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	<title>derfarbfleck &#187; &#8220;Und wenn es gar nichts geworden ist, dann sag, es sei ein Essay.&#8221;</title>
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	<description>mehr als nur schwarz auf weiß</description>
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		<title>Protest und Verheißung &#8211; von der Freiheit des Aufbegehrens</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Mar 2015 14:13:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
				<category><![CDATA["Und wenn es gar nichts geworden ist, dann sag, es sei ein Essay."]]></category>
		<category><![CDATA[Aufbegehren]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
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		<description><![CDATA[von Cosima Friedle „Es mag Zeiten geben, in welchen wir machtlos sind, Ungerechtigkeit zu verhindern, doch es darf nie eine Zeit geben, in welcher wir nicht protestieren.“ Mit diesen Worten ruft Elie Wiesel, Überlebender des Holocausts, die Menschen zum Protest auf. Doch wieso sollten wir Menschen protestieren, angesichts der häufig drohenden Konsequenzen? Und vielmehr noch [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Cosima Friedle</em><a href="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2015/03/man-159155_1280.png"><img class=" wp-image-6736 alignright" src="http://www.derfarbfleck.de/old/wp-content/uploads/2015/03/man-159155_1280-223x300.png" alt="man-159155_1280" width="247" height="332" /></a></p>
<p>„Es mag Zeiten geben, in welchen wir machtlos sind, Ungerechtigkeit zu verhindern, doch es darf nie eine Zeit geben, in welcher wir nicht protestieren.“ Mit diesen Worten ruft Elie Wiesel, Überlebender des Holocausts, die Menschen zum Protest auf. Doch wieso sollten wir Menschen protestieren, angesichts der häufig drohenden Konsequenzen? Und vielmehr noch stellt sich die Frage: Weshalb tun wir es dennoch so oft? Welche Verheißung verleitet uns dazu, aufzubegehren und für unsere Rechte zu kämpfen?</p>
<p>Wirft man einen Blick auf die historische Vergangenheit verschiedener Länder, so entsteht der Eindruck, wir Menschen wären zum Aufbegehren geboren. Kein Jahr vergeht ohne dass in irgendeinem, meist von Unruhen und Bürgerkriegen geplagten, Land Menschen auf die Barrikaden gehen, gegen Politik und Regimes aufbegehren und für ihre Rechte und Freiheiten kämpfen. Doch genauso häufig wie Reportagen über Demonstrationen und Proteste sind in den Medien Katastrophenberichte über Polizeieinsätze bei friedlichen Protestmärschen sowie über getötete Freiheitskämpfer zu lesen. Die Ursache hierfür liegt in der Tatsache, dass in einigen Ländern die Freiheit des Aufbegehrens nicht gewährleistet ist. Gesetze, welche in Deutschland absolute Grundrechte sind, wie Pressefreiheit, Meinungsfreiheit oder das Recht auf Demonstrationsfreiheit, sind in anderen Ländern teilweise gar nicht vorhanden, und wenn doch, so werden sie häufig mit Füßen getreten. Doch trotz der drohenden Konsequenzen zieht es jährlich Millionen Menschen auf die Straße, um für einen Regierungswechsel, mehr Rechte oder auch nur gegen eine zweite Startbahn zu kämpfen. Es stellt sich die Frage, was ist das in uns, was uns dazu bringt, aufzubegehren, zu demonstrieren, nicht jede Ungerechtigkeit oder Rechtswidrigkeit protestlos hinzunehmen?</p>
