltern, die im Elsass, also nicht weit der deutsche Grenze, wohnten.</p>
<p>Am Ende bleibt nun nur noch, den geneigten Leser dieses Artikels auf ein paar weitere Bücher Schmitts aufmerksam zu machen und somit an den Entdeckergeist zu appellieren: Zuallererst natürlich „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, oder, für diejenigen, die es lieber auf Französisch mögen: „Monsieur Ibrahim et les fleurs du coran“. Drei weiter sehr bekannte Bücher Schmitts sind „Odette Toulemonde“ (2006), das bereits verfilmte „Oscar et la dame en rose/ Oscar und die Dame in Rosa“ (2009). Ein Zirkel, der das religiöse Interesse Schmitts anhand verschiedener Konfessionen weiterspinnt, ist der „Cycle de l&#8217;invisible“.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Bildquelle: By Bilby (Own work) [CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons</em></p>
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