<p>Die Tradition des Aufbegehrens reicht weit in die Geschichte zurück. So fanden bereits im 15. Jahrhundert in ganz Europa Bauernaufstände statt, in welchen sich die Bauern und teilweise auch Bürger gegen den Adel erhoben. Forderungen waren Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit. Die Motivation der Aufbegehrenden ist hier also klar erkennbar: Sie kämpften für mehr Rechte, lehnten sich gegen den sie unterdrückenden Adel auf und hofften somit auf eine Verbesserung ihrer Lebensumstände. Doch kann diese Verheißung über die unmenschlichen, drohenden Konsequenzen hinwegtrösten? Die fürchterlichen Reaktionen der Herren reichten von Verpflichtung zu Schadensersatz über Abgabe der Waffen bis hin zu Hinrichtungen, und auch bereits während des Bürgerkrieges verloren Tausende ihr Leben. Lohnt es sich bei diesen Aussichten überhaupt, auf die Straße zu gehen und für seine Rechte zu kämpfen? Wieso siegt hier nicht der rationale Geist, der die Ausgangslage mit dem möglichen Ausgang eines Protests vergleichen würde, über den aufbegehrungswütigen Widerstandsgeist? Die Antwort ist einfach: die Unzufriedenheit ist größer als die Furcht vor möglichen Konsequenzen, die Wut über die Zustände größer als die Vernunft, und die Hoffnung auf Erfolg stärker als das Ohnmachtsgefühl gegenüber der Regierenden. Wenn die Menschen keinen anderen Weg mehr sehen, ihre Meinung durchzusetzen, dann gehen sie an die Öffentlichkeit. Vor diesem Hintergrund sind die zahlreichen Proteste, so beispielsweise Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg im 20. Jahrhundert, Proteste gegen den drohenden Irakkrieg 2003 oder die Montagsdemonstrationen in Dresden in der DDR, logische Folgen eines übermächtig gewordenen Unzufriedenheitsgefühl in der Bevölkerung.</p>
<p>So stellt sich vielmehr die Frage, was Menschen daran hindert, auf die Straße zu gehen und für ihre Rechte zu kämpfen oder für ihre Meinung einzustehen? Immer wieder lassen sich in einem Land schwerwiegende Missstände feststellen, welche jedoch mit nur geringem oder gar keinem Widerstand kommentiert werden, so beispielsweise die Repressionen in China 2011. Aus welchem Grund stellen sich Menschen lieber negativen Situationen, als dagegen aufzubegehren und sich zu wehren? Psychologischen Forschungen zufolge kann eine Ursache für Widerstandslosigkeit äußere Bedrohung oder Kritik des Systems sein, in welchem die Betroffenen leben. Aus Loyalitätsgründen verspüren sie eher den Drang dazu, das jeweilige System zu befürworten, als selbst auch Kritik und Widerstand zu üben. Auch eine gewisse Abhängigkeit von dem System oder die scheinbar unmögliche Flucht daraus lähmen Menschen und machen sie widerstandslos. Der vermutlich größte Protesthemmer ist jedoch die Angst der Menschen. Selbst in Deutschland kommt es auch heute noch immer zu gewaltsamen Polizeieinsätzen auf friedlichen Demonstrationen, beispielhaft hierfür der Einsatz von Wasserwerfern und Pfefferspray am 30.09. 2010 im Stuttgarter Schlossgarten, bekannt geworden als der „Schwarze Donnerstag“. Mit dem Einsatz gewaltsamer Mittel und sogar einigen Festnahmen beendete die Polizei eine Demonstration gegen den Baubeginn von „Stuttgart 21“. Solche Schlagzeilen verängstigen die Bevölkerung, verringern den Willen zum Widerstand. Es zeigt sich also, dass die Freiheit des Aufbegehrens nicht immer gewährleistet ist. Dennoch stellt sich die Frage, ob die Freiheit des Aufbegehrens nicht vielmehr eine Pflicht als ein Recht ist? Sind wir als Bürgerinnen und Bürger, als Bevölkerung einer Stadt, eines Landes nicht dazu verpflichtet, aufzubegehren? Sind wir wirklich frei in der Freiheit des Aufbegehrens? Oder ist es nicht unsere unbedingte Pflicht, zu protestieren, gegen unterdrückende Regierungen uns aufzulehnen, für Frieden und Gerechtigkeit zu kämpfen? Was wäre, gäbe es niemanden mehr, der aufbegehrte, protestierte? Wären wir dann nicht verloren, schutzlos und machtlos ausgeliefert der Macht aller über uns Herrschenden? Lassen wir uns verängstigen, zu sehr von der Angst und den rationalen Überlegungen leiten, dann erstickt der Funke Widerstandsgeist, der in uns allen schlummert, irgendwann völlig. Doch das soll nicht das Ziel sein, vielmehr sollte die Freiheit des Aufbegehrens von jenen, die sie haben, genutzt werden, um sie auch denen zu ermöglichen, welche sie noch nicht besitzen. In der Geschichte hat sich gezeigt, dass Aufbegehrende häufig mutige, unerschrockene Einzelkämpfer sind, welche diese Freiheit für sich nutzen. Etwas zu erreichen war für jene Aufbegehrenden sehr schwer, da sie mit ihrem Wunsch nach Protest oft alleine standen. Doch tun dies mehrere Menschen, so kann, entgegen aller Zweifel, auch tatsächlich etwas bewegt werde. In jedem Fall aber ist das Protestieren, das nicht reflexionslose Annehmen einer Regierung für eine Bevölkerung nicht nur ein Recht, sondern seine wichtigste Pflicht.</p>
<p>Diese unabdingbare Pflicht des Aufbegehrens spricht auch Elie Wiesel in seinem Zitat an. Er räumt zwar ein, dass durch Protest das Gewünschte nicht immer erreicht werden kann, dass der Kampf gegen Ungerechtigkeit manchmal zwecklos ist. Aber dennoch dürfen wir nicht aufhören, uns aufzulehnen und zu protestieren, müssen den in uns schlummernden Funken Widerstandsgeist nähren, bis er wächst und zu einem Feuer des Protests wird.</p>
<p><em>Bild: CCO Public Domain</em></p>
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		<title>Kaffeekochen aus dem Ff</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Mar 2015 22:25:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
				<category><![CDATA["Und wenn es gar nichts geworden ist, dann sag, es sei ein Essay."]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Kaffee]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[LGH]]></category>

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		<description><![CDATA[von Wenke Grahneis Herzlich Willkommen zur ersten Ausgabe der Farbfleckkolumne     [&#8230;] aus dem Ff! „Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ (Naina, 17) Die hitzige Diskussion, die der Tweed einer Kölner Schülerin auslöste, weckte die deutsche Bildungslandschaft aus [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Wenke Grahneis</em><img class="alignright" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/10/Hier_k%C3%B6nnen_Familien_Kaffee_kochen.jpg/800px-Hier_k%C3%B6nnen_Familien_Kaffee_kochen.jpg" alt="File:Hier können Familien Kaffee kochen.jpg" width="453" height="303" data-file-width="2740" data-file-height="1834" /></p>
<p style="text-align: left;">Herzlich Willkommen zur ersten Ausgabe der Farbfleckkolumne     <em>[&#8230;] aus dem Ff!</em></p>
<p style="text-align: left;">„Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ (Naina, 17)</p>
<p style="text-align: left;">Die hitzige Diskussion, die der Tweed einer Kölner Schülerin auslöste, weckte die deutsche Bildungslandschaft aus dem Winterschlaf.</p>
<p>Es ist eine Grundsatzdiskussion, in der sich alles um die zentrale Frage dreht, ob die Schüler im Unterricht auf das Leben vorbereitet werden. Denn zwischen Gedichtsvergleich und komplexen Zahlen, entdeckt so mancher –hui buh- den Zeitgeist des 21sten Jahrhunderts in der Erkenntnis, die den römischen Philosophen Seneca bereits vor zwei Jahrtausenden ereilte: „Non vitae, sed scholae discimus“ – Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.</p>
<p>Hierzulande war im letzten Jahrzehnt ein enormer Wandel der Bildungslandschaft zu beobachten. Infrastrukturelle Großprojekte wurden im Schnellverfahren durchgeboxt und umgesetzt. Allerlei Straßenbaumaßnahmen, wie der Ausbau der neuen Bildungsautobahn G8, dem Bau entlastender Umgehungsstraßen und Zubringer, oder die Zunahme der von privaten Unternehmern subventionierten Mautstraßen, erhöhten zwar die Mobilität der Verkehrsteilnehmer, aber das verwinkelte Straßennetz mit all seinen Abzweigungen erhöhte gleichzeitig auch das Risiko, sich zu verfahren. Erschwerend hinzu kommt die Aufhebung der Zulassungsbeschränkung für langsamere Fahrzeuge, die Aufhebung der Geschwindigkeitsbegrenzung, des Park- und des Überholverbots. Vor allem aber die geplante Sperrung der soliden Hauptstraßen führt zu einem steigenden Unfallrisiko, zu erschwerten Arbeitsbedingungen für die Weisungsbefugten des öffentlichen Dienstes und somit in letzter Konsequenz zu einem Verkehrschaos. Es ist, als drehe man Jahr für Jahr, Runde um Runde auf dem <em>Place du Charles de Gaulle Étoile </em>auf der Suche nach der richtigen Ausfahrt, während die Pariser Straßenwacht damit beschäftigt ist, Straßenschilder und Wegweiser Abzuschrauben, Ampeln abzuschalten. Sie wechseln nicht mehr von Rot, zu Gelb, zu Grün. Nichts nimmt mehr seinen gewohnten Gang. Alles wird schneller, voller, hektischer. Anhalten kann man sich nicht leisten.Also fährt man weiter Runde um Runde im ewigen Triumphbogenkarussell.</p>
<p>Damit die ewige Fahrerei euch keinen Drehwurm verpasst, habt ihr hier die Chance, anzuhalten und auszusteigen, mitzukommen auf einen Spaziergang, abseits befestigter Straßen, auf Trampelpfaden und Umwegen, ein Reiten durch Weiten, Hieven in Tiefen, Entdecken der Ecken, der vergessenen Flecken, der Meere, der Leere der Bildungslandschaft. Ein Spaziergang zu schließen die Bildungslücken, um außerhalb der LGH-Käseglocke, sozusagen in freier Wildbahn, zu überleben.</p>
<p>Ich werde wohl nie vergessen, wie ich einen ersten Blick auf die beachtliche Käseglocke erhaschte. Ich entdeckte sie, konfrontiert mit einer Frage, die mich gleichsam schockierte und amüsierte. Ich war gerade dabei den Genozid an den pathogenen Bakterienstämmen, die sich im WG-Spülbecken angesiedelt hatten, voranzutreiben, als mich die Worte: „Wenke, was kommt nochmal zuerst in den Topf?&#8230;. das Wasser, oder die Nudeln?&#8230;“, erstarren ließen. Das Gesagte brauchte einige Augenblicke, um in meine Hirnwindungen vorzudringen, aber der Ausdruck, in dem meine Gesichtsmuskeln schließlich erstarrten, war vermutlich köstlicher als die Pasta, die es am besagten Abend noch geben sollte. Wann ich meine Stimme wiederfand und was ich antwortete, weiß ich nicht mehr. Ich hatte nur noch einen Gedanken: Das Gute an einer Käseglocke ist der Käse, man verhungert wenigstens nicht.</p>
<p>Geprägt von dieser Grenzerfahrung, fühle ich mich berufen, den unersättlichen Wissendurst der Spezies Choloepus ingeniosus zu stillen. Ohne einen Mangel an Allgemeinbildung zu unterstellen und um wirklich niemanden zu überfordern, habe ich beschlossen ganz simpel mit der Kunst des Kaffeekochens anzufangen. Eine durchaus sehr nützliche Fähigkeit, da der Durchschnittsstudent &#8211; und dieses Schicksal wird die meisten von euch ereilen &#8211; dazu neigt, Schlaf durch Koffein zu ersetzen. Zwar hat heute beinahe jeder eine Pad- oder Kapselmaschine, deren Bedienung, wie George Clooney im Fernsehen eindrucksvoll beweist, ziemlich idiotensicher ist. Dennoch können die Kosten für Selbige schnell das Budget des Noch-nicht-Verdieners übersteigen, vor allem, wenn es nicht bei der einen Tasse am Morgen bleibt. Die Schlüsselqualifikation des Kaffeekochens bringt auch im Hinblick auf die Karrierechancen oftmals den entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern, mit der man vor allem bei künftigen Vorgesetzen punkten kann.</p>
<p>Nun heißt es also „back to the roots“ und nichts wie ran an den guten alten Filterkaffee. Filterkaffee, ein Wort, das, für den Konsumenten noch vor 50 Jahren Inbegriff von Verlockung und Genuss, zugegeben in den Ohren des trendbewussten Caramel-Macchiato-Liebhabers wie ein Schimpfwort klingen mag. Wer hingegen ab und an die Zeitreise in Omas trautes Heim wagt, weiß, dass im Grunde nichts über einen frisch gebrühten, starken, schwarzen Filterkaffee geht auch, wenn es den dort heute leider nur noch Sonntags gibt, weil das Teufelszeug dem altersschwachen Herz übel mitspiele und die Gesundheit sei schlussendlich, ist die Verlockung noch so süß, oberstes Gebot. Wenn man also schonmal bei der Oma ist, kann man sich auch gleich vom Meister in die Wissenschaft des Kaffeebrauens einweisen lassen. Grundlegend für den Erfolg und den ultimativen Geschmack ist die Verwendung des guten alten Porzellanfilters, der im Gegensatz zu alternativen Materialien wie Plastik auch auf lange Sicht geruchsneutral bleibt. Ansonsten nehme man Filterpapier und natürlich hochwertiges Kaffeepulver, das im Vergleich zu qualitativ vergleichbaren Kaffeepads oder Kapseln wesentlich preiswerter ist. Sollte das, was ihr vorfindet, wenn ihr in die Packung linst, größere Ähnlichkeit mit der Hinterlassenschaft einer Ziege haben, habt ihr den falschen Mahlgrad erwischt. Sollte dies nicht der Fall sein fehlt für den Kaffeegenuss nur noch kochend heißes Wasser und eine Tasse oder Kanne je nach Personenzahl beziehungsweise Schlafpensum. Wie vermutlich niemand geahnt hätte ist das Pulver und damit die Stärke des Kaffees individuell dosierbar. Man ist also immer gut bedient, egal ob einem der Sinn steht, nach einem Ristretto, Volluto, Fortissio oder wie sie doch alle heißen. Die Faustregel beim Filterkaffe ist jedoch ein gehäufter Teelöffel pro Tasse und einen zusätzlich für die Kanne. Ein weiter Vorzug des Filterkaffees ist, dass er im Gegenteil zu seinen kleinen bunten Kapselkollegen, deren Namen sich so temperamentvoll italienisch aussprechen lassen, keine Umweltbelastung darstellt. Die Herstellung des Aluminiums, welches für die Kaffekapseln verwendet wird, ist unheimlich energieaufwändig und Recycling ist, da nicht-italienisch, wohl ein Fremdwort. Es wäre also weder verwunderlich noch im selben Maße realitätsfern wie die meisten anderen Politdebatten, wenn der Bundestag bald über den Kapsel-Kaffee-Ausstieg debattieren würde. Der Kaffesatz des Filterkaffees beglückt hingegen entweder die Regenwürmer auf dem Kompost, oder kann alternativ als Dünger für die Zimmerpflanzen der Studentenbude zum Einsatz kommen, unter denen ja bekanntlich, die nach Spidermans Freundin benannte, sehr gefragt sein soll.</p>
<p>Solltet ihr eines Tages in die Verlegenheit geraten, dass der Filter nass, der Kaffee schwarz, der Kaffeesatz aber auf wundersame weiße verschwunden ist, dann ist das weder ein Beweis für die Existenz von Schwarzen Löchern noch für die von <em>Dobby dem Hauself</em>, sondern schlichtweg die Oma, die älter wird. Ja, so ist das mit dem Älterwerden, man wird vergessen man vergisst, vergisst, dass man in die rote Dose ja zuletzt das <em>HAG</em>-Instantpulver gefüllt hatte.</p>
<p>Bevor auch mich die Altersdemenz einholt und ich am Ende vergesse, zum Ende zu kommen, steht mir jetzt der Sinn nach einer schönen Tasse Kaffee, die ich in der Hoffnung genieße, dass die ein oder andere Leseratte unter euch die Käseglocke entdeckt hat. Also nichts wie hoch damit und ran an den Käs… äh Kaffee!</p>
<p><em>Bild: Wikimedia Commons, Hier können Familien Kaffee kochen, Hans Baluschek, 1895</em></p>
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		<title>Smells like Teen Spirit</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Mar 2015 21:03:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derfarbfleck]]></dc:creator>
				<category><![CDATA["Und wenn es gar nichts geworden ist, dann sag, es sei ein Essay."]]></category>
		<category><![CDATA[Aufbegehren]]></category>
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		<description><![CDATA[von Simon Neumaier Die Jugend ist langweilig geworden. Spießig, kleinbürgerlich, konventionell. Dieses Bild zeichnet die gebetsmühlenartige Schwarzmalerei der Gesellschaftskritiken, Feuilletonartikel und soziologischen Essays, die den Esprit der Generationen „Jetzt“, „XY“, „Sowohl als auch“, „Ja aber“ und wie sie alle heißen mögen, für tot erklärt. Und das alles, weil die Jugend die Rebellion verlernt hat. Den [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Simon Neumaier<img class="shrinkToFit alignright" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5d/Instandbesetzer_Berlin_Kreuzberg_1981.jpg" alt="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5d/Instandbesetzer_Berlin_Kreuzberg_1981.jpg" width="409" height="286" /></em></p>
<p>Die Jugend ist langweilig geworden. Spießig, kleinbürgerlich, konventionell. Dieses Bild zeichnet die gebetsmühlenartige Schwarzmalerei der Gesellschaftskritiken, Feuilletonartikel und soziologischen Essays, die den Esprit der Generationen „Jetzt“, „XY“, „Sowohl als auch“, „Ja aber“ und wie sie alle heißen mögen, für tot erklärt. Und das alles, weil die Jugend die Rebellion verlernt hat. Den Protest gegen Strukturen, Establishment und das, was die vorherigen Generationen als Institutionalisierung ihres Lebenswerks sehen. Der Protest. Das war die Inkarnation des Drangs der Jugend auf Wandel, auf Neuerung; und in einer stark banalisierten Retrospektive tut man sich leicht, Jugendkultur seit ’64 auf diesen Aspekt zu reduzieren. Die Studenten der 60er und 70er Jahre sind noch heute Vorreiter und Ikonen eines gesellschaftspolitischen Bewusstseins. Eine zu Wirkzeiten von Etablierten verlachte, bis verhasste Bewegung zeigt erstmals in dieser Dynamik die Tendenz, in einem Kollektiv kritisch zu denken und daraus Handlungen abzuleiten, die die Elterngeneration, die unter der Doktrin preußischer Sekundärtugenden erzogen worden war, ratlos ihren Kindern gegenüberstehen ließ, deren Gebaren in ihrer Jugend als das eines Taugenichts abgestempelt worden wäre. Eine Selbsterkenntnis in Hinsicht der Wirkmächtigkeit der eigenen Meinung und des Beteiligungswillens entstand, ein Wunsch Teilzuhaben und die Definition dessen, was die Gesellschaft anerkennt und tut, nicht nur den Eltern zu überlassen. Aus dem Wunsch nach selbstbestimmter Veränderung, die nicht eintrat, wurde die Freiheit darüber aufzubegehren. Dies sei der Aktionismus, zu versuchen, etwas zu bewirken, auch wenn dies gegen Widerstände erfolge, der heute vielen fehle, mit dem die heutige Jugend verglichen, blass und unpolitisch sei. Aber ist das wirklich so? Lässt der Wandel jungen Protests nur eine Beobachtung über den Aussagenden, nicht aber über die Art der Aussage zu? Protest und Jugendbewegungen sind ein spezifisches Thema im Sammelbecken des Aufstands. Aber junge Protestkultur ist immer richtungsweisend und progressiv. Sie zu betrachten mag unvollständig sein, schränkt die Perspektive aber nicht zu sehr ein, weil junger Protest avantgardistisch sein kann, ohne automatisch exklusiv zu werden</p>
<p>Der Protest ist ein machtvolles Instrument politischer Aktion. In vielerlei Hinsicht ist er die Ultima Ratio der Opposition gegen einen Umstand, Entschluss oder Plan. Der Entschluss zum Protest ist der Äußerste, der feststellt, dass jede andere Initiative gescheitert oder perspektivlos ist. Wer sich nicht klar und unmissverständlich gegen etwas aussprechen muss, hat offensichtlich keinen Grund den Protest zu suchen; was sich im Gespräch in gegenseitigem Einvernehmen und als einheitliches Interesse festlegen lässt, bedarf keiner Demonstration. Diese Feststellung hat allerdings auch einen Umkehrschluss, der den Protest zu einem Mittel macht, das mit größerer Vorsicht einzusetzen ist, als dies in der Geschichte oft geschah. Es geht mit ihm die Verantwortung einher, ihn nur in letzter Konsequenz anzustreben. Für ein machtvolles, politisches Instrument gilt, unabhängig vom Akteur, dass der Einsatz entsprechend gerechtfertigt sein muss. Sonst bekommt der Protest ein Legitimationsproblem.</p>
<p>Wer den Protest wählt, stellt damit auch die eigene sonstige Ohnmacht fest, im geregelten Lauf der Dinge eine Veränderung herbeizuführen. Es ist Ohnmachtsbekunden und Machtbeweis zugleich, indem es die Auseinandersetzung auf eine neue Ebene hievt, die dadurch, dass Sie gegen Konventionen spricht, dem Gegenüber der Auseinandersetzung erschwert, darauf zu reagieren. Wer den Protestmarsch wählt, stellt damit fest, in Plenarsälen nichts mehr erreichen zu können, hievt die politische Auseinandersetzung auf die Ebene des Plenums der Straße, auf die der Berufspolitiker schlechter reagieren kann. Sind zuvor nicht alle Mittel ausgereizt, gibt es weniger Möglichkeit, begründet erklären zu können, warum diese Ausweitung nötig ist. Die Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit sind Rechte, die mündigen Bürgern zugesprochen werden müssen, sie sind allgemein anerkannte Grundprinzipien einer demokratisch-pluralistischen Grundordnung. Dass ein mündiges Mitglied einer solchen mit Rechten auch Verpflichtungen erwirbt, ist ersichtlich. Dazu gehört die Grundordnung, der gemeinsamen Bewältigung von Aufgaben und Problemen beizutragen, was nirgends explizit niedergeschrieben sein mag, aber einleuchtet, wenn man voraussetzt, dass der engagierte Demokrat auch ein Interesse an der Erhaltung der Demokratie hat. Wer Probleme lösen will, ist darauf angewiesen, dass die anderen das auch wollen und daher angehalten, in wechselseitigem Interesse auch auf deren Probleme konstruktiv einzugehen. Mit der Freiheit des Aufbegehrens geht also auch eine Pflicht einher: die Verantwortung der Freiheit ernst zu nehmen und die Hintergründe des Protests kritisch zu prüfen. Denn das, was dem Protest seine Legitimation raubt, ist, wenn er zum Selbstzweck verkommt und damit, entgegen seiner eigentlichen Entstehungsgrundlage, Lösungsmöglichkeiten umgeht.</p>
<p>Ein veränderter Umgang mit Protest muss nicht ausschließlich nahelegen, dass sich etwas im Wesen der Protestierenden verändert hat, sondern kann auch bedeuten, dass die Umstände anders waren, die Menschen einst dazu bewegten. Je mehr der Pluralismus dazu in der Lage ist, Meinungen zu integrieren und ernsthaft zu berücksichtigen, desto weniger werden die Berücksichtigten einen Grund sehen, ihre Meinung in einen Kreis zu tragen, der nötig wird, weil sie sonst niemand hören will. Wenn kein Ronald Reagan an der Spitze des Staates California sitzt, der bereit ist, im Ernstfall Studenten auf dem Berkeley Campus niederknüppeln zu lassen, muss es erst gar keine Studenten geben, die lauthals Veränderung fordern, weil die politische Kaste zu weit von ihrem Wirkradius entfernt ist, als dass sie sich verstanden fühlen würden.</p>
<p>Die Verheißung des Aufbegehrens ist fast immer eine Hoffnung auf eine bessere, gerechtere, freiere, solidarischere oder offenere Ordnung, die allzu oft enttäuscht wurde. Diese nicht leichtfertig herauszufordern, wenn man die Möglichkeit hat, zuvor andere Wege zu gehen, ist kein Zeichen von politischer Blässe und Unwille zur Beteiligung. Es ist ein Bekenntnis zu politischer Reife, die den Prozess der langfristig-soliden Alternativen den massenwirksam-plakativen vorzieht.</p>
<p><em>Bild: Wikimedia Commons, Squatters in Berlin, Kreuzberg (1981), Tom Ordelman</em></p>
